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Theater in Frankfurt Schauspiel und Mousonturm arbeiten zusammen

Anselm Weber, Chef des Schauspiels Frankfurt, und Mousonturm-Intendant Matthias Pees wollen künftig enger zusammenarbeiten – in der deutschen Stadttheater-Szene sind solche Kooperationen die absolute Ausnahme.

Theater in Frankfurt
Anselm Weber vom Schauspiel Frankfurt und Matthias Pees vom Mousonturm (rechts) kennen sich schon lange. Foto: Monika Müller

Anselm Weber, Chef des Schauspiels Frankfurt, und Matthias Pees vom Mousonturm sind vertraut miteinander – das merkt man schon beim gemeinsamen Fototermin für die FR auf Webers großartiger Büroterrasse am Willy-Brandt-Platz. Beide kennen sich schon lange, aus der Zeit, als sie am Schauspiel Hannover waren. Der Ton zwischen beiden ist herzlich. In Frankfurt, wo Weber seit 2017 Intendant ist und Pees seit 2013 das Künstlerhaus Mousonturm leitet, haben sie sich wiedergetroffen, als Chefs zweier „geschwisterlicher Bühnen“, wie Pees es formuliert.
Jetzt planen beide für städtische Theater auch bundesweit etwas gradezu unerhörtes: Das große bürgerliche Haus und der ebenfalls städtisch finanzierte Mousonturm mit seinem avantgardistischen Programm wollen künftig eng zusammenarbeiten.

Nun klingt das vielleicht gar nicht so spektakulär, doch normalerweise schauen Theatermacher kreuz und quer in der Republik sehr genau auf ihre Pfründe und bewachen das eigene Territorium mit Argusaugen. Zwölf Jahre war Weber Intendant im Ruhrgebiet und erinnert sich an heftige Debatten zwischen Stadttheatern und freier Szene. „Die Diskussion wird oft ideologisch geführt“, sagt er. „Dahinter verbirgt sich aber meist Besitzstandswahrung“, ergänzt Pees.

In Frankfurt steht jetzt das erste gemeinsame Projekt von Mousonturm und Schauspiel kurz vor der Premiere: Am morgigen Freitag, 27. April, erlebt das Stück „Out Of Order“ von Tim Etchells und dem britischen Theaterkollektiv Forced Entertainment im Bockenheimer Depot seine Welturaufführung. „Out Of Order“ handelt von einer Truppe trauriger Clowns, die sich streiten, jagen und alte Gags proben.

Das historische ehemalige Straßenbahndepot mit seinem Industrie-Charme ist eine der schönsten Spielstätten im Rhein-Main-Gebiet, hauptsächlich nutzen es bisher Oper und Schauspiel Frankfurt für kleinere ungewöhnliche Inszenierungen. Künftig darf der Mousonturm mitmischen.

Weber stellt Pees mindestens in den kommenden drei Jahren eine von zwei Produktionen im Depot zur Verfügung – das beinhaltet nicht nur die Räume, sondern auch das Personal. „Wir schauen dabei nicht primär auf die Einnahmen. Diese perspektivische Entscheidung muss ich alleine verantworten“, sagt Weber. Es sei „ein Wagnis“.

Aber es gebe einen Boden in dieser Stadt, der das trage, betont Pees. Immerhin ist das Schauspiel aktuell bei einer aktuellen Auslastung von 96 Prozent und steht bei den Einnahmen gut da.

„Stadttheater haben klare Vorgaben, was sie ihren Abonnenten liefern müssen, und es müssen auch Einnahmen produziert werden“, sagt Pees. Im Bockenheimer Depot könne das Avantgarde-Publikum des Mousonturms und das bürgerliche des Schauspiels „zusammengelegt“ werden, sagt Pees. Man merke das auch schon am Vorverkauf, ergänzt Weber. Der laufe nämlich an beiden Theaterkassen ähnlich gut.

Der Mousonturm hat Forced Entertainment engagiert. „Uns ist wichtig, dass es eine freie Produktion bleibt“, sagt Pees. Forced Entertainment sei eine Truppe mit „internationalem Charakter, schwärmt er. Nach zehn Aufführungen in Frankfurt geht das Theaterkollektiv auf Welttournee. Gefördert wird der Frankfurter Auftritt von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

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