Lade Inhalte...

Fund auf Campus Westend Der Emporkömmling von der Hansaallee

Der archäologische Fund auf der Baustelle der Universität im Westend gibt Kennern der Stadtgeschichte ein Rätsel auf. Die einen sehen einen Wach-, andere einen alten Kühlturm.

WIRECENTER
Jahrhundertfund? - Noch kann niemand mit Sicherheit sagen, was genau auf dem Campus Westend gefunden wurde. Foto: FR / Boeckheler

Affenstein, das ist in Frankfurt nur noch ein aus dem Mittelalter überkommener Name. Aus der Topographie der Stadt gestrichen, aber unter Fachleuten bekannt.

Umso größer die Freude der städtischen Denkmalschützer, als sie in diesem Frühjahr an der Hansaallee, auf der historischen Gemarkung des Affensteiner Felds, einem runden, dicken Bruchsteinturm ans Licht verhelfen konnten. Seitdem ist für diese Archäologen aus einem vollständig zugewachsenen Hügel der Affenstein geboren, ein Wachtturm der Landwehr, von dem keiner wusste.

Umstrittener Jahrhundertfund

Genau deshalb, weil sich diese Warte in keiner alten Karte finde, bezweifelt die Universität, auf deren Grund und Boden die Entdeckung stattfand, den Jahrhundertfund. Damit auch die Notwendigkeit, den Turm in das Innenleben der dort geplanten Bereichsbibliothek einzubauen. Was jedenfalls ginge, "da besteht Offenheit unsererseits", sagt Peter Rost, der Leiter der Uni- Bauabteilung. Vorerst aber "muss ganz solide recherchiert werden", empfiehlt Rost.

In den kommenden Wochen wird der 6,5 Meter hohe Emporkömmling zum Zwecke einer detaillierten Bauaufnahme komplett freigestellt. Die Expertise der städtischen Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel, die "eine mittelalterliche Turmanlage", "ein hochrangiges Kulturdenkmal" in der Ausgrabung erkennt, fußt aber für Peter Rost "nur auf der Idee, dass es so sein muss".

Die Universitäts-Archäologen kontern in einem "Vermerk zum ,Turm'" mit einer anderen Idee, nämlich der, dass es sich um einen Kühl- oder Eiskeller des 19. Jahrhunderts handele: "Dies begründet sich vor allem in der für solche Bauwerke typischen Überhügelung", steht in dem Recherchebericht aus dem Institut für Archäologische Wissenschaften.

Geschirr im Rundbau

Jener Hügel, unter dem der Turm aus dem 13./14. Jahrhundert allmählich verschwand, ist dagegen für Andrea Hampel aus Abfall und Kompost gewachsen. Gefüllt war der Rundbau auch "weitgehend mit Geschirr". Besser gesagt, mit Scherben. "Porzellanmarken aus der Zeit vor 1927" lassen den Schluss zu, dass man darin die weggeworfenen Teller, Tassen und Kannen der früheren Irrenanstalt "auf dem Affenstein" gefunden hat, das von Heinrich Hoffmann geleitete Krankenhaus, das beim Bau der Konzernzentrale der IG Farben 1928 nach Niederrad verlegt worden war.

So stemmt sich also ein dicker alter Turm in die Zukunftspläne der mit höchsten Maßstäben zu messenden Hochschule. Die Erinnerung an das Mittelalter, als sich Frankfurt hinter Stadtmauern und Landwehr zweifach abgeschottet hatte, bewegt Viele und rührt Vieles auf.

Seit die Kunde vom Wachtturm an der Hansaallee (Ecke Lübecker Straße) die Runde macht, hat die Universitäts-Bauabteilung jedenfalls noch mehr als viel zu tun. Eine Anfrage folgt der nächsten, "der Tourismus zeichnet sich schon ab", gibt Peter Rost staunend Bericht.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen