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Gehilfersberg Letzte Ausfahrt Bilderbuchwald

Der jüngste Friedhofswald ist ein schönes Fleckchen Erde für Heimatliebende.

01.07.2009 00:07
Thomas Witzel

Ein kleiner bewaldeter Hügel, oben drauf eine winzige Barockkapelle. Bilderbuch-Deutschland, wie es sich Tomi Ungerer nicht schöner hätte vorstellen können in seinem illustrierten Volksliederbuch. Der unbekannte Gehilfersberg bei Rasdorf im hessischen Kegelspiel im Hünfelder Land, nahe der eher bekannten Grenz-Gedächtnisstätte Point Alpha, hat eine lange Geschichte: Als Wallfahrtsort und in seiner Form einzigartiger Wehrfriedhof mit hohen Mauern. Und nun soll ein neues Kapitel dazukommen. Josef Wiegand und seine Frau Christa wissen sehr wohl um die Bedeutung dieses alten Ortes, und gerade aus diesem Wissen heraus haben sie sich an die Realisierung eines lange gehegten Wunsches gemacht.

Die Wiegands sind heimatverbundene Menschen mit dem Sinn für das Machbare. So haben sie ihre Firma aufgebaut, nebenbei gesagt, der führende Hersteller von Sommerrodelbahnen in der ganzen Welt, und so haben sie sich auch dem Projekt Friedhofswald Gehilfersberg genähert.

Dass die in der Region als markantes Wahrzeichen bekannte Immobilie schon im Besitz der Familie war, hat den Entschluss nur befördert und die ersten Schritte erleichtert. Trotzdem war der Weg nicht einfach: Neue Bestimmungen im hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetz die Gemeinde musste erst einen Bebauungsplan aufstellen und die Frage, ob Stiftung oder GmbH, ließen mehr Zeit verstreichen, als man sich im hessischen Kegelspiel vorgenommen hatte.

Und auch strikte Auflagen, die zum Beispiel den Einsatz von Baggern oder ähnlichen Geräten zum Ausheben der Urnengräber untersagten, ließen das Projekt so manches Mal stocken. Jetzt haben sich die Wiegands auf die Rechtsform GmbH geeinigt und der Optimismus ist nachgerade hörbar.

Die "deutlich mehr als eine Handvoll Interessenten", von denen Josef Wiegand noch vor einem Jahr den Start ins Projekt abhängig machte, ist längst erreicht. "Wir sind zufrieden", sagt er. Viele Anfragen aus der direkten Umgebung habe es gegeben. "Sogar ein Mann aus Frankfurt, der ursprünglich aus dem Altkreis Hünfeld stammte, hat sich vormerken lassen". Ein mögliches Klientel für den alternativen Bestattungswald sieht Wiegand auch im angrenzenden Thüringen, wo es wegen gesetzlicher Beschränkungen keine Friedwälder gibt.

Im Einklang mit der Natur

Und so wie der künftige Friedhofswald im Einklang mit der darumliegenden Natur liegen soll, wünschen sich die Wiegands auch Einklang mit den Menschen dieser eher ländlichen Gegend. "Es hat hier niemanden gegeben, der sich gegen das Projekt ausgesprochen hat. Die Bevölkerung hat es sehr positiv aufgenommen", sagt ein optimistisch klingender Josef Wiegand.

Sie haben auch mit dem Pfarrer gesprochen. Der hatte schließlich nichts mehr gegen christliche Totenfeiern in der Kapelle, atheistische oder naturreligiöse Feiern will er aber nicht gestatten. Und auch der Bischof im nicht weit entfernten Fulda hat die Wiegands dann letztendlich walten lassen.

Anfang Juni hat die Politik unter geringfügigen Auflagen ihr Plazet beigesteuert und die Rasdorfer Gemeindevertretung das Projekt abgesegnet. Und vor gut einer Woche ist die Urne eines Mannes aus Frankfurt unter einem der schönen Bäume am Gehilfersberg in die Erde gesetzt worden. Es war die erste Bestattung. 170 Grabstellen sind vorgesehen.

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