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Veranstaltungstipp Taktvoll

Wer trommeln will, braucht nicht unbedingt Rhythmusgefühl - darüber musste FR-Redakteurin Petra Zeichner in ihrem Kurs bei dem Friedberger Peter Mahla doch ziemlich staunen.

Trommeln in Friedberg
Vier Finger jeder Hand muss man anspannen – und ohne Daumen auf den Rand des Fells schlagen. Foto: Petra Zeichner

Wie die Glocken von Almkühen. Wie eine Schlange. Wie Pferdegetrappel. Die Rede ist von Rasseln, Glocken und Klanghölzern. Musikinstrumente, die ich noch nie in den Händen gehalten habe. Doch die Geräusche, die sie erzeugen, kommen mir bekannt vor. Im Fremden das Vertraute suchen, das hatte ich nicht vor, als ich mich für den Drumcircle von Peter Mahla in Friedberg entschieden habe.

Trommeln will ich, weil mich alleine das Zuhören ermuntert und mich nicht ruhen lässt, bis ich mit den Füßen mitwippe. Mindestens. 

Tschak Bum
Tschak Tschak Bum
Hell Dunkel
Hell Hell Dunkel

Peter erklärt uns, wie wir die Trommeln zu schlagen haben. Ich nehme die Djembé zwischen die Knie. Dann kippe ich sie nach vorne, denn wenn sie mit dem Fuß auf dem Boden steht, ist der Hohlkörper unten geschlossen und der Klang ist stumpf. Voll tönt er hingegen, wenn der Schall unten entweichen kann, nach dem Schlag auf das hart gespannte Ziegenfell.

Vier Finger jeder Hand muss man zusammen ausstrecken, anspannen und damit auf den Rand des Fells schlagen. Das ergibt den hellen Tschak-Ton. Mit der flachen Hand kräftig in die Mitte, das klingt dann dunkel. Bum. Bloß nicht den Daumen zum Schlagen mit dazunehmen, das gibt blaue Flecken am Mittelgelenk des Fingers.

Peter gibt den Takt vor, wir versuchen zu folgen, einzustimmen. Nach und nach klappt es. Zu dritt sind wir heute, sonst seien es mehr, sagt Peter. „Aber es handelt sich ja nicht um Unterricht, und deshalb muss man oder frau nicht regelmäßig kommen.“

Auf das Gemeinsame komme es an. Er steht auf, geht in die kleine Runde, spornt uns an, gibt gestische und mimische Zeichen. Die Augen weit auf und die Hände nach oben – lauter werden. Den Mund zum „Pssst“ geformt und die Hände nach unten – leiser werden. Das ist das Konzept des Drumcircles: Der leitende Trommler gibt Impulse, zeigt die Handhabung der Instrumente und gibt bei Bedarf auch den Rhythmus vor. Und das muss genügen, denn vor allen Dingen soll es Spaß machen. 

Spaß ist auf jeden Fall dabei. Zum Beispiel dann, als wir alle die verschiedenen kleineren Instrumente ausprobieren dürfen, die die Klangwelten abrunden. Das rasselt, rauscht, klickert, gongt, schabt und klingelt. Um den Rhythmus kümmert sich gerade niemand. Rolf Hildebrandt bearbeitet mit Verve die Rassel, die sich wie eine Schlange anhört. Ich stehe auf, weil ich mehr bewegen will als nur die Hände mit dem Guiro. Das ist ein länglicher Hohlkörper aus Holz, an den Seiten geriffelt. Auf den Riffeln schabe ich mit einem kleinen Holzstock. Im Takt, den ich mir diesmal selbst vorgebe. Meine Füße bewegen sich mit.

So geht es mir jedes Mal, wenn ich Trommelgruppen zuhöre. Als ob von den Musikern eine unsichtbare Spannung ausgeht, die sich auf mich überträgt. Das Merkwürdige ist, dass die Spannung stetig zunimmt, und beim Selbertrommeln ist es nicht anders. 

Überraschung: Meinen beiden Mittrommlern scheint es ähnlich zu gehen. Denn es kommt der Zeitpunkt, an dem wir – von den Rasseln und Glocken wieder bei den Trommeln angekommen – wie auf Kommando schneller werden. Ich fange an zu schwitzen. „Langsam“, bremst Peter.

Rhythmusgefühl braucht man ihm zufolge übrigens nicht unbedingt zum Trommeln. Dafür umso mehr Gespür für Takt. Takt und Rhythmus sind nämlich nicht dasselbe, lerne ich. Ein Rhythmus besteht aus verschiedenen Takten. „Deswegen muss man im Drumcircle keinen Rhythmus kennen und können“, sagt Peter. 

Gut sei es hingegen, wenn man den Takt halten, die Trommel immer im gleichen Tempo schlagen könne. „Wenn alle in einem anderen Tempo spielen, gibt es Chaos.“

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