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Geehrte Schöffen Vorbild für die Gesellschaft

Zwölf ehrenamtliche Richter erhalten in einer Feierstunde im Römer für ihre Tätigkeit den Ehrenbrief des Landes. Von Canan Topcu

11.11.2008 00:11
CANAN TOPçU
Gerhard Baron von Heyking erhält eine Auszeichnung für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Schöffe. Foto: FR/Müller

Ist es als Berufskrankheit zu bewerten, wenn der Mitarbeiter eines Matratzengeschäfts immer wieder ein Nickerchen auf einem der Ausstellungsstücke hält? Mit dieser Frage hatte sich das Gericht zu befassen, denn der Arbeitgeber hatte besagten Matratzenverkäufer entlassen, der wiederum wollte dies nicht hinnehmen und argumentierte zu seiner Entschuldigung mit "Berufskrankheit". An diesen Fall erinnert sich Helga Landgraf am Montagnachmittag im Römer, wo sie als eine von neun ehrenamtlichen Richtern mit den Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurde.

Landgraf, hauptberuflich bei der Pharmafirma Sanofi Aventis im Betriebsrat beschäftigt, ist seit 1994 als ehrenamtliche Richterin tätig. An das Urteil im beschriebenen Fall erinnert sich die 55-Jährige nicht mehr, aber an manch andere kuriose Fälle, die vor Gericht landeten. Bewundernswert findet sie die Arbeit der hauptamtlichen Richter. "Die schauen sich nur den Fall an und lassen sich von der äußeren Erscheinung der Personen nicht beeinflussen. Es ist egal, ob einer schlampig oder mit Krone erscheint", schildert sie ihren Eindruck. Aber so ganz objektiv sei sie wohl auch nicht, gesteht die Betriebsrätin und ehrenamtliche Sozialrichterin. "Meine Entscheidung fälle ich auch mal ganz nach dem Bauchgefühl."

Von dem Gefühl, nicht immer viel ausrichten zu können, berichtet Gina Lülves. Von "kleinen Leuten, die um ihre Rente kämpfen" und Gesetzen, die nicht viel Freiraum bieten, berichtet sie, die hauptberuflich Geschäftsführerin der FR-Altenhilfe ist und seit 1994 im Sozialgericht als ehrenamtliche Richterin vier bis fünf Mal im Jahr zum Einsatz kommt. Der Hessische Ministerpräsiden verleiht den Ehrenbrief "in Anerkennung langjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit", ist in der Urkunde zu lesen, die Stadtrat Peter Mensinger am Nachmittag überreichte.

Zwölf standen auf der Liste, gekommen waren zur Feierstunde aber nur neun: Aus Frankfurt neben Helga Landgraf und Gina Lülves auch Gerhard Baron von Heyking, Rosemarie Mika, Helmut Schneider, Anni Dahesch und Helmut Völker sowie Heidi Schlüter aus Nauheim und Horst Hupke aus Alzenau. Nicht entgehen lassen wollte sich die Feierstunde auch die Tochter von Heykings; sie kam mit ihrem anderthalb Jahre alten Sohn Leon.

Verliehen wird der Ehrenbrief des Landes Hessen an all jene Bürger, die mindestens zwölf Jahre ehrenamtlich und uneigennützig tätig sind, erklärte Mensinger in seiner Ansprache. Der Stadtrat zitierte darin auch den hessischen Justizminister Jürgen Banzer, der die ehrenamtlichen Richter als "eine der tragenden Säulen unseres demokratischen Gemeinwesens" bezeichne. Die Ehrenamtlichen tragen nach Banzers Worten dazu bei, dass der Urteilsspruch "im Namen des Volkes" mit Leben gefüllt werde.

Es sei wichtig, dass neben qualifizierten Berufsrichtern auch Menschen zur Rechtsprechung mit herangezogen würden, die einer anderen Erwerbstätigkeit oder Beschäftigung nachgingen und das einbrachten, was üblicherweise "gesunden Menschenverstand" genannt werde, erläuterte Mensinger. Die ehrenamtlichen Richter setzten sich mit aktivem und nachhaltigem Engagement vorbildlich für die Gewährung sozialen Rechtsschutzes ein und trugen zur sozialen Gerechtigkeit bei.

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