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Visionale im Gallus Theater Frankfurt Gruselkino, selbstgemacht

Am Wochenende ist zum 27. Mal Visionale: Das hessische Jugendmedienfestival präsentiert Filme junger Menschen im Gallus Theater.

„Lauras neue Schule“ steckt voller Monster. Foto: Promo

Lauras Klassenkameraden in der neuen Schule sehen ganz schön krass aus. Kein Wunder – ist ja auch die „Frankenstein-Schule“. Die Lehrerin Frau Raffzahn bittet die anderen Kinder (alles Monster!), nicht an der Neuen rumzuknabbern. Laura wundert sich und beschließt, am nächsten Tag auch mal verkleidet zu kommen – als Prinzessin. Das gefällt den anderen allerdings gar nicht. „Wir sind doch hier nicht in der Prinzessinnenschule!“, meckern sie. Aber in der Pause zeigt sich die friedensstiftende Wirkung des gemeinsamen Tanzens, und so viel dürfen wir wohl hier schon verraten: Es gibt ein Happy End in „Lauras neue Schule“, einem der 77 Filme, die beim hessischen Jugendmedienfestival Visionale am nächsten Wochenende zu sehen sein werden.

Fast 200 Spiel- und Dokumentarfilme, Musikclips, Animationen, Experimental- und Multimediabeiträge haben die Nachwuchs-Kreativen eingereicht. Die Jury wählte daraus die besten Beiträge für ein beeindruckendes Drei-Tage-Programm im Gallus-Theater aus.

Darunter auch „Lauras neue Schule“. Die Filmemacherinnen sind fünf Mädchen im Alter zwischen acht und elf Jahren: Deniz, Noor, Mekti, Rebka und Zahra aus dem Kinderhaus Gallus. Sie schauen sich zu Hause gern die Fernsehserie „Monster High“ an, in der es auch um eine Schule mit nicht so ganz gewöhnlichen Schülern geht, entwickelten daraus ihre Filmidee, führten selbst die Kamera und dachten sich sogar die Tanzschritte aus. Und jetzt? Wollen die jungen Cineastinnen mal Schauspielerinnen werden? „Ich will!“, ruft Mekti, die im Film die Laura spielt.

Da wünschen wir viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Ein paar Jahre weiter auf dem Weg ins Filmgeschäft ist Alexander Conrads. Der 22-Jährige hat es gleich mit zwei rund zehnminütigen Beiträgen ins Festivalprogramm geschafft: mit einem Spielfilm, der von einer leichtsinnigen Liebesnacht und den Folgen erzählt, und mit der englischsprachigen Dokumentation „Once there was a cigarette box“. Darin stellt Conrads den Musiker Matt Isbell aus Memphis vor, der ein faszinierendes Geschäft betreibt: Er baut Gitarren aus Zigarrenkisten. Während im Hintergrund die charakteristische Musik läuft, die Isbell auf seinen meisterlichen Kunstwerken erzeugt, wird den Zuschauern nach und nach klar, worum es geht – staunend beobachten wir den Mann bei seiner Präzisionsarbeit.

Conrads hat in seinen jungen Jahren schon Erfolge auf Filmfestivals erzielt, auch in Memphis, wo er ein Semester lang studierte und Musikvideos für befreundete Musiker drehte. Seine Arbeiten sind erfreulich dicht, intensiv, intelligent gemacht. „Die Leute zu berühren mit meinen Filmen, darum geht’s mir“, sagt er. Und das gelingt ganz offenbar.

Eher dem Mystischen zugetan ist Natalya Kabirova, um noch ein weiteres Beispiel aus der großen Zahl der Festivalteilnehmer zu erwähnen. Ihr Film „Medeakomplex“ spielt mit einem altgriechischen Thema, der Medea eben, die zwischen Liebe und Hass hin und hergerissen war. Die Psychologie hat eine seelische Störung nach ihr benannt: Wenn Mütter ihre Kinder töten, um sich am Vater zu rächen. So explizit geht es im Film der 25-jährigen Kabirova nicht zu, aber dafür umso hintergründiger. Eine Frau in Seelennot, unheimliche Atmosphäre, eine ziemlich gut dressierte Fliege und ein einigermaßen verstörendes Ende.

Starker Tobak für ein Jugendfilmfestival. Und durchaus charakteristisch für diese 27. Visionale-Auflage. Den Machern fiel auf, dass in diesem Jahr besonders viele Produktionen mit „Grusel- und Horroreffekten“ spielen, sagt die Medienpädagogin Alia Pagin. Ein Blick ins Programm bestätigt das: „Scary Project“, „Day of the Dead“, „Haus der verlorenen Seelen“, „Die Anstalt“ – nur vier von vielen Beispielen. „Wo das herkommt, ist klar“, sagt Pagin, „die Kinder kommen übers Internet an alles dran und tauschen es übers Smartphone aus.“ Natürlich nicht mit den Eltern. Aber in ihre Filme bauen sie es interessanterweise doch ein. „Das ist eine Form der Verarbeitung“, sagt die Pädagogin.

Unter dem Titel „Dawn of the Youth –Themenblock Angst und Schrecken“ hat die Visionale dem Phänomen diesmal eine eigene Abteilung eingeräumt, nebst Diskussionsforum am Samstagnachmittag. Es gibt aber auch viel zu lachen auf der Visionale. In diesem Sinne, Film ab.

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