Lade Inhalte...

Staatstheater Mainz Ein Stück Teufelswerk

Das Staatstheater Mainz bringt Michail Bulgakows phantastischen Roman „Meister und Margarita“ auf die Bühne.

Staatstheater Mainz
Margarita mit dem geretteten Buch ihres Geliebten – ein Geschenk von Satan höchstselbst. Foto: Staatstheater Mainz

Am Samstagabend,17. Juni, hat „Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow Premiere am Staatstheater Mainz, eine ungewöhnliche Schauspielproduktion. Bulgakows berühmter Roman über die 1930er Jahre in Moskau ist eine Herausforderung für das Theater, ein Meisterwerk, satirisch, fantastisch-surreal, politisch-aggressiv und religiös-philosophisch. Ungewöhnlich ist auch die Mainzer Produktion, sie antwortet Bulgakows Text mit einer Bühnenvision, die bis zum Ende der Spielzeit am 2. Juli noch neun Mal gespielt wird.

Kurz bevor Bulgakow 1940 im Alter von 48 Jahren starb, hat er seiner Frau die endgültige Version des Romans diktiert. Zentrale Figur ist der Satan, der als Magier Voland (eine Wiedergeburt von Goethes Mephisto) nach Moskau kommt und die Stadt in Verwirrung und Schrecken versetzt. Es gibt groteske tödliche Unfälle. Gegenfigur ist der Meister, ein Schriftsteller, der einen Roman über Pilatus geschrieben hat, der gegen seine Überzeugung Jeschua Ha-Nozri (Jesus) zum Tode verurteilt. Dieser Roman im Roman unterbricht mehrmals die Moskauer Ereignisse. Der Meister kommt wegen des Romans ins Irrenhaus.

Bulgakows Romane, Erzählungen und Theaterstücke, die sich kritisch mit der russischen Realität auseinandersetzten, wurden ständig von der Zensur begleitet. Bulgakow bat vergeblich darum, die UdSSR verlassen zu können. Schließlich bat er um Arbeit am Theater: als Regisseur oder wenigstens als Statist oder als Bühnenarbeiter. Schließlich nahm ihn das Moskauer Künstlertheater auf.

In Russland wurde „Meister und Margarita“ erst 1966 veröffentlicht. Heute ist der Roman dort Kult. Es gibt Bulgakow-Festivals und Bulgakow-Museen in Moskau und Kiew, seiner Geburtsstadt. Die Sängerin Anna Netrebko soll „Meister und Margarita“ zu ihrem Lieblingsbuch erklärt haben.
Für deutsche Leser sind die Lücken im Roman nach und nach in der DDR-Übersetzung von Thomas Reschke geschlossen worden, aber erst 2012 ist eine vollständige, kommentierte deutsche Fassung von Alexander Nitzberg erschienen (auch als Hörbuch), die der Mainzer Inszenierung zugrunde liegt.

„Meister und Margarita“ ist in Mainz eine Großproduktion. Jan-Christopher Gockel, der Regisseur, und die Bühnenbildnerin Julia Kurzweg bringen einen Querschnitt durch die Riesenstadt Moskau auf die Bühne, drei Stockwerke übereinander mit insgesamt neun Wohnungen. Eine eigene Wohnung war in den dreißiger Jahren in Moskau ein Privileg, üblich waren Gemeinschaftswohnungen, in denen es ständig Streit gab.

18 Schauspieler bevölkern diese Bühne, der Meister wird von drei Personen dargestellt, dazu kommt noch Anton Berman, ein russischer Live-Musiker.

Nach der Pause besetzen die Zuschauer die Bühne und werden nun selbst Teil der Stadt. Sie können dann aus nächster Nähe und live miterleben, wie Stalin Bulgakow anrief. Der Diktator liebte es, mit Künstlern zu telefonieren, meist war es ein schlechtes Zeichen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum