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Gary Lam in Offenbach Vom Meister des Wing Chun lernen

Gary Lam gilt als Legende im Kung Fu, hat schon mit Bruce Lee trainiert. Im Tempel der alten Künste gibt er in Offenbach sein Wissen der Kampfkunst an Schüler weiter.

Gary Lam
Gary Lam (rechts) demonstriert mit einem der Teilnehmer, wie man Angriffe abwehren kann. Monika Müller (2) Foto: Monika Müller

Nicht nur aus ganz Hessen und Deutschland, sondern auch aus Italien, der Schweiz, England und den USA sind Wing-Chun-Begeisterte nach Offenbach gekommen. Der Grund: Gary Lam, Großmeister im Kung-Fu, der schon mit Bruce Lee trainierte. „Eine wahre Legende“, sagt Michael Mehle, der die private Kampfkunstschule „Tempel der alten Künste“ in Offenbach leitet. „Wing Chun ist ein chinesischer Kung-Fu-Stil, den Gary Lam in Perfektion beherrscht, er gehört mit Abstand zu den erfahrensten Meistern.“ Viele der gut 40 Teilnehmer sind extra angereist, um bei dem Seminar von ihm zu lernen und mit ihm zu trainieren.

Die volle Aufmerksamkeit gilt ihm, als er zeigt, wie er einen Angriff abwehrt – und das nur, indem er den gebeugten Arm hochnimmt. Der Angreifer, einer der Teilnehmer, blitzt ab, sein Arm landet im Leeren. „Da braucht es nicht mal Kraft, das können auch Mädchen“, sagt Lam. Die Teilnehmer lachen. Auf den ersten Blick sieht der Griff banal aus. Doch dahinter steckt eine ausgefeilte Technik, die Lam im Detail erklärt: Hand gerundet, aber offen, Arm gebeugt, aber nicht zu spitz. Doch bei der Abwehr bleibt es nicht, ein paar Armbewegungen weiter und Lam könnte dem vermeintlichen Angreifer einen Kinnhaken versetzen.

Doch darum geht es im Wing Chun gar nicht. Lam spricht weiter über Yin und Yan, über Sanftheit und Härte, über fließende Energien und über die Elemente.

„Sich verteidigen zu können, ist ein positiver Nebeneffekt“, sagt Mehle. „Aber es geht nicht darum, sich zu verletzen. Wing Chun ist keinesfalls ein Kampfsport, sondern eine Kampfkunst. Es geht vielmehr um die geistige Haltung, um Ethik, um Philosophie.“ Ein Wettkampf dauert deshalb oft nur drei, viel Sekunden. Es geht um Balance, um Gerechtigkeit, ums gegenseitige Helfen. „Wing Chun schrumpft quasi ganz langsam das Ego und baut gleichzeitig das Selbstbewusstsein sein auf“, sagt Mehle. Früher, sei der Wing-Chun-Stil vor allem der elitären Schicht Hongkongs vorbehalten gewesen: Sie hatten genug Geld und Zeit, sich der Kunst zu widmen.

In Hessen die einzige Kampfkunstschule

Heute habe Wing Chun zwar nichts elitäres mehr, aber es sei auch noch nicht in der Masse angekommen. „In Hessen ist der Tempel der alten Künste nach wie vor die einzige Kampfkunstschule“, sagt Mehle. Derzeit lernen etwa 80 Schülerinnen und Schüler an den Trainingsorten, sogenannten Kwoons, in Offenbach und Johannisberg im Rheingau.

Spricht Lam über die Wing-Chun-Studenten in Deutschland, gerät er ins Schwärmen: „Sie haben die nötige Ernsthaftigkeit für die Kampfkunst, haben Biss und arbeiten hart.“ Die Qualität hierzulande sei „gut“. Wie gut genau? „Gut“, sagt er diplomatisch, lächelt und beginnt zu erzählen, wo er überall Schüler hat: nahezu überall. Er ist international bestens vernetzt.

Wichtigster Kommunikationsweg für die Nischenszene ist die Videoplattform Youtube. Darüber lernte Mehle Lam kennen. Nachdem sie sich in Los Angeles trafen, war klar: Lam wird sein Meister, sein Sifu, wie es im Wing Chun heißt. Die Ausbildung dauert lange. „Ich bin heute quasi noch immer in Ausbildung, eigentlich ist sie nie abgeschlossen“, sagt Mehle. 1990 hat er mit der Kampfkunst begonnen und sie so weit perfektioniert, dass er seit 2001 die private Schule eröffnete.

„Die Kampfkunst lehnt sich sehr an eine Familie an. Es gibt zum Beispiel Stammbäume, die zeigen, wer wessen Meister ist. Demnach lehrt gerade der ,Opa’, also mein Sifu, ,meine Kinder’“, erklärt Mehle.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.tempel.co

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