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Wolfram Koch Kein übler Bösewicht

Wolfram Koch kennen die meisten aus dem HR-„Tatort“. Nun spielt er am Schauspiel Frankfurt die Titelrolle in Shakespeares „Richard III.“, der ersten Inszenierung unter dem neuen Intendanten Anselm Weber.

Wolfram Koch
Auf den Straßen von Frankfurt: Wolfram Koch in seiner Heimatstadt. Foto: Michael Schick

Wolfram Koch ist wohl der bekannteste Frankfurter Schauspieler, nur in Frankfurt selbst war er in den vergangenen Jahren kaum auf der Bühne zu sehen, er faszinierte aber als hessischer „Tatort“-Kommissar Paul Brix. So darf man besonders gespannt sein, wenn er nun William Shakespeares Richard III. spielt, einen der übelsten Bösewichte der Theatergeschichte, der sich zum Thron empor mordet. 

Koch lebt seit langem mit seiner Familie in Frankfurt, geboren aber ist er 1962 in Paris, sein Vater war Jurist bei der Nato. Kochs Theaterlaufbahn begann nach dem Schauspielstudium in Frankfurt, das er abbrach, in West-Berlin an der Freien Volksbühne und am Schillertheater, wo er die berühmten Schauspieler jener Jahre kennen lernte. 

In den Neunzigern kam er wieder nach Frankfurt, als Peter Eschberg Intendant am Schauspiel war. Koch arbeitete besonders intensiv mit dem Regisseur Jürgen Kruse zusammen. Als Kruse nach Bochum wechselte, ging auch Koch für fünf Jahre ans dortige Schauspielhaus. Danach war er freiberuflich tätig und ist es bis heute.

Die Bühnen, an denen er spielt, erzählt Koch beim Treffen in Frankfurt, sucht er nicht nach den Städten und ihren Wohn- oder Freizeit-Qualitäten aus, sondern nach den Künstlern, die dort tätig sind, vor allem den Regisseuren. Er pendelt mit der Bahncard 100 oft zwischen verschiedenen Städten hin und her, tritt in neuen Produktionen auf, aber auch in Inszenierungen, die schon einige Jahre alt sind. 

Zu den Regisseuren, die ihn am meisten geprägt haben, gehören neben Jürgen Kruse, mit dem er mehrere Shakespeare-Stücke machte, vor allem Wladimir Gottscheff, der ihm das antike Theater nahebrachte, sowie Herbert Fritsch, der mit seinen schrägen, geradezu surrealistischen Lustspiel-Inszenierungen die deutsche Theaterszene aufmischte. Aber auch mit Stefan Pucher und besonders mit Jan Bosse, der jetzt „Richard III.“ inszeniert, hat er mehrmals gearbeitet. Auch Anselm Weber, den neuen Schauspiel-Intendanten, kennt er schon aus der Eschberg-Zeit. Weber inszenierte Elfriede Jelineks „Krankheit oder Moderne Frauen“, Koch war einer der Darsteller.

Warum macht ein so viel beschäftigter Schauspieler auch noch beim „Tatort“ mit? Wichtig war ihm, erzählt er, dass ihm genug Zeit für das Theater bleibt, sein eigentliches Metier. Vor allem aber fand er im Hessischen Fernsehen „ein extrem verrücktes, mutiges Redaktionsteam“, das Filme produziert, die künstlerisch weit über den üblichen Krimi hinausgehen. In Margarita Broich schließlich hat er eine hervorragende Partnerin.

Und nun Richard III. Koch verspricht eine ungewöhnliche Produktion. Das beginnt mit einer neuen, sehr gelungenen Übersetzung von Gabrielle Bussacker. Es gibt wie zu Shakespeares Zeiten keine Guckkastenbühne, das Publikum sitzt auf allen vier Seiten um die Spielfläche herum. So entsteht ein intensiver Kontakt zu den Zuschauern. Alle Darsteller außer Koch spielen mehrere Rollen. 

Wie sieht Koch die Titelrolle? Richard, Herzog von Gloucester, ist buckelig, hässlich „und zwar so lahm und ungeziemend, dass Hunde bellen, hink ich wo vorbei“. Bosse und Koch sehen mehr den Machtkampf. Schon 1920 schrieb der berühmte Regisseur Leopold Jessner, als er „Richard III.“ mit dem jungen Fritz Kortner.inszenierte: „Hier wurde dem Publikum nicht mehr ein schleimiger, hinkender Intrigant vorgeführt, sondern der neue ‚Held‘, der von Ehrgeiz gestachelt bis zur letzten Stufe des Throns über Leichen weg emporsteigt.“ 

Koch formuliert drastisch: „Richard ist der Bösewicht schlechthin, eine leicht größere Drecksau als die anderen um ihn herum. Politik kann er nicht. Er ist hinterhältig, um an die Macht zu kommen.“

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