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Gedenken an den Holocaust Drei Ideen gegen das Böse

Die Jury für die Gedenkstätte Großmarkthalle stellt die Sieger des Frankfurter Wettbewerbs vor. Drei interessante Konzepte gibt es. Die Auswahl wird schwierig. Die Realisierung noch viel mehr. Von Claudia Michels

Jean-Claude Trichet vor der "Gleisharfe", hinten die Halle. Foto: Boeckheler

Für die geplante Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle liegen seit Freitag drei Entwürfe vor. Ort des Gedenkens an das grausame Geschehen im Keller der einstigen Deportations-Sammelstelle der Juden soll an der Ostseite sein, wo die Güterzüge die Stadt verließen.

Alle Preisträger passen die auffindbaren Erinnerungsstücke in ihre Entwürfe ein: den weitläufigen Keller, die überwucherten Gleise, das zugemauerte Stellwerk. Namens der Frankfurter Jüdischen Gemeinde kennzeichnete das Jury-Mitglied Salomon Korn die Bestandteile als "banale Dinge des Alltags", die von der "Banalität des Bösen" zeugten.

"Bewegend und erschütternd" hat Oberbürgermeisterin Petra Roth die Auseinandersetzung mit dem Thema Deportation erlebt, der sich die Jury zu stellen hatte. Wie sie hat auch Jean-Claude Trichet, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), die Auswahl im europaweiten Ideenwettbewerb "sehr beeindruckt", wie er bei der Vorstellung im Haus am Dom sagte. Trichet rief in Erinnerung, dass die Bank Europas die Realisierung dieses Mahnmals bereits seit 2001 betreibe. Denn "ganz Europa war von den Nazis verfolgt", setzte Petra Roth hinzu.

An der ersten Auswahl-Phase waren 139 Büros beteiligt, die letzte Wahl wurde unter 19 Teilnehmern getroffen. Die drei ausgesuchten Entwürfe sollen überarbeitet werden. Salomon Korn meinte, es könne noch Jahre dauern, ehe die Gedenkstätte installiert und tatsächlich zu "einem der wichtigsten Plätze in Frankfurt" werde, wie es Jean-Claude Trichet beschwor.

"Die Drei haben sich eher auf die Spuren des Vorhandenen beschränkt", beschrieb der Jury-Vorsitzende Nikolaus Hirsch eine tragende Idee. Das Büro Böhm Zahiri aus Berlin möchte die Schienen vom Stellwerk aus zu einer "Gleis-Harfe" gruppieren, an deren Kanten sich Texte finden. Das Büro Katzkaiser (Köln) hat eine in Betonwände gefasste Rampe Richtung Keller gelegt.

Der dritte Entwurf ist der aufwendigste: Loocom/M architekten aus Frankfurt setzen einen braunen Quader auf die Gleise, der einen "Andachtsraum" umschließt und per unterirdischem Gang mit dem Stellwerk verbunden ist. Offen blieb, wie der (öffentliche) Außenraum und der (sicherheitsüberwachte) Innenraum des Denkmals über die Grundstückgrenze der Bank verbunden wird. Das Gedenken braucht eben vor allem Zeit.

www.main-frankfurter-osten.de

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