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Wanderlust 108 Urlaub für einen Tag

Yoga ist nur was für Esoterik-Tanten, Verrenkungsprofis und sportverrückte Hüpfer? Nicht auf dem Wanderlust-108-Event in Frankfurt: Beim Fünf-Kilometer-Lauf, gemeinsamen Yoga und Meditieren kann jeder mitmachen.

Wanderlust 108
Yoga kann man ganz für sich alleine machen – oder mit Vorturnerin. Foto: Dan Zoubek

Einatmen, Arme heben. Ausatmen, Hände vor das Herz. Die Yogastunde ist vorbei. Normalerweise mache ich meine morgendlichen Sonnengrüße unbeobachtet in meinem Wohnzimmer. Aber am Samstag werde ich meine Matte im Brentanobad ausrollen. Auf dem „Wanderlust 108 Event“. Zwischen tausend anderen Sportlern. 

Dabei darf ich nicht in Versuchung geraten, mich mit den anderen zu vergleichen – gerade in Sachen Flexibilität und Verrenkungskunst ist das oft deprimierend. Stattdessen werde ich den Blick auf das Besondere richten: Angeleitet von Profis unter freiem Himmel werde ich gemeinsam mit anderen Yoga-Verrückten meinen Lieblingssport praktizieren. Abschalten auf einer Massenveranstaltung – geht das überhaupt? Ja, es ist gewöhnungsbedürftig. Aber letztlich entsteht eine besondere Energie zwischen den Teilnehmern. Die Gesichter erinnern an Grinsekatzen.

Die Veranstaltung startet um 9 Uhr morgens mit dem sogenannten „Mindful Triathlon“. Ohne Konkurrenz- und Zeitdruck fünf Kilometer joggen, eine Stunde Yoga machen und eine halbe Stunde meditieren.

Danach werden verschiedene Workshops für Experimentierfreudige angeboten. Unter Anleitung habe ich so zum Beispiel schon „Aerial Yoga“ ausprobiert. Dabei lag ich in einer Art Hängematte. Doch die Entspannung währte nicht lange. Schwünge, Purzelbäume, Rückenbeugen und sogar der Handstand sind im Tuch möglich. Dabei bloß nicht nachdenken, sondern fallen lassen. 

Julia Meschede hat das Festival 2016 aus den USA nach Deutschland geholt. Die 35-Jährige ist selbst Yogalehrerin. Mit der Veranstaltung möchte die Berlinerin Gleichgesinnte zusammenbringen: „Keiner braucht Vorerfahrungen. Stattdessen will ich eine Plattform bieten, bei der Menschen zusammenkommen, die Inspiration suchen und etwas Neues ausprobieren wollen. Viele stellen sich doch die Frage, wie sie ihr Leben bewusst und sinnvoll gestalten können. Yoga ist dafür perfekt: Man lernt, sich selbst zu spüren. Und sich zu fragen: Wie geht es mir? Was tut mir gut?“

Neue Erfahrungen machen, körperliche Herausforderungen suchen und mit neuer Energie in die nächste Woche starten. Das bietet das Yoga-Festival. Die größte Herausforderung ist für mich stets die 30-minütige Meditation. Der Kopf will einfach nicht schweigen. Irgendwas zwickt und juckt immer, die Beine schlafen irgendwann ein im Schneidersitz. Julia Meschede hat da eine gute Nachricht: Man darf denken! „Nicht zu denken ist unmöglich, der Geist versucht immer, einen abzulenken.“ Das rät sie zu beobachten, zu versuchen „rauszuzoomen“ und sich auf den Atem zu konzentrieren. „Dann können die Gedanken kommen und einfach wieder gehen.“ Auch der Schneidersitz ist für die Yogalehrerin keine Pflicht: „Wichtig ist, dass es bequem ist. Dafür kann ich mich auch aufs Sofa setzen.“

Beim Festival am Samstag wird es noch eine weitere Hilfestellung zum Ruhefinden geben. Die Yoga- und Meditationsklassen werden von Musik begleitet. Dafür legt ein DJ Beats auf, die die Bewegungssequenzen unterstützen. Wenn die Yoga-Haltungen (Asanas), der eigene Atem und die Musikrhythmen endlich zusammenpassen, macht der Sport noch mehr Spaß.

Jedes Jahr holen die Veranstalter andere Yogalehrer mit ins Boot. So können sie die verschiedenen Stile präsentieren, schließlich gibt es Hatha-Yoga, Yin-Yang-Yoga, Vinyasa-Yoga, und viele mehr. In Frankfurt wird Jelena Lieberberg den kraftvollen, dynamischen Teil der Yogastunde bedienen und Eva Klein den ruhigeren.

Die Vielfalt der Stile hat sich erst im Westen entwickelt, die Grundhaltungen sind die ursprünglichen aus Asien. „Gerade in Großstädten wie Frankfurt suchen die Menschen einen Ausgleich vom stressigen Alltag“, erklärt Julia Meschede den Erfolg des Trendsports: „Die Gesellschaft ist so wettbewerbsorientiert. Yoga ist das genaue Gegenteil. Dabei ist es wichtig, was auf deiner eigenen Matte und in dir drin passiert. Durch Yoga habe ich gelernt, Stopp zu sagen, wenn ich merke, dass ich nur noch im Autopilot unterwegs bin und ohne zu hinterfragen funktioniere.“

Das Wanderlust Event 2018 beendet seine Wanderung durch Deutschland in Frankfurt. Vorfreude weckt schon die Ortswahl: Im Brentanobad gibt es Yoga gleich neben dem Pool. Wo hat man das schon? Das wird wie Urlaub.

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