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Theater in Frankfurt Toilettenphilosophie in Frankfurt

Jeder muss mal aufs Klo, doch keiner spricht drüber. Mit dem Paradoxon beschäftigt sich die Inszenierung „Klosettosophie“ des Frankfurter Vereins Spinnkultur.

Theater in Frankfurt
Öffentliche Toiletten: Ihr Zustand ist oft zum Grausen. Foto: Diana Djeddi

Was verbindet alle Menschen? Was kann keiner auslassen? Das haben sich die Mitglieder des Frankfurter Vereins Spinnkultur bei der Vorbereitung eines Theaterprojekts gefragt – und eine Antwort gefunden: Es ist der Gang zur öffentlichen Toilette. „Doch damit kamen neue Fragen auf: Wenn doch jeder dort mal hin muss, warum spricht trotzdem keiner drüber? Warum kommt in einer Schlange vor dem Klo anders als in der vor der Disko meistens kein Gespräch unter den Wartenden auf?“, erklärt Jona Schmidtmann von Spinnkultur.

Eine Antwort hat der Verein nicht gefunden. „Das war auch nicht das Ziel. Stattdessen haben wir 15 Frankfurter Bürger gefunden, die als Laien-Darsteller den Fragen nachgehen“, so Schmidtmann. Das Ergebnis ist das Stück „Klosettosophie“. Durch Tanz, Theater, Musik und Video nähern sich die Darsteller mit der „Philosophie des Klosetts“, so der Untertitel der Inszenierung, dem Klo – oder jedenfalls dem Thema Klo.

WC, Abort, 00, Klo, Lokus, stilles Örtchen, Donnerbalken – die Bezeichnungen für die Toilette sind vielschichtig. Ebenso wie die Collage, die die Darsteller zusammen mit sieben Vereinsmitgliedern entwickelt haben. Dafür haben sie recherchiert, Passanten und Personal befragt, die Interviews gefilmt. Was passiert mit den 50 Cent Toilettengebühr? Wie dreckig sind die Klos wirklich? Was findet eine Putzfrau an ihrer Arbeit schön?

Schau nach rechts. Refugees welcome. Ich war hier. Marie, ich liebe dich. ACAB – All Cops Are Bastards. Sprüche, die jeder von Toilettenwänden kennt. Schnell hingekritzelt, haben sie doch mehr als nur eine Aussage. Sie sind auch Spiegel der Gesellschaft. So sehen es jedenfalls die Darsteller.

Ein Querschnitt der Gesellschaft sind die Mitspieler: Männer und Frauen jeden Alters. Flüchtlinge und Behinderte. Studierende und Arbeitende. Sie alle eint: der Gang zum Klo. Und doch sieht der bei allen anders aus. Da ist zum Beispiel die Bühnenfigur Gilda. Für sie gleicht der Besuch einer öffentlichen Toilette einem Spießrutenlauf. Jeglichen Hautkontakt vermeidet sie, stattdessen hantiert sie großzügig mit Desinfektionsspray. Auf ihrem Youtube-Kanal „Gildas Putzpalast“ gibt sie Tipps, stellt neue Hygienesprays vor. Ekel wird ironisch auf die Spitze getrieben.

Ein Problem, das für eine andere Darstellerin beinahe der reine Sarkasmus ist. Denn im Rollstuhl sitzend, sind manche öffentlichen Toiletten für sie schlicht unerreichbar. Dass es mit Hilfe doch geht, zeigt ein Tanztrio auf der Bühne.

Im Fokus der Inszenierung steht die Begegnung zwischen Menschen, die sich im öffentlichen Raum einer Toilette zwar begegnen, aber dennoch nebeneinander her leben.

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