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„Yippie!“ in Frankfurt Ein Comic-Festival für Kinder

Eine Kommissarin und ein Super-Hasi jagen Schurken, der Eiffelturm möchte ans Meer: „Yippie! Das Kindercomic- Festival“ in Frankfurt lässt Mädchen und Jungen die ganze Palette des Genres erleben.

Kindercomicfestival in Frankfurt
Selbstbildnis im Atelier: Mawil liest beim Festival mit Tanja Esch Rätselgeschichten von „Inspektor Sadie Lavone“. Foto: Mawil

Kolossale Wale, die Weltraummüll und dummerweise auch ganze Planeten fressen; Frauen, die vor hundert Jahren für ihr Wahlrecht stritten; ein Wunderelixier, das Gemüse schneller wachsen lässt; und ein Junge, der unbedingt diese coolen, blinkenden Fußballschuhe Marke „Renato Flash“ haben möchte: Um das alles und noch viel mehr dreht sich „Yippie! Das Kindercomic-Festival“ vom 7. bis 9. September in Frankfurt. 22 Künstler lassen Kinder das Medium Comic erleben, mit Lesungen, Workshops, Live-Zeichnungen, Musik und allerlei Tohuwabohu im besten Sinne. Es ist bereits die zweite Ausgabe von „Yippie!“, das 2017 in Frankfurt Premiere feierte, als erstes Festival im deutschsprachigen Raum, das sich ausschließlich Kindercomics widmet. 
Heuer ist es noch ein bisschen größer, noch ein bisschen bunter, noch ein bisschen neuer. Neu ist dabei zunächst der Hauptschauplatz, schließlich hat das Kindermuseum nach einem Jahrzehnt an der Hauptwache im Februar seine neuen Räume im Historischen Museum eröffnet – und bekam bei der Gelegenheit auch einen neuen Namen verpasst. Als Junges Museum richtet es mit dem Frankfurter Kunst- und Kulturverein „Raum 121“ das Festival aus. 

Nagelneu ist auch das erst am 20. August erschienene Buch „Toni. Und alles nur wegen Renato Flash“. Es ist die erste große Comic-Geschichte des Frankfurter Illustrators und Kinderbuchautors Philip Waechter, der nun weiß: „Es ist wahnsinnig viel Arbeit, ein ganzes Comic-Buch zu gestalten.“ Knapp 70 Seiten zeichnen und schreiben, das habe er total „unterschätzt“. Was entstanden ist, ist indes hoch zu schätzen. „Toni ist ein Junge, der ist ungefähr neun“, schildert Waechter bei der Programmvorstellung im Jungen Museum. „Er kommt eines Tages an einer Plakatwand vorbei, auf dem für die neuesten, tollsten Fußballschuhe geworben wird.“ Blöd nur, dass seine Mutter von den blinkenden Tretern so überhaupt nicht überzeugt ist. Also muss sich Toni etwas einfallen lassen. 

„Er macht einen Stand auf dem Flohmarkt, singt auf dem Weihnachtsmarkt und er führt Hunde aus.“ Tatsächlich gehe es in der Geschichte gar nicht so sehr um Fußball, sondern vielmehr „um den Traum dieses Jungen und wie er ihn sich erfüllen kann“. Auf seine erste Comic-Lesung, die er zum Abschluss des Festivals am Sonntag um 15.30 Uhr hält, ist Waechter selbst gespannt. Vor allem, weil Comics anders vorgelesen werden wollen als Belletristik. Und weil Kinder das Publikum sind. 

„Neu ist, dass wir vom Alter her nach oben gegangen sind“, sagt Jakob Hoffmann, der Kurator des Festivals. Insgesamt richtet sich das Programm an Kinder von sechs bis zwölf Jahren, doch die meisten Angebote seien eher etwas für Achtjährige aufwärts. Man verzichte aber bewusst auf konkrete Altersangaben zu den einzelnen Lesungen und Workshops; wenn ein jüngeres Kind sich für einen Comic interessiere, der eigentlich für Elf- bis Zwölfjährige gedacht sei, solle es keine Scheu haben, die Veranstaltung zu besuchen. „Wir wollen niemanden abhalten“, sagt Hoffmann. 

Neben Lesungen und Workshops, in denen die Mädchen und Jungen selbst zeichnen, texten und basteln, gibt es multimediale Spektakel mit Musik, einen Porträt-Automaten, einen Büchertisch und am Samstag eine „Zeichenschlacht“. „Da sollen die Comic-Künstler Sachen zeichnen, die sie eigentlich nicht zeichnen können“, sagt Hoffmann. Ein Fahrrad zum Beispiel, damit hätten sehr viele Probleme. Das kann auch Waechter bestätigen, dem allerdings ein anderes Fahrzeug noch weniger liegt: „Ein Lamborghini.“ Auch bei Feuerwehrmännern „stehe ich auf dem Schlauch.“ Einer seiner Zeichenlehrer habe übrigens immer gesagt: „Wer einen Reiter auf einem Pferd zeichnen kann, ist ein gemachter Mann.“

Welche Talente „Yippie!“ auch immer zutage befördern mag: Fakt ist, dass sich das Image von Comics längst gewandelt hat. Was noch vor zehn, zwanzig Jahren verpönt war als Lektüre für den Nachwuchs, werde heute „mit seiner Verschmelzung von Bild und Text, Literatur und Bildender Kunst“ mehr und mehr geachtet, gerade von Schulen und Bibliotheken, betonen die Festivalmacher. So ist es keine Wunder, dass es bereits am Freitagvormittag mit Lesungen in mehreren Frankfurter Schulen losgeht. „Da sind die Hemmschwellen abgebaut“, sagt Hoffmann. 

Ein wenig spiele da vielleicht auch die allgemeinhin beklagte Lesebereitschaft der Ableger eine Rolle, überspitzt nach dem Motto: „Die Kinder lesen nicht mehr, also machen wir lieber einen Comic, bevor das Abendland untergeht.“ Mehr noch liegt die Aufwertung des Genres allerdings wohl an der Einsicht, dass grafisches Erzählen und Lesen nicht nur Spaß macht, sondern auch ganz neue Zugänge eröffnet zu komplexen Themen. Comics seien „genau das richtige Format für Kinder, um komplizierte historische Ereignisse zu schildern“, sagt Susanne Gesser, Leiterin des Jungen Museums. 

So erscheint im Herbst der zweite Band der Comicreihe „Frankfurter Geschichten für junge Leute“, die das Junge Museum herausgibt. Die Graphic Novel mit dem Titel „Frankfurt 1918 – Heraus aus der Finsternis“ schildert den Kampf um Frauenrechte aus Sicht von vier Mädchen und wird auch „Teil des Festivals sein“, sagt Gesser. Am Sonntag um 14 Uhr gibt es im Jungen Museum eine Werkstattlesung zu dem neuen Comic. 

Wer Comics für Kinder zeichne und schreibe, „muss eine Sprache und eine Thematik finden, die kindgerecht ist“, sagt Philip Waechter. Viele Comics seien allerdings generationsübergreifend, besonders Klassiker wie Asterix oder Donald Duck. Nur: „Kinder lachen meist an ganz anderen Stellen als Erwachsene.“ 

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