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Geoparks Hund mit vielen Leben

Wissenschaftler und Touristen können in Hessen Erdgeschichte hautnah erleben - im Geopark. Der "Korbacher Dackel" fiel vor 250 Millionen Jahren in eine Erdspalte - und ist heute der Star des neuen Parks. Von Gesa Coordes

Der Procynosuchus, auch Korbacher Dackel genannt, als Modell. Foto: Rolf K. Wegst

Einheimische sprechen respektlos vom "Korbacher Dackel". Dabei ist das 250 Millionen Jahre alte Reptil aus der Korbacher Spalte das Aushängeschild des jüngsten deutschen Geoparks: "Grenzwelten" in Nordhessen wurde vor Kurzem offiziell anerkannt. Die Region kann sich nun mit der Vulkaneifel, der Insel Lesbos oder den schottischen Highlands messen. Über ganz Waldeck-Frankenberg und die angrenzenden Regionen zieht sich das "Fenster zur Erdgeschichte".

Im Mittelpunkt steht die Korbacher Spalte. Die beschauliche Kleinstadt im Nordwesten Hessens lag einst am Ufer des Zechsteinmeeres. In einer Trockenzeit verkarstete das Gebiet, nach einem Erdbeben riss der Boden auf.

Die Korbacher Spalte - bis zu drei Meter breit und zwölf Meter tief - entstand und wurde zur regelrechten Fossilienfalle, in die Knochen von toten Reptilien gespült wurden. Erst vor 20 Jahren wurde bekannt, welche wissenschaftliche Sensation die Spalte barg: Überreste von 20 säugetierähnlichen Reptilien und Urreptilien - viel älter als jeder Dinosaurier.

Star der Funde wurde der 60 bis 100 Zentimeter lange Procynosuchus, der sogenannte Hundezähner. Da Funde des Reptils bislang nur aus dem Süden Afrikas bekannt waren, hatten Wissenschaftler damit einen Beweis für die Existenz von Pangäa, einem Riesenkontinent aus der Zeit, als Europa und Afrika noch verbunden waren.

Zu bewundern sind lebensgroße Nachbildungen des Procynosuchus im Korbacher Wolfgang-Bonhage-Museum, das neuerdings das Zentrum des Geoparks bildet. "Die Korbacher Spalte ist das Highlight des Geoparks", sagt Projektleiter Norbert Panek. Die Spalte liegt in einem alten Steinbruch vor den Toren der Stadt.

Dort soll ein Besucherzentrum mit einer Infostelle im früheren Kalkturm, einer Riesenrutsche und einer Knochenausbuddelstelle für Kinder entstehen.

Nur wegen der Korbacher Spalte wäre der Geopark allerdings nicht zertifiziert worden, betont Christof Elger, der Geschäftsführer der Geo-Union: "Grenzwelten hat ein hochinteressantes, abwechslungsreiches geologisches Erbe mit geologischen Phänomenen aus unterschiedlichen Zeiten." So gehörten allein acht Schaubergwerke dazu - darunter das große Braunkohlemuseum in Borken und das Schwerspatmuseum in Medebach-Dreislar.

Ein verbindendes Thema sind geologische, naturräumliche und kulturhistorische Grenzen: Quer durch den Geopark verläuft das einstige Ufer des Zechsteinmeeres, das vor Millionen von Jahren gegen das Schiefergebirge im Osten brandete. Der Eisenberg mit seinen Goldvorkommen ragte als Insel heraus. Das Meer hinterließ an den Rändern des damals noch jungen Kellerwaldes - heute Nationalpark - Kalk- und Dolomitgesteine sowie Fossilien von Panzerfischen. Jetzt plant der Kreis einen Zechsteinpfad auf der Höhe der einstigen Küstenlinie. Er soll von der Spalte über das Orketal bis zur nahe Frankenberg gelegenen Grube Bötzel mit ihrer bedeutenden Pflanzen-Fundstelle aus dem Zechstein führen.

"Wir haben auf einer kleinen Fläche die gesamte Entstehungsgeschichte der Mittelgebirge. Das gibt es in dieser Konzentration nirgendwo", sagt Panek. Geologiestudenten kommen deshalb schon seit Jahren in die Region. Panek hofft aber auch auf zusätzliche Touristen. Heute ist Waldeck-Frankenberg mit etwa drei Millionen Übernachtungen pro Jahr die wichtigste hessische Fremdenverkehrsregion. Jetzt werden 25 Geopark-Führer ausgebildet.

Zehn regionale Zentren bietet der Geopark, der eine Zeitspanne von 400 Millionen Jahren umfasst: Bei Wolfhagen, wo erloschene Vulkane das Land prägen, haben urzeitliche Echsen aus der Kreidezeit ihre Fußabdrücke im Sandstein hinterlassen. Aus der gleichen Zeit stammt die Saurierfundstelle Nehden bei Brilon, wo Knochen und Zähne der bis zu zehn Meter großen Gattung Iguanodon entdeckt wurden.

Auf die Spur des Edergoldes führt die Goldgräber-Tour. Die Adorfer Klippe und das Hochsauerland zeigen die Welt des urzeitlichen Devons. Eiszeitliche Funde von Mammuts, Riesenhirschen und Wollnashörnern gehören zur Jagdstation Buhlen bei Bad Wildungen. Ökologische Kostbarkeiten sind die seltenen Moore des Christenbergs, die Hochheiden im Upland, die Urwälder an den Steilhängen des Edersees und die Mineralquellen von Bad Wildungen und Bad Zwesten.

Weitere Informationen: www.geopark-grenzwelten.de

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