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Theater in Frankfurt Theaterexperiment in Frankfurt

Das Freie Schauspiel-Ensemble Frankfurt wagt mit „Sei frei, immer!“ ein Theaterexperiment. Den scheinbar so spontanen Text haben die vier Schauspieler und Regisseur Reinhard Hinzpeter gemeinsam wochenlang erarbeitet.

Freie Schauspiel in Frankfurt
Michaela Conrad und Hans-Peter Schupp spielen ein Ehepaar, das nach langem Hin und Her endlich zusammengefunden hat. Foto: Christoph Boeckheler

In der Programmvorschau des Freien Schauspiel-Ensembles scheint bei der Ankündigung der neuen Uraufführung ein entscheidender Hinweis vergessen worden zu sein: Welcher Autor hat denn das Stück „Sei frei, immer!“ eigentlich geschrieben? Zwar ist es im Theater ja nicht unbedingt so, dass wer Goethe, Kleist oder Jelinek erwartet, das so auch wortgetreu bekommt – ein Autorenname ist aber durchaus zugkräftig. Genau darauf verzichtet das Ensemble, und das aus gutem Grund. 

Denn Regisseur Reinhard Hinzpeter, der seit der Gründung des Ensembles 1984 dabei ist, und seine vier Schauspieler haben ein Experiment gewagt: „Sei frei, immer!“ hat eigentlich fünf Autoren, die sich das Stück gemeinsam hart erarbeitet haben. „Reinhard hat uns ein Drehbuch ohne Text angeboten“, berichtet Bettina Kaminski, eine der Darstellerinnen. 

Jede Situation war darin kurz beschrieben, der Rest erforderte erst einmal Improvisation, stundenlange Dialoge, aus der Spontanität geborene Streitereien oder auch Scherze. „Es hat schon auch viele komische Anteile“, sagt Kaminski über das Drama in 17 Szenen. All das wurde gefilmt, der Text transkribiert, verdichtet und natürlich auch gekürzt. 

„Wir haben versucht, den Charakter der Szenen zu bewahren“, sagt Kaminski. 17 Stunden ist der originale Film lang, zwölf Wochen dauerten die Proben, der größte Teil davon diente der Entwicklung des Stücks. „Die Schauspieler waren oft selbst von ihren Improvisationen überrascht, wenn diese dann verschriftlicht wurden“, sagt Regisseur Hinzpeter rückblickend. „Dass das jetzt eine Uraufführung ist, dieser Begriff ist uns gar nicht eingefallen“, sagt Hinzpeter und lacht. 

Keiner der Schauspieler kannte den Verlauf der Handlung, und auch der Regisseur musste seine Vorlage immer wieder überarbeiten und verändern. Ein Reiz daran: Das hier ist kein Bühnendeutsch, die Figuren sprechen Alltagssprache. „Sie haben viel mit unseren Erfahrungen zu tun“, sagt Kaminski. Statt keinem hätte man wohl auch fünf Autoren angeben können.
Die Geschichte spielt in einem Wohnzimmer, am Esstisch, auf dem Sofa, an einem Wochenende. Ein Ehepaar, der Lehrer und die Weltenbummlerin, nach langem Hin und Her schließlich doch glücklich verheiratet, seine Schwester, die zu Besuch kommt, um Ernstes zu bereden, schließlich noch der frühere Schüler des Mannes, der hier zur Untermiete lebt, kreisen umeinander. 

Die Mutter der Geschwister soll ins Altersheim, darüber muss dringend geredet werden, aber es gibt da doch noch einiges sehr dramatisches, was im Laufe des Besuchs zur Sprache kommt. Wie respekt- und verantwortungsvoll, ja, wie frei kann man denn sein – immer? Auch wenn man Entscheidungen treffen soll, die weitreichende Konsequenzen haben? Da wird das Stück sehr philosophisch. 

„Es gibt da so viel Persönliches, das man auf die Gesellschaft übertragen kann“, sagt der Regisseur. „Fragen des Miteinanders stellen sich ja immer wieder neu. Freiheit hat ihre Grenze in der Familie. Das muss jeder für sich empfinden.“

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