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Friedrichsdorf Heizen mit Eisspeicher

Der Bau der Ökosiedlung hat begonnen. Es sollen Wohnungen für 700 Menschen entstehen. Und was ist öko an der Ökosiedlung?

Der Fund von Kieselrot hatte die Arbeiten noch einmal um fünf Monate verzögert. Doch nun sei auch das letzte Körnchen der schädlichen Substanz beseitigt, teilt Ronald Klein-Knott aus dem Vorstand der GEV AG mit – und der Bau der „Ökosiedlung“ im Nordosten von Friedrichsdorf hat begonnen.

Die GEV AG ist die Entwicklungsgesellschaft des Investors, der Frank-Gruppe aus Hamburg, die auf dem sieben Hektar großen Areal an der Plantation in den kommenden vier Jahren 150 Gebäude mit 350 Wohneinheiten errichten will. 700 Menschen sollen einmal in der Ökosiedlung leben. Es sei das größte Projekt der Frank-Gruppe seit mehreren Jahren, betont der geschäftsführende Gesellschafter Marc Schauenburg. Über 160 Millionen Euro nimmt das Unternehmen in die Hand. Und auch was die Umsetzung angeht, betrete man mit der Ökosiedlung „Neuland“, so Schauenburg.

Was ist öko an der Ökosiedlung? Im Zentrum steht die Wärmeversorgung, für die ein über 1200 Quadratmeter großer Eisspeicher im Boden versenkt wird. Im Winter soll eine große Wärmepumpe dem Wasser im Speicher die Energie für Heizung und Warmwasser entziehen. Dadurch friert der Speicher nach und nach zu. Im Sommer soll das Eis durch Solarabsorber wieder aufgetaut werden. Zur Sicherheit errichtet die Frank-Gruppe zusätzlich ein Blockheizkraftwerk, einen Gasbrennwertkessel und Anlagen für Solarthermie und Photovoltaik.

Darüber hinaus können die Bewohner ein Carsharing-Konzept mit Elektroautos nutzen. Als Buchungssystem soll eine App dienen, die exklusiv für die Siedlung entwickelt wird. Die App soll gleichzeitig als soziales Netzwerk fungieren, in dem sich die Bewohner direkt miteinander austauschen können.

Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) wies in seiner Ansprache zum Baubeginn auf die lange Vorgeschichte der Ökosiedlung hin. Das Parlament habe die Idee geboren, die dann in einem aufwendigen Bürgerbeteiligungsprozess konkretisiert worden sei.

„Das hat sich aber rentiert“, sagt Burghardt. Während des Bebauungsplanverfahrens seien nur noch drei Anmerkungen von Bürgern eingegangen, erheblich weniger als üblich. Dafür seien bereits mehrere andere Kommunen wegen des Projekts im Rathaus vorstellig geworden. „Es hat Leuchtturmcharakter“, freut sich Friedrichsdorfs Rathauschef.

Ziel sei es gewesen, nicht nur ein ökologisch nachhaltiges Wohngebiet zu entwickeln, sondern auch eines für alle Altersgruppen. Das werde durch die Vielfalt der Wohnformen gelingen. Geplant sind Eigentums- und Mietwohnungen, frei finanzierte und öffentlich geförderte Mietwohnungen für Senioren sowie Ketten-, Doppel- und Reihenhäuser. Das weitere Ziel, möglichst kostengünstigen Wohnraum anzubieten, werde hingegen „nur eingeschränkt“ erreicht, räumte Burghardt ein.

Aus Sicht der Stadt sei es wichtig, dass aus der Ökosiedlung kein isolierter Stadtteil wird, betont Burghardt. Für die Anbindung soll unter anderem ein Nachbarschaftstreff sorgen. Außerdem sind eine Kindertagesstätte und ein Park vorgesehen, der zur grünen Mitte des Quartiers werden soll.

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