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Tanzkurs Führen und führen lassen

Ob Rumba, ob Diskofox: Unsere Autorin und ihr Mann hoppeln zunächst übers tanzschulische Parkett. Aber am Ende schweben sie.

27.10.2010 11:07
Jutta Ochs
In der Tanzschule Foto: stock.xchng

Es könnte, sagte der sehr freundliche Tanzlehrer zur Einführung, in der Frage, wer führt, die ein oder andere Schwierigkeit geben. Wir hörten gar nicht richtig zu, wollten lieber mal loslegen. Nichts also hatte uns auf diese Momente der Wahrheit im Leben eines Paares vorbereitet.

Wir, Ehemann und Ehefrau, jenseits der 40 und eher mit Schwerathleten-Figuren ausgestattet, als biegsam und elastisch zu nennen, hatten uns entschieden, nicht mehr unangenehm berührt am Rand zu sitzen, wenn am Samstagabend die Tanzmusik spielt.

Wir träumten von leichten Füßen, geschmeidigen Hüftschwüngen, dem Verschmelzen mit dem Rhythmus ohne Worte und in Harmonie. Das muss doch zu lernen sein! Und buchten also ohne nennenswerte Vorkenntnisse einen Grundkurs Gesellschaftstanz in der nahen Tanzschule.

Da standen wir, aufgeregt und schon schwitzend, im wunderschönen Stilaltbau-Tanzsaal – und waren erst einmal geschockt von der gefühlten Totalverspiegelung. So genau hatte sich noch keiner von uns von hinten links gesehen. Das war auch besser so gewesen.

Heimlich geübt

Die anderen Teilnehmer, einige jüngere Hochzeitspaare, mehrere ebenfalls schon etwas gereiftere Damen und Herren, wirkten deutlich entspannter. Die trugen auch keine Chucks, sondern Schuhe mit gut gleitenden Ledersohlen. So dass der Gatte, R., sofort das ihm aus dem Fußballsport vertraute Konkurrenzgefühl entwickelte und die Gegner, eigentlich Mittänzer, bezichtigte, vorher heimlich und also irgendwie illegal geübt zu haben. Das schien sich nach den ersten Schrittfolgen zu bestätigen. Die anderen schritten und glitten, wir hoppelten über das Parkett. Beim lustigen Stampftanz ebenso wie beim Diskofox. Wir kämpften die Richtung aus. Der eine bezichtigte den anderen, zu viel zu zappeln. Die bösen Blicke, die R. auf die nach seiner Meinung gedopten Mitbewerber warf, wurden auch bemerkt. Kurz, die Stimmung war nicht mehr so sehr fröhlich.

An dieser Stelle aber trat nun die wundersame Wende ein. Der Tanzlehrer, dieser schlanke, elegante, einfühlsame Mensch der Tanzschule Carsten Weber, sprach die bedeutsamsten Sätze des Kurses aus: „Der Herr führt, die Dame lässt sich führen. Damit müssen Sie sich abfinden.“ Es war nun nicht so, dass dies sofort blendend funktioniert hätte. Im Grunde hat es bis zum Ende des Kurses nicht so hundertprozentig funktioniert. Aber es war doch gewissermaßen eine wegweisende Entscheidung gefallen.

Von da an waren wir nun nicht wirklich besser, trugen aber geeigneteres Schuhwerk, verfolgten unsere Kurskollegen seltener mit giftigen Blicken, fanden, um es mal so zu sagen, eine gemeinsame Richtung, in die dann der Mann zuerst einschwenkte. Die Rumba wurde nicht unsere beste Freundin, aber beim langsamen Walzer, da schwebten wir – nach unserem Fühlen – wie zwei Federn über den Tanzboden und waren glücklich. Zu erwähnen ist noch, dass wir die anfängliche Feindschaft mit den anderen Paaren begruben. Wir verloren sie dann aber aus den Augen, weil sie sich in den Kursus für Fortgeschrittene eintrugen. Wir aber belegten lieber doch noch einmal den Grundkursus. Beim zweiten Durchlauf gehörten wir allerdings eindeutig zu den besten. Manche stellen sich ja auch wirklich blöd an.

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