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Friedrichsdorf Eltern bangen um Privatschule

Der Eigentümer hat den Mietvertrag für die Gebäude der Main-Taunus-International-School gekündigt und Klage eingereicht. Der Schul-Geschäftsführer verweist auf Baumängel und alternative Pläne.

Privatschulen in Hessen
Die Main Taunus International School hat ihren Sitz an der Hugenottenstraße in Friedrichsdorf. Foto: Hoyer

Viel Positives weiß die Mutter über die Main-Taunus-International-School (MTIS) zu berichten. „Die Kinder sind glücklich“, schildert sie. Mit den Lehrern gebe es ein gutes Miteinander und auch die Schulleitung habe immer ein offenes Ohr. Dennoch sind wenige Tage vor den Sommerferien dunkle Wolken über der Friedrichsdorfer Privatschule aufgezogen. Von „schlaflosen Nächten“ spricht die Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte – und von der Befürchtung, dass es nach den Ferien nicht mehr weitergeht an der MTIS.

Denn der Eigentümer der Schulgebäude, das Unternehmen Rühl, hat den Mietvertrag fristlos gekündigt und ein Verfahren vor dem Frankfurter Landgericht angestrengt mit dem Ziel, die Schule aus den Gebäuden an der Hugenottenstraße herauszubekommen und ausstehende Mietzahlungen zu erhalten. Seit November sei kein Geld mehr geflossen, sagt Johann Heyken. Er ist Vorstand der Rühl AG & Co. chemische Fabrik KG und Geschäftsführer der Rühl Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (RIG) Bildungspark Friedrichsdorf GmbH & Co. KG, den beiden Vermietern der MTIS. Wie hoch die Außenstände sind, möchte Heyken öffentlich nicht beziffern. Es gehe aber um eine erhebliche Summe, auch wenn die Miete „weit geringer“ sei als für gewerbliche Flächen in Friedrichsdorf üblich, wie Heyken betont. Die Eigentümer hätten die Gebäude 2006 eigens nach den Wünschen von Schule und Eltern für mehrere Millionen Euro an- und neu gebaut. „Das mussten wir finanzieren.“ Der Vorgängerschule, der Rhein-Main-International-Montessori-School (RMIS), habe man immer wieder finanziell unter die Arme gegriffen, betont Heyken. Deswegen habe er auch mehrfach versucht, mit MTIS-Geschäftsführer und Gesellschafter Hans-Peter Dahlmann über eine Lösung zu sprechen. Das habe dieser jedoch abgeblockt.

Dahlmann verweist auf Anfrage der FR in einer schriftlichen Antwort auf „erhebliche Baumängel“ an den Schulgebäuden, deshalb habe die MTIS von ihrem Mietminderungs- und Zurückbehaltungsrecht Gebrauch gemacht. „Kommt der Vermieter seinen vertraglichen Pflichten nach, werden die dem Vermieter zustehenden Zahlungen selbstverständlich geleistet“, so Dahlmann. Darüber hinaus plane die MTIS gemeinsam mit der Firma Erwe Real Estate in Frankfurt ein alternatives Konzept. „Zusagen der Investoren zur Umsetzung des Konzeptes liegen bereits vor“, versichert er. Bei der Firma Erwe war gestern niemand zu erreichen.

Dahlmann hatte im vergangenen Jahr ein Konzept für die MTIS präsentiert, das auf bilingualen Unterricht, international anerkannte Abschlüsse und einen Sportschwerpunkt baut. Außerdem hatte er von einem neuen Campus gesprochen, zu dem neben den Unterrichtsgebäuden auch eine Tennis- und Schwimmhalle gehören sollten.

Bis zum neuen Schuljahr wird ein solches Projekt nicht zu stemmen sein. Unter den Eltern herrsche deshalb „große Unsicherheit“, schildert die betroffene Mutter. Hinzu kommt, dass einige Eltern aus finanziellen Gründen ebenfalls mit dem MTIS-Geschäftsführer im Clinch liegen. Sie hatten der Vorgängerschule RMIS ein Darlehen gewährt, das Dahlmann seit mehreren Monaten nicht mehr bedient hat. Die Schule habe ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, teilt der MTIS-Geschäftsführer mit. „Sind diese Fragen geklärt, werden berechtigte Forderungen der Darlehensgeber selbstverständlich bedient.“

Das dürfte manchen der Eltern jedoch nicht reichen. Einige hätten ihre Kinder schon abgemeldet, schildert die Mutter. Andere befänden sich nach den neuesten Hiobsbotschaften auf dem Absprung. „Herr Dahlmann ist für viele Eltern nicht mehr glaubwürdig“, sagt sie.

Was die Zukunft der Schüler angeht, sei das Staatliche Schulamt bei einer Privatschule „erst im zweiten Schritt involviert“, teilt die Leiterin der zuständigen Behörde, Rosmarie zur Heiden mit. Sollten die Eltern Schwierigkeiten haben, einen Platz an einer öffentlichen Schule zu bekommen, könnten sie sich aber beim Schulamt melden. In Sachen Kindergarten gibt es eine ähnliche Auskunft der Stadt. Die Eltern hätten ein Recht auf einen Betreuungsplatz. Allerdings seien in den bestehenden Einrichtungen nur wenige Plätze frei.

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