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Veranstaltungstipp Weißes Gold und englischer Humor

Barock am Main gastiert diesen Sommer zum ersten Mal in der Höchster Porzellan-Manufaktur – sehr zur Freude von Festivalleiter und Schauspieler Michael Quast.

Barock am Main
Der Schauspieler Michael Quast in seinem Element.

Weißes Gold statt Mainblick – Besucher des Barock am Main-Festivals werden sich in diesem Sommer an eine neue Kulisse gewöhnen müssen. Denn aufgrund von Renovierungsarbeiten am eigentlichen Spielort, dem Bolongaropalast am Mainufer in Höchst, gastiert das Theaterfestival dieses Jahr in der Höchster Porzellan-Manufaktur.

Als neue Kulisse dient die Rückseite des imposanten Gebäudes, vor der die Bühne aufgebaut wird. Die ihr gegenüberliegende Tribüne soll nummerierte und überdachte Sitzplätze für 450 Besucher bieten. Das seien zwar 50 Plätze weniger als in den vergangenen Jahren, räumt Michael Quast von der Fliegenden Volksbühne, die das Festival veranstaltet, ein. Doch nichtsdestotrotz freut sich der Schauspieler und Regisseur auf die geschichtsträchtige Spielstätte. „Das Publikum entdeckt hier einen neuen Ort, den viele nicht kennen.“ Dadurch werde Neugier auf die Kulisse geweckt. Ziel sei es, sich für die nächsten Jahre in der Porzellan-Manufaktur zu installieren. Quast schwärmt regelrecht von der Kooperation: „Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

Die Organisation des Festivals gestalte sich allerdings komplizierter als im Bolongaropalast, in dem viele Räume leerstünden und von der Theaterveranstaltung genutzt worden seien, so Quast. „Die Schneiderei installiert sich normalerweise zwei Monate vor Festivalbeginn“. Durch jetzt anfallende höhere Kosten, beispielsweise für die Logistik, und die verringerte Anzahl an Sitzplätzen ergebe sich unter dem Strich ein Fehlbetrag. Doch der Schauspieler ist zuversichtlich, diese Lücke noch schließen zu können. An einigen Ecken werde man etwas sparen müssen, eine Erhöhung der Eintrittspreise hätten Besucher allerdings nicht zu befürchten. „Das wäre ein falsches Signal“, betont Quast. Alle Sponsoren seien trotz des Ortswechsels dabei geblieben, die Stadt habe ihren Zuschuss im Rahmen der Projektförderung sogar von 18 000 auf 25 000 Euro erhöht.

„Eine wunderbare Location, die Atmosphäre ist sehr gut“, meint Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Höchst, Porzellan, Kultur, Quast, Barock am Main - das funktioniert hervorragend.“ Und bis der Bolongaropalast 2021 fertig saniert sei, wolle man das Festival hier austragen. Feldmann ist froh, dass Barock am Main nach zwölf Jahren im Bolongaropark im Stadtteil Höchst bleibt. Dies sei ihm persönlich sehr wichtig, deswegen werbe er auch 2017 wieder für das Festival, sagt der Politiker. Das Theaterspektakel sieht er als „Teil der Aufwertung des Frankfurter Westens“, das zu einem „Aufschwung von Kultur und Selbstbewusstsein“ führe. „Die Erfolgsgeschichte von Barock am Main ist Teil der Qualitätssteigerung von Höchst“ und sei mittlerweile ein Markenzeichen des Stadtteils. Ähnlich wie die Manufaktur, die viel zu wenig im Bewusstsein der Frankfurter verankert sei. Der OB erhofft sich daher im Zuge des Festivals auch eine Popularitätssteigerung. Schließlich produziere Höchst, nach Meißen, das zweitbeste Porzellan Deutschlands.

Auch Jörg Köster, Geschäftsführer der Porzellan-Manufaktur, sieht das Theaterfestival neben anderen Events als Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu generieren. Wegen der Lage in einem Gewerbegebiet am Rande des Stadtteils habe man keine Laufkundschaft. Mithilfe der Veranstaltungen komme mehr Publikum in die Manufaktur, das Köster für das „weiße Gold“ begeistern will. Dazu bietet die Porzellan-Manufaktur Führungen durch die Produktions- und Schauräume an und lädt ußerdem in die Ausstellung zu ihrer 270-jährigen Geschichte ein.
Nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich verändert sich Barock am Main in diesem Jahr.: Zum ersten Mal führt das Festival kein Stück des französischen Autors Molière auf. Stattdessen hat man sich für die Komödie „Der Alchemist“ des Briten Ben Jonson entschieden. „Dadurch, dass es so bürgerlich ist, passt es nach Frankfurt“, erklärt Rainer Dachselt, der das 1610 erschienene Stück ins Deutsche übersetzte und die Aufführung konzipierte. „Der Alchemist“ spiele in einer Großstadt und die Protagonisten seien bekannte und vertraute bürgerliche Gestalten.

Das Theaterstück sei dreist und reich an schwarzem, englischem Humor. Sprachlich komme von „poetischen Höhenflügen“ und Shakespear’schen Formulierungen bis hin zur wüsten Gossen- und Gaunersprache alles vor. Die Über- und Umsetzung des Stückes halte er für sehr reizvoll, sagt Autor Dachse, da es etwas Neues und „für die deutsche Bühne noch gar nicht so erschlossen“ sei.
Inhaltlich geht es in „Der Alchemist“ um drei Gauner, die in einem leeren Gebäude eine Alchemistenbude aufmachen und mit allerlei Hokuspokus Geld verdienen wollen. Bald darauf steht halb Frankfurt vor dem Laden, die Menschen erhoffen sich auf alle möglichen Arten eine Verbesserung ihres Lebens und eine Milderung ihrer Leiden. Lediglich ein Mann bleibt skeptisch und geht der ganzen Sache auf den Grund. „Die Leute leben alle in der Welt der Vorstellungen und des Betrugs und sind damit fröhlich, bis sie es merken“, umreißt Dachselt die Handlung. Darüber hinaus wandelten sich die Figuren im Laufe der Vorstellung und es gebe enorm viele Auf- und Abgänge der acht Schauspieler, von denen einige mehrere Rollen spielten.

Insgesamt sei das diesjährige Barock am Main eine stimmige Kombination aus Stadtgeschichte und passendem Stück, meint Michael Quast, und ergänzt: „Eine englische Großstadt-Komödie, das passt zur Industrie-Architektur und zu Höchst.“

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