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Tiyatro Frankfurt Türkisches Festival mit deutschen Übertiteln

Das Tiyatro Frankfurt organisiert zum fünften Mal das Türkische Theaterfestival in Frankfurt und Rüsselsheim. Leiter Kamil Kellecioglu ist mit Herzblut dabei – und mit der Überzeugung, dass Kreativität die Welt retten kann.

Türkisches Theaterfestival
Szene aus dem Stück „Garderobier“. Foto: Staatstheater Istanbul

Kamil Kellecioglu hält sein Handy in der rechten Hand, die Augen funkeln, ein Lächeln durchzieht seinen Vollbart. „Eine Frau, die in Bremerhaven wohnt, hat nach Tickets für das Festival gefragt“, erzählt Kellecioglu von der vorliegenden SMS. „Sie will 500 Kilometer Fahrt dafür auf sich nehmen, um das erste Mal ein Theaterstück zu sehen.“ Genau das sind die Momente, die den Leiter des Tiyatro Frankfurt glücklich machen, ihn geradezu erfüllen und für die er einen Großteil seiner Freizeit liebend gerne opfert. Vom 4. bis zum 14. Mai organisiert der 47-Jährige mit seinem Team zum fünften Mal das Türkische Theaterfestival in Frankfurt und Rüsselsheim. Auf Türkisch mit deutschen Übertiteln.

Für die insgesamt acht Stücke im Internationalen Theater Frankfurt, im Gallus-Theater und im Theater Rüsselsheim, für Workshops und das Panel kommen zahlreiche prominente türkische Schauspieler ins Rhein-Main-Gebiet. „Sie spielen wie immer ohne Gage“, sagt Kellecioglu. Die Flüge, Visa, Unterbringung, Transfers muss der eingetragene Verein stemmen.

Seit einem Jahr plant und organisiert er mit Festivalkoordinatorin Zeynep Yildiz, die in Istanbul als Drehbuchautorin arbeitet, das Festival. Sie haben zahlreiche Stücke in der Türkei und in Deutschland gesichtet, mit Theatermachern und Schauspielern gesprochen, um sie für ihre Sache zu gewinnen. „Für uns lassen sie ihre Sets für ihre Serien pausieren“, sagt Kellecioglu.

Das gelingt nur, weil der Mann aus der südosttürkischen Stadt Gaziantep überzeugend und leidenschaftlich ist, wenn es um das Thema Theater geht. „Die Kunst kann die Welt retten“, ist einer seiner Lieblingssätze, den Kellecioglu nicht müde wird zu betonen. Theater verbinde, Theater mache die Menschen glücklich und bringe sie zum Nachdenken – und dazu, etwas aus einer anderen Perspektive zu erleben. So auch gleich das Eröffnungsstück „Shirley“, das im Frankfurter Gallus-Theater aufgeführt wird. Der monotone Alltag macht der 42-jährigen Shirley nach dem Auszug ihrer Kinder zu schaffen, ihr Mann ignoriert sie. Erst als sie eine Reise von ihrer Freundin geschenkt bekommt, sieht sie eine Möglichkeit, der Tristesse zu entkommen. Das Reiseziel: Die Türkei.

Kamil Kellecioglu hat in seinem Heimatland am Konservatorium der Universität Gaziantep seine Theaterausbildung absolviert. 1997 kam er nach Deutschland, arbeitete zunächst beim Radio, ehe er zu seiner Leidenschaft zurückfand und vor 15 Jahren das Tiyatro Frankfurt gründete. Das Hauptziel: Jugendliche für das Theater gewinnen. Er bildet sie während der Proben aus, gibt ihnen das nötige Handwerkszeug des Schauspielens mit auf den Weg. Und vermittelt ihnen vor allem Selbstvertrauen und Empathie, um sich in ganz unterschiedliche Charaktere hineinversetzen zu können. Ende vergangener Woche trat das Ensemble des Tiyatro Frankfurts mit seinem Stück „Ist schon okay“ in Istanbul auf. In wenigen Tagen wird sich ein 40-köpfiges Team um den reibungslosen Ablauf des Festivals kümmern.

Das Engagement der Theatermacher bleibt in der Türkei nicht unbemerkt. Vergangenes Jahr erhielt das Team von Kamil Kellecioglu bei den „Anatolischen Theaterpreisen“ die Auszeichnung für das beste Festival. 2013 bekam das Tiyatro Frankfurt den Integrationspreis der Stadt Frankfurt verliehen, die in diesem Jahr das Festival zum ersten Mal finanziell unterstützt und im Römer einen Empfang organisiert. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist wie Groß-Geraus Landrat Thomas Will (SPD) und Burak Kararti, der türkische Generalkonsul, Schirmherr des fünften Festivals.

Diese Anerkennung macht Kellecioglu glücklich, sie sind aber nicht sein Hauptantrieb. „Unser Kurs auf die Kunst ist für mehr Menschlichkeit“, sagt er. In den vergangenen Jahren erreichte das Tiyatro Frankfurt beim Festival rund 2500 Menschen. 30 Prozent davon, schätzt Kellecioglu, waren nicht Türkisch sprechende Zuschauer. Diese Zahl, das ist auch eines seiner Ziele, will er weiter erhöhen. Die türkischen Zuschauer sollen über das Festival das Theater lieben lernen und auch deutsche Stücke besuchen. Andersherum will er den Deutschen die Vielfalt des türkischen Theaters und der türkischen Bühnen, die es in Deutschland gibt, zeigen. So hat er die schwarze Komödie „Grenze“ vom türkischen Theater in Nürnberg, Objektive Bühne, und das Stück „Unabhängigkeit“ vom Günes Theater Frankfurt, das Uraufführung feiert, in das Programm aufgenommen.

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