Lade Inhalte...

Gedenken Zuntz aus der Judengasse

Zum Beispiel die Familie Zuntz. Elf Mal taucht der Name auf Stolpersteinen auf, die am Freitag im Ostend, im Nordend, in Bornheim und der Innenstadt verlegt

Zum Beispiel die Familie Zuntz. Elf Mal taucht der Name auf Stolpersteinen auf, die am Freitag im Ostend, im Nordend, in Bornheim und der Innenstadt verlegt worden sind. In der Uhlandstraße, der Linnestraße, der Kurt-Schumacher-Straße und der Jahnstraße. Nachkommen aus der ganzen Welt treffen sich aus diesem Anlass in der Stadt; Menschen, die sich vorher nicht gekannt haben, wie Hartmut Schmidt von der Initiative Stolpersteine berichtet.

Die jüdische Familie Zuntz (auch Zons oder Zunz) hatte in Frankfurt eine lange Tradition; der Urvater war im 15. Jahrhundert in die Judengasse gezogen. Durch die Verfolgungen in der NS-Zeit wurden nicht nur die Wurzeln sondern auch Erinnerungen zerstört: Dass es einen Karl Zuntz gegeben hat, für den der Künstler Gunther Demnig einen Stolperstein vor die Adresse Kurt-Schumacher-Straße 35 setzte, hatten Nachkommen zufällig in der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz entdeckt.

KARL ZUNTZ entzifferten sie auf einem der hinter einer Glasscheibe aufgestapelten Koffer, jenem Koffer, mit dem der Frankfurter aus der Mitte der Stadt deportiert worden war. Karl Zuntz, 1897 im Rothschild-Stammhaus als Sohn des Verwalters geboren, war später selber Rothschilds Verwalter und hat mit Frau und fünf Kindern dort gelebt. Auch für drei der Kinder, für Esther, Miriam und Harry Zuntz, liegt jetzt ein Gedenkstein im Pflaster. Der fünfte Stein erinnert an Ella, Karls Frau. Alle fünf wurden ermordet, sollen aber nicht vergessen sein.

Textorstraße 79

Es sind 94 neue Stolpersteine, die bis Sonntagnachmittag in Frankfurt verlegt werden; 44 Häuser sind einbezogen, meist die letzten aus freien Stücken gewählten Wohnsitze der Betroffenen. In Sachsenhausen werden derartige Merkzeichen erstmals gesetzt; die Initiative der grünen Landtagsabgeordneten Sarah Sorge und ihres Vaters steht dahinter - in der Textorstraße, wo die Familie zuhause ist. Im Haus Nummer 79 hatten einst Selma und Gisela Herpe gewohnt - bis sie 1942 auf den Transport "nach Osten" und nie wieder zurückkamen.

Die Zahl dieser Erinnerungszeichen für mehr als 11000 Frankfurter jüdischen Opfer addiert sich in der Stadt auf rund 500. Ein kleinerer Teil der Stolpersteine erinnert an Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen oder Homosexuelle. Unter den 94 bedachten Personen sind diesmal drei aufgeführt, die sterben mussten, weil sie behindert waren, weil ihr Leben den Nazis als "unwert" galt. Nach langem Drängen ihrer Angehörigen ist das Euthanasieopfer Hermine Stogniew darunter; "am 13. 02. 1941 in Hadamar vergast", wie man auf dem Stolperstein lesen kann, der morgen vor der Neuhofstraße 25 gelegt wird.

Der Terminplan findet sich unter der Internet-Adresse www.stolpersteine-frankfurt.de. Das Buch zur Geschichte der Familie Zuntz "Der Koffer des Karl Zuntz" ist im Droste-Verlag erschienen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen