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Fuldaer-Kerzenhersteller Eika Nicht mehr abgebrannt

Fast ein Jahr nach der Insolvenz von Eika scheinen die Fuldaer Wachswerke auf Kurs zu sein. Von Peter Dietz

23.12.2008 00:12
PETER DIETZ
Tradition aus Fulda: 1824 wurde die Kerzenfabrik gegründet. Anfang 2008 war der Betrieb nicht mehr zahlungsfähig. Foto: dpa

Für die 180 Mitarbeiter des Kerzenherstellers Eika war im Mai schon Weihnachten. Das Fuldaer Traditionsunternehmen war in die Pleite geschlittert, war nicht mehr zahlungsfähig. Der Betrieb sollte schon still gelegt werden, da stand plötzlich der Retter vor der Tür: Der Schweizer Finanzinvestor Cukierman Rasenberger Toschek (CRT) stieg ein und hielt die Produktion am Laufen.

Das war wichtig, denn Fabriken wie Eika leben vor allem vom Geschäft mit Weihnachtskerzen. Die Fuldaer beliefern alle großen Handelsketten - Aldi und dm-Märkte ebenso wie Rewe oder Kaufhof. Die Abnehmer bestellen schon im Frühjahr ihre Ware; danach müssen die Maschinen pressen, ziehen, gießen.

Lichter für Bambi-Verleihung

Trotz der Insolvenz sei kein Kunde abgesprungen, sagt CRT-Chef Peter Rasenberger. Seine Firma habe Eika zu allererst mit Geld versorgt, damit wieder Rohstoffe für die Kerzenfertigung gekauft werden konnten. Und weil die Konkurrenz zudem Lieferschwierigkeiten gehabt habe, sei das wichtige Geschäft mit der Weihnacht überraschend gut gelaufen.

Niemand aus der Belegschaft sei gefeuert worden, sagt Rasenberger. Lediglich zehn Manager aus der Geschäftsführung habe man nach Hause geschickt. Die Schwierigkeiten des Unternehmens hätten nichts mit der Mannschaft und nichts mit den Produkten zu tun gehabt. Deshalb habe der neue Eigentümer nicht viel an den Prozessen ändern müssen, sagt der neue Chef. Die Finanzkontrolle habe man verstärkt - und das Marketing.

Eika habe einen guten Namen, so Rasenberger. Den will er nutzen. So habe das Fuldaer Unternehmen etwa die Bambi-Verleihung Ende November in Offenburg mit Kerzen ausgestattet. Das habe viel Aufmerksamkeit gebracht. Der Kerzenhersteller will daher verstärkt in die gehobene Preisklasse stoßen. "Wir wollen nicht nur auf Volumen setzen. Vielmehr ist es unser Ziel, vornehmlich im gehobenen Einzelhandel vertreten zu sein", kündigt der CRT-Manager an. Rund 1000 verschiedene Wachsprodukte werden in Fulda hergestellt; die Palette reicht von Duft- und Dekorationskerzen bis hin zu Grab- und Teelichtern.

Finanzierung über Fonds

Mehr als 20 Millionen Euro will Rasenberger im kommenden Jahr umsetzen. Mit Zahlen und Prognosen hält sich der neue Eigner aber noch zurück. Man wolle die Konsumgüter-Messen Anfang kommenden Jahres abwarten; erst dann könne man sehen, wie voll die Auftragsbücher werden. Auch was den Kaufpreis betrifft, gibt sich Rasenberger wortkarg. Nur so viel lässt CRT raus: Finanziert wurde die Eika-Übernahme über einen Fonds mit einem Volumen von rund 100 Millionen Euro. Der Finanzinvestor strebe mit diesem Fonds Beteiligungen an Unternehmen in der Größenordnung bis zu 100 Millionen Euro Umsatz an; das Geld komme "von einer kleinen Gruppe vermögender Unternehmer", heißt es. An fünf Firmen hat sich CRT bisher beteiligt, zuletzt an der Bobinger Handelsagentur Hepa. Die Schweizer versichern: Anders als in der Private Equity-Branche üblich, habe der Fonds keinen Auflösungstermin, die Beteiligungen könnten dauerhaft gehalten werden.

Mit Blick auf Eika hat Rasenberger langfristige Ziele: "Ich will Fulda zur Heimat der Kerze machen." Am Stammsitz soll nicht nur die Großproduktion laufen, sondern auch die Kunst der Kerzenmanufaktur für die Verbraucher erlebbar werden. "Der Kauf von Eika war eine Sache mit Herz", sagt Rasenberger. Es ist Weihnachten.

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