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Urban Gardening in Hessen Gärtnern auf dem Balkon

Auch Stadtmenschen können sich die Natur auf den Balkon oder die Fensterbank zaubern – und dabei Geduld und Demut lernen

Urban Gardening in Frankfurt
Es gedeiht in Topf, Korb und Kiste, wie hier im Hafengarten Offenbach. Foto: Renate Hoyer

Mit den Händen in der Erde wühlen, gedankenvergessen mit allen Sinnen dem Sprießen der Triebe beiwohnen, selbst gepflanzte Tomaten ernten: Das ist nur was für Landeier? Schließlich fehlt Stadtmenschen angeblich nicht nur der „grüne Daumen“, sondern auch der nötige Platz. Doch aller Anfang ist gar nicht so schwer. Und auch immer mehr Städter entdecken den Zauber, der dem Gärtnern innewohnt. Ob auf der Fensterbank, dem Balkon oder im Innenhof – für die grüne Magie des Lebens braucht es neben etwas Geduld eigentlich nicht viel: ein paar Töpfe, ein wenig Erde, einige Samen und das, was die Natur sogar in der Stadt bietet, nämlich Sonne und Wasser.

Samen in die Erde

Für den Anfang am besten Anzuchterde aus dem Bau- oder Gartenmarkt in kleine Töpfe mit Löchern an der Unterseite füllen. Alte Joghurtbecher können so prima wiederverwendet werden. Die Samen rund einen Zentimeter in die Erde drücken, leicht bedecken und stets feucht, aber nicht zu nass halten. Nun heißt es abwarten, nach maximal 14 Tagen sollten die Sprösslinge das Licht der Welt erblicken.

Dann gilt, was für alle kleinen Lebewesen gilt: Sie sollten nur langsam an Wind, Kälte und Sonne gewöhnt werden. Sind sie allerdings zu lange von der Außenwelt abgeschirmt, werden sie krank und schwach. Sobald die kleinen Pflanzen etwa zehn Zentimeter groß sind, brauchen sie größere Töpfe. Für Gemüse sollten die Gefäße mindestens zehn Liter fassen. Wer es sich einfacher machen will, kauft kleine Pflanzen, gerade bei Paprika oder Tomaten ist das zur jetzigen Jahreszeit empfehlenswert. Ansonsten das Düngen nicht vergessen, entweder mit selbst gemachter Brennesseljauche oder mit gekauftem Bio-Dünger.

Pflanzen für den Anfang

Ob auf Watte oder Küchenrolle, ob in kleinen Töpfen oder am Wegesrand im Hof: die vitaminreiche und würzige Kresse wächst praktisch immer und überall, wo es warm und feucht ist. Und auch in der Grünen Soße darf sie nicht fehlen. Ebenso lassen sich die anderen Kräuter der Frankfurter Spezialität gut auf Balkon oder Fensterbank kultivieren: Einfach die Samen einer Packung in einen kleinen Topf mit Erde ansäen, wässern und düngen. Außerdem eignen sich auch Dill und Basilikum, der es besonders warm mag, für Topfkulturen. Für Salatliebhaber empfiehlt sich Rucola oder Pflücksalat, der über einen langen Zeitraum (die Pflanze von außen nach innen ernten) gepflückt werden kann.

Leckere Blüten

Warum nicht das Schöne mit dem Leckeren verbinden: Etwa die Blüten von Kapuzinerkresse, Stiefmütterchen, Hornveilchen oder von Löwenzahn, Ringelblume und Gänseblümchen sind essbar – und schön anzusehen. „Beim Gärtnern auf dem Balkon kann man auch etwas Gutes für Bienen tun. Gerade Kornblumen und Verbenen, aber auch Spiegeleiblumen oder Steinkraut locken viele Insekten an“, sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

Für Fortgeschrittene

Wie viele der heute in Europa beliebten Gemüsesorten stammt auch die Paprika aus Mittel- und Südamerika. Viele Sorten wachsen aber längst sogar auf deutschen Balkonen. Paprika und scharfe Chilis mögen Wärme, Wasser und wie alle Pflanzen Liebe. Andere beliebte – und eingewanderte – Pflanzen, die sich für den Balkonanbau eignen, sind Zwiebeln und Knoblauch, die vermutlich aus Asien stammen. Einfach kleine Exemplare des Gemüses in die Erde stecken. Auch Kürbisgewächse wie Gurke, Zucchini oder Kürbis können in größeren Töpfen angebaut werden. Eine Herausforderung sind Tomaten, die wegen ihres Aromas auch Paradiesäpfel genannt werden und ebenso aus Amerika stammen. Sie brauchen Nährstoffe, Sonne und viel Wasser – an der Wurzel, nicht an den Blättern. Am besten gedeihen Tomaten also an einem überdachten Standort mit Rankhilfe. Experte Tom Wagner rät zu Züchtungen, die für den Balkonanbau geeignet sind. Wenn der Anbau im ersten Jahr nicht sofort gelingt: Nicht aufgeben, schließlich gehört Demut zum Gärtnern dazu.

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