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Germania Burschenschaft postet Hitler-Zitat

Die Kasseler Burschenschaft Germania fällt durch Neonazi-Sprüche in den sozialen Medien auf, lädt Björn Clemens ein und unterhält enge Verbindungen zur örtlichen AfD. Vom Verfassungsschutz beobachtet wird die Germania deshalb aber nicht.

Björn Clemens
Björn Clemens (Archivbild). Foto: imago

Die Kasseler Burschenschaft Germania, mit der der örtliche AfD-Funktionär Michael Werl zumindest zeitweilig in enger Verbindung stand, hat erneut einen bekannten rechtsextremen Aktivisten zum Vortrag in ihr Haus eingeladen. Wie der Studentenbund auf seiner Facebook-Seite mitteilte, soll der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Burschenschafter Björn Clemens am 17. November über das Thema „Ist die BRD reformfähig?“ sprechen. Clemens, der als Strafverteidiger immer wieder prominente Neonazis vor Gericht vertritt und als Szene-Anwalt gilt, ist Mitglied im Bundesvorstand der „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP). Die Organisation relativiert oder leugnet die nationalsozialistischen Verbrechen und ist laut Bundesverfassungsschutz die größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland.

Bei der Kasseler Germania sind unter anderem schon der Holocaust-Leugner Horst Mahler und der mittlerweile verstorbene Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger aufgetreten. Unter den mensurschlagenden Waffenstudenten tummeln sich, wie die FR nachgewiesen hat, zahlreiche Rechtsextreme. Dennoch wird die Verbindung nach wie vor nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

Michael Werl, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Kasseler Rathaus, hat mehr als zwei Jahre in einem Haus der Germanen gewohnt und besuchte gemeinsam mit ihnen eine Kundgebung des Kasseler Pegida-Ablegers. Seine Zugehörigkeit zu der Verbindung offenbarte der 31-jährige Student zudem in einem Facebook-Post. Öffentlich behauptete er jedoch, niemals Mitglied geworden zu sein, und stellte der Burschenschaft zugleich einen Persilschein aus: Er habe dort nie einen Neonazi getroffen.

Hitler-Zitat gepostet

Dabei bekennt sich die Germania mittlerweile sogar ganz offen zum Neonazismus. Im April 2015 widmete sich ein burschenschaftlicher Vortragsabend dem Thema „Die nordisch-germanische Frau“. Bei Facebook zitierte die Burschenschaft dazu die NSDAP-Propagandistin Ruth Köhler-Irrgang, die sich darüber auslässt, wie man „die Frau eines Volkes zur Hüterin seines Blutes“ machen könne.

Vor einer Woche gab es dann einen Vortrag über „Herzog Widukind und die Sachsenkriege“, und auch diesmal leitete der Studentenbund seinen Facebook-Beitrag mit einem Zitat ein: „Wer seinem Volke so die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen sein!“ Dahinter in Klammern der Hinweis: „Verfasser unbekannt“. Was nur ironisch verstanden werden kann: Die Worte standen an der Wand der „Widukind-Gedächtnisstätte“, die die Nazis 1939 im westfälischen Enger einrichteten. Sie stammten von Adolf Hitler.

Von der Burschenschaft war keine Stellungnahme zu bekommen.

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