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Tag des offenen Denkmals in Hessen Hereinspaziert!

Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag gibt es in Hessen wieder viel zu entdecken. Zahlreiche historische Gebäude sind für Besucher zugänglich – und zeigen, wie wichtig der Denkmalschutz ist.

Tag des offenen Denkmals in Hessen
Eine große Kostbarkeit, endlich fertig restauriert: Die Ikonenwand der russisch- orthodoxen Kirche in Bad Nauheim. Foto: Monika Müller

Das diesjährige Motto des „Tags des offenen Denkmals“, der am kommenden Sonntag gefeiert wird, könnte nicht passender gewählt sein als für dieses Bauwerk: „Entdecken, was uns verbindet“ scheint geradezu zugeschnitten auf die russisch-orthodoxe Kirche in Bad Nauheim. Das frisch restaurierte Gotteshaus mit seiner in Westeuropa einzigartigen Ausstattung hat eine bewegte Geschichte zwischen drei Konfessionen hinter sich und verdankt seine Rettung einem kleinen Bad Nauheimer Verein. Da ist ein bisschen Aufmerksamkeit zum Denkmalstag vielleicht auch ein kleines Dankeschön für so viel vorbildliches ehrenamtliches Engagement.

„Wir haben schon ein paarmal offene Rechnungen selbst privat vorstrecken müssen“, sagt Brigitta Gebauer, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, der weniger als 30 Mitglieder und grade mal ein halbes Dutzend Aktive hat. Seit 2003 gibt es den Förderverein; die Kirche war damals durch und durch marode, das Dach einsturzgefährdet. Die ehrenamtliche Aufgabe sei aber „so interessant, dass ich mich in diese Arbeit richtig verliebt habe“, sagt der Vereinsvorsitzende Günter Neubauer, der über die Kommunalpolitik zum Förderverein kam und sich etwa um die Finanzen kümmert. 

Stolze 1,6 Millionen kostete die denkmalgerechte Restaurierung des Gebäudes mit seiner außergewöhnlichen russischen Ikonenwand, einer sogenannten Ikonostasis, und dem großen farbigen Jugendstilfenster, ebenfalls eine Rarität ersten Ranges. Rund ein Drittel der Mittel brachte der Förderverein selbst auf. Große Zuschüsse kamen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, vom Land, dem Kreis und der Stadt Bad Nauheim. 

Dafür hat die Kurstadt eine Sehenswürdigkeit zurückerhalten, zu der Touristen von weit her pilgern – „pilgern“ ist dafür sogar der ganz passende Begriff, denn die Kirche hat für russisch-orthodoxe Gläubige einen hohen Wert. Mehrfach war einst die als heilig verehrte russische Zarenfamilie hier zu Besuch; die letzte Zarin und ihre Schwester stifteten einen wertvollen Leuchter. 

Und schließlich sind da noch die Ikonen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die aus dem heute verwüsteten russischen Kloster Sarow 1910 als Geschenk nach Bad Nauheim gelangten. Die verehrten Bilder sind auf das Engste verbunden mit einem russischen Heiligen, dem 1833 verstorbenen Seraphim von Sarow, und deshalb für orthodoxe Gläubige ein wahrer Schatz. 
„Mir ist es ganz wichtig, dass die Kirche wieder lebt“, sagt Gebauer, die jahrzehntelang direkt nebenan gewohnt hat und schon lange Führungen anbietet. Seit einiger Zeit wird die Kirche wieder regelmäßig für russisch-orthodoxe Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten genutzt. Die Kirche ist nun auch regelmäßig jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr und jeden 2. und 4. Samstag im Monat von 14 bis 16 Uhr zu besichtigen, der Verein kann inzwischen sogar Führungen auf Russisch anbieten. 

Am Denkmalstag-Wochenende gibt es am morgigen Freitag, 7. September, um 19 Uhr eine Führung, am Samstag um 14 und 15 Uhr sowie am Denkmalstag selbst um 18 Uhr. Geöffnet bleibt die Kirche am Sonntag bis 20 Uhr. 

Bis heute gehört die ehemals evangelische, dann katholische und schließlich seit 1908 orthodoxe Reinhardskirche übrigens der russischen Bruderschaft des heiligen Fürsten Wladimir, der Verein ist nur treuhänderisch tätig. Das sei doch ein wunderbares Beispiel für eine ökumenische Geschichte, sagt Neubauer. 

Hessenweit sind am Denkmalstag rund 600 Häuser, Kirchen, Fabriken, Ausgrabungsstätten und ähnliches geöffnet, bundesweit beteiligen sich tausende Privatleute, Kommunen und Institutionen an dem Fest, das in diesem Jahr zum inzwischen 25. Mal gefeiert wird und zahlreiche Besucher für den Denkmalschutz begeistert. 

Woher kommt diese Attraktivität? „Gerade in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung ist es wichtig, den Bürgern ein Gefühl für die Einzigartigkeit unseres kulturellen Erbes in Hessen zu vermitteln“, sagt Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege. „Gleichzeitig schärft dies das Bewusstsein dafür, dass die Geschichte unserer Kulturdenkmäler in ihrer Vielfalt durch Wechselwirkungen, Austausch und fremde Impulse geprägt ist.“ 

Denkmalpflege sei ein länder- und nationenübergreifender gesellschaftlicher Auftrag, sagt Harzenetter. Und, das zeigt das Beispiel Bad Nauheim, gerade engagierte Bürger können mit ihrem Engagement sehr viel bewegen und Denkmäler am Leben erhalten. 

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