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Gabriele Möhlke in Königstein Feminismus mit roten Rosen

Gabriele Möhlke hilft in Königstein Frauen bei Einstieg und Rückkehr in den Beruf. Dafür ist sie nun mit dem Elisabeth-Selbert-Preis ausgezeichnet worden. Ein Portrait.

Möhlke
Gabriele Möhlke ist mit dem Elisabeth-Selbert-Preis ausgezeichnet worden. Foto: Renate Hoyer

Rote Rosen weisen den Weg. Wer den Verein „Social Business Women“ (SBW) in Königstein besucht, wird von einer Spur aus Blumensträußen durch das Treppenhaus in den zweiten Stock geleitet, wo Geschäftsführerin Gabriele Möhlke und ihre sieben Mitarbeiterinnen ihre Büros haben.

Dabei dient die romantische Optik einem ganz handfesten Ziel: Sozial benachteiligten Frauen eine neue berufliche Perspektive zu eröffnen, egal ob sie ihre Zukunft als Angestellte oder Selbstständige sehen. Eine Aufgabe, der sich Gabriele Möhlke in unterschiedlicher Form seit insgesamt 30 Jahren widmet. Dafür ist sie vor kurzem mit dem Elisabeth-Selbert-Preis des Landes Hessen ausgezeichnet worden.

„Das ist eine ganz besondere Form der Anerkennung“, freut sich die 57-Jährige. Schließlich habe Elisabeth Selbert maßgeblich dafür gesorgt, dass die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau 1949 im Grundgesetz verankert wurde.

Gabriele Möhlke setzt sich ihrerseits bereits seit ihrer eigenen Studienzeit für die berufliche Gleichstellung ein. Der Titel ihrer Diplomarbeit ist dabei Programm: „Feministische Mädchenarbeit – Gegen den Strom“. Ihre erste eigene Arbeitsstelle habe sie sich quasi selbst geschaffen, sagt sie und lacht. Bereits 1988 hatte sie mit ihrer Kollegin Doro-Thea Chwalek den Verein Mädchentreff Wiesbaden gegründet, den sie dann bis 1996 hauptberuflich geleitet hat. Ein Förderprogramm der rot-grünen Landesregierung machte das damals möglich.

Ziel sei es gewesen, den Mädchen andere Berufe als die bis dahin gängigen schmackhaft zu machen, schildert Gabriele Möhlke. Richtig ins Schwärmen gerät sie, wenn sie von den ersten IT-Kursen erzählt. Bereits Anfang der 1990er Jahre hätten die Mädchen kurze Trickfilme am Computer erstellt. „Wir hatten die Nase vorn“, sagt Möhlke. Einige der Filme wurden sogar mit Preisen ausgezeichnet.

Nach sieben Jahren habe sie aber gemerkt, dass es Zeit wurde, etwas anderes zu machen. „Die Mädchen haben angefangen, mich zu siezen“, erzählt Gabriele Möhlke. Den Mädchentreff gebe es aber heute noch. Ihr sei es immer wichtig, für eine funktionierende Nachfolge zu sorgen, wenn sie selbst aufgehört habe. „Da steckt schließlich viel Herzblut drin.“

Das gilt genauso für den Verein „Berufswege“, in dem sie von 1997 bis 2013 die Geschäfte führte und zahlreiche Projekte für Existenzgründerinnen ins Leben rief. Zumal ihr aktuelles Projekt „Social Business Women“ sich quasi direkt daraus ergeben hat.

Sie habe immer wieder erlebt, dass Gründerinnen mit ungewöhnlichen Ideen nur schwer an Kredite herangekommen seien, schildert Möhlke. Da habe sie 2009 den Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus kennengelernt, der in Bangladesch die Vergabe von Mikrokrediten populär gemacht hat.

„Genau das brauchen wir hier“, habe sie sich gedacht und in Wiesbaden ein entsprechendes Modell entwickelt. Was einfacher klingt als es war: So musste Gabriele Möhlke mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aushandeln, dass sie überhaupt Gründungskredite ohne Sicherheiten vergeben durfte.

Nach drei Jahren sei dann die Accenture Stiftung auf sie zugekommen mit dem Angebot, das Ganze auszuweiten. Inzwischen hat SBW Standorte in Wiesbaden, Mainz, Offenbach, Groß-Umstadt und Rostock und kann pro Jahr bis zu 35 Mikrokredite à 10 000 Euro vergeben.

Wobei das nur die Ultima Ratio sei, wie Gabriele Möhlke betont. „Wir beraten immer zuerst in Richtung öffentliche Förderung.“ Deshalb seien in diesem Jahr bislang auch erst acht dieser Darlehen abgerufen worden.

Ihrer Erfahrung nach gibt es weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, wenn es ums Geschäft geht. So agierten Frauen vorsichtiger und hätten mehr Angst vor Schulden. Folge: „Gründerinnen scheitern seltener.“ Der Nachteil sei, dass Frauen oft keine Wachstumsperspektive für ihr Unternehmen hätten, auch wenn es gut laufe; zusätzliche Arbeitsplätze entstünden so kaum.

Insgesamt habe sich zwar einiges getan, was das Verhältnis der Geschlechter im Beruf angehe, so Möhlke. „Junge Frauen überlegen mehr, wie sie Karriere machen und Geld verdienen können.“ Dennoch konstatiert sie: „Die Gleichberechtigung ist noch nicht geschafft.“ So fielen die meisten Frauen wieder in alte Rollenmuster zurück, wenn sie Mütter werden. Deshalb sieht sie ihre Aufgabe noch nicht als beendet an. „Es ist weiterhin notwendig, weibliche Potenziale zu fördern.“

In ihrem eigenen Leben hätten immer ihr Beruf und ihre Projekte im Vordergrund gestanden. „Das war eine Herzensgeschichte.“ Vor allem in den ersten Jahren habe sie regelmäßig mehr als acht Stunden gearbeitet, und nicht selten auch an den Wochenenden. „Ich habe mich gegen Kinder entschieden“, sagt sie – obwohl sie gerne welche gehabt hätte.

Derzeit denkt Gabriele Möhlke, die in Kronberg lebt, wieder einmal darüber nach, den Posten der Geschäftsführerin von SBW weiterzugeben; ihre Nachfolgerinnen arbeitet sie bereits ein. Sie möchte gern ein „Sabbatical“ einlegen. Es sei ihr „Traum“ wieder einmal richtig zu reisen.

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