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Tag der Architektur in Hessen Gut gebaut

In Deutschland wird gemauert, gewerkelt und konstruiert wie lange nicht – doch vieles, was da neu entsteht, ist fade. Es geht aber auch anders. Der Tag der Architektur zeigt in ganz Hessen eindrucksvolle Beispiele.

Wohnen in Frankfurt
Der Frankfurter Ruderverein von 1865 hat ein neues Haus erhalten– die Architekten Malte Just, Robert Bösche und Daniel Stephan (von links) haben es in einen Bogen der Alten Brücke eingepasst. Foto: Andreas Arnold

Einen der elegantesten und auch sehenswertesten Neubauten des vergangenen Jahres in Frankfurt dürften die meisten Einwohner bisher übersehen haben – obwohl der Bauplatz kaum zentraler liegen könnte. Die Frankfurter sehen darüber hinweg, das kann man ganz wörtlich nehmen. Der Neubau für den Frankfurter Ruderclub von 1865 versteckt sich in einem Bogen der denkmalgeschützten Alten Brücke neben der Ausstellungshalle Portikus und ist unbedingt sehenswert.

Anlässlich des Tags (eigentlich des Wochenendes) der Architektur kann man am kommenden Sonntag das sonst nicht zugängliche Vereinsheim des ältesten Deutschen Ruderclubs im Binnenland besichtigen, gemeinsam mit vielen weiteren interessanten Neubauten.

Denn zwischen viel Durchschnitt und Langeweile stechen doch immer wieder gut und schön gebaute Bauwerke hervor, die oft mit erstaunlich wenigen Mitteln zeigen, wie es auch anders gemacht werden kann. 126 neue Projekte sind zwischen Kassel und der Bergstraße in diesem Jahr zu besichtigen, Motto „Architektur schafft Lebensqualität“.

Beispiel Vereinsheim der Ruderer: Es scheint fast, als hätten die Veranstalter das diesjährige Motto mit Hinblick auf diesen Bau gewählt. Vorstand Klaus Rohmer merkt man an, wie stolz er auf den dank der Hilfe engagierter Mitglieder erstaunlich günstigen Beinahe-Neubau ist, der dem Verein seit seiner Fertigstellung im Herbst 2016 neue Impulse gibt – und auch einen ziemlichen Andrang an neuen Mitgliedern beschert. Denn was der Verein hier für rund 600 000 Euro mit dem Architekten Daniel Stephan, selbst Mitglied, und dem Frankfurter Büro Just/Burgeff Architekten gebaut hat, besticht zum einen durch einen schlichte (und günstige) Eleganz.

Geschickt nutzten Malte Just, Robert Bösche und Daniel Stephan die Rundung des Brückenbogens, schufen einen Raum wie ein umgedrehtes Ruderboot, öffneten große Fenster zum Main und der nicht öffentlich zugänglichen Flussinsel, ließen den Estrich und den Beton der Decken unverputzt und unverkleidet stehen, kombinierten edle Materialien mit der rauen Oberfläche. Viele Ideen, etwa die Wiederverwendung der alten Schließfächer oder die Betonsichtigkeit, kamen von den Ruderern.

Eindrucksvoll ist der Duschraum der Herren, ein hohes rundes Gewölbe im Brückenpfeiler, blau gefliest, sehr ungewöhnlich. „Wir haben den Grundriss um 180 Grad gedreht“, sagt Stephan. Es sei anfangs nicht einfach gewesen, die Ruderer davon zu überzeugen, Umkleidekabinen und Gemeinschaftsraum zu tauschen. „Eigentlich waren wir hier 300 Architekten.“ Der Spruch von den vielen Köchen und dem Brei – hier passt er jedenfalls nicht.

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