Lade Inhalte...

Spielekritik Pandemie Legacy

Spielfiguren
Bunte Spielfiguren: Das Angebot ist außergewöhnlich vielfältig – Neuheiten kann man in Darmstadt testen. Foto: Michael Schick

Pandemie Legacy – Season 2 setzt fort, was mit „Pandemie Legacy – Season 1“ schon ganze Scharen von Spielern begeistert hat. Da es ein echtes Legacy-Spiel ist, soll hier nicht zu viel verraten werden – sonst ist der zentrale Kick futsch: die Spannung, was kommt als nächste Herausforderung aus der Kiste! Um eine Idee zu geben, wie das funktioniert, erzählen wir weiter unten ein paar Details aus „Season 1“. Wer das noch nicht kennt, sich aber nicht Spielspaß nehmen will: Achtung Spoiler – nicht lesen!

Beide „Legacy“-Varianten basieren auf jenem Spiel, das als wohl wichtigster Trendsetter für die Idee kooperativer Spiele gilt, das Urspiel „Pandemie“. Dessen Idee: Auf der Welt breiten sich vier Seuchen rasend schnell aus. Die Spieler, die je einen „Charakter“ mit bestimmten, sich unterscheidenden Eigenschaften als Spielfigur übers Brett mit der Weltkarte bewegen, versuchen nicht nur die Ausbreitung einzudämmen. Sie müssen gemeinsam und gut abgestimmt die vier Gegenmittel finden. Die Aktionen der Akteure basieren letztlich auf einfachen Aktionen mit Karten. „Gegenmittel finden“ etwa heißt: Ein Spieler muss fünf Stadtkarten einer Farbe auf der Hand haben und die an einem Ort mit einem Krankenhaus abgeben. Das muss zuvor natürlich gebaut worden sein. Doch wenn die Runde sich geschickt austauscht und dem „Wissenschaftler“ die richtigen Karten zuschustert, braucht der nur vier, um ein Gegenmittel zu erfinden. So gewinnt man Zeit. Das ist extrem wichtig, denn das Spiel übt einen ungeheuren Zeitdruck aus. Nachdem ein Spieler mit seinen Aktionen fertig ist, muss er zwingend vom zweiten Stapel mit den „Infektionskarten“ zwei oder – im späteren Verlauf – noch mehr davon aufdecken und die entsprechenden Städte mit einem (oder mehr) Seuchenmarkern belegen. Schaurig, wie schnell die Welt mit bunten Seuchenmarkern überzogen ist! Ein spannender Wettlauf, und es ist keinesfalls garantiert, dass die Spieler gewinnen!

„Pandemie Legacy – Season 1“ hat exakt dieses Szenario aufgegriffen. Wie in einem Thriller aber haben es die Autoren Matt Leacock und der „Legacy“-Spezialist Rob Daviau weiterentwickelt. (Wer sich die Spannung erhalten will: Ab hier nicht weiterlesen! Erst im nächsten Absatz wieder einsteigen!) Ganz schnell stellt sich heraus, dass eines der vier für die Seuchen verantwortlichen Viren mutiert ist. Es lässt sich mit den üblichen Mitteln nicht mehr bekämpfen. Bricht diese Höllenseuche aus, muss man die betreffende Stadt mit einem Marker kennzeichnen – einmal aufs Brett geklebt, ist der nicht mehr zu entfernen! Dort können dann ab  bestimmten Seuchenstufen keine Krankenhäuser mehr gebaut werden und, sehr übel, die Stadt ist nur noch für Spezialisten zu betreten. Doch es kommt noch schlimmer: Ab einem gewissen Zeitpunkt tauchen wandelnde Seuchenüberträger auf (was ein bisschen an „Walking Dead“ erinnert). Um der immer größeren Bedrohung Herr zu werden, beschert einem der so genannte „Legacy“-Spielkartenstapel immerhin neue Charaktere, zum Beispiel Militärs. Die können gegen die fahlgelben Überträger-Figuren vorgehen oder sich durch verseuchte Regionen bewegen. Bis sich herausstellt: Mit den Militärs ist irgendetwas faul. Irgendwo ist ein Verräter, der hat offensichtlich dafür gesorgt, dass das mutierte Virus frei gesetzt wurde …

Das soll genügen, um zu zeigen, mit was für einer Spannungskurve „Pandemie Legacy“ arbeitet. Das läuft ab wie ein Kinothriller und man muss als Spielerunde schon ziemlich clever sein, um den Seuchentod in den maximal 24 Partien abzuwenden. Was passiert nun in „Season 2“? Ohne etwas zu verraten, lässt sich ganz einfach sagen: Es ist eine völlig andere Story. Wir befinden uns im Jahr 71, nachdem eine unaufhaltsame, tödliche Seuche ausgebrochen ist. Reste der Menschheit haben überlebt. Sie haben sich auf „Zufluchten“ zurück gezogen – große schwimmende Habitate weit draußen auf den Ozeanen. Einige Küstenstädte rund um den Atlantik existieren auch noch. Verzweifelt versuchen die Überlebenden, die Reste der Zivilisation am Leben zu erhalten. Denn es kommt immer wieder zu Übergriffen aus den Seuchenlanden.

Den Feind kennt niemand – und auch das Wissen um den Rest der Welt ist verloren. Deshalb zeigt das Spielbrett lediglich den Atlantik, das Mittelmeer und ein paar angrenzende Küstenstreifen. Der Rest der Weltkarte ist schwarz – er entsteht erst während des Spiels! (Jedenfalls vermutet der Autor das nach den knappen Hinweisen im Regelheft.) Schon dieses Setup verspricht ein eindrückliches Spielerlebnis, getragen übrigens von einer grandiosen Grafik, die das Endzeit-Gefühl perfekt vermittelt. Nach und nach dürften aus den vorbereiteten Schachteln und den noch verschlossenen Klebebögen Teile für die apokalyptische Weltkarte auftauchen. Plus, und das ahnt jeder, der „Season 1“ gespielt hat, viele zusätzliche mörderische Überraschungen …

Fazit: Wer schon das Originalspiel „Pandemie“ mochte, war von der „Legacy“-Variante „Season 1“ in der Regel begeistert. Allerdings muss man fairer Weise sagen: Für Gelegenheitsspieler ist das nichts. Was ganz einfach daran liegt, dass man sehr regelfit sein muss. Parktisch in jeder Partie der Kampagne kommen neue Regeln hinzu. Immer wieder gibt es neue Klebeteile für die Anleitung. Dieses Spiel im Wandel muss man beherrschen. Sonst fliegt einem die Welt verseucht um die Ohren und der Frust ist groß.

„Season 2“ dürfte ähnlich packend sein – allein schon die neue Story macht hochgradig neugierig. Was ausgesprochen positiv dabei hervorsticht: In diesem Szenario, das ein bisschen an Kevin Costners „Waterworld“ erinnert, sind einige Spielabläufe neu. Das Grundprinzip mit den Handkarten sowie der wachsenden Gefahr, dargestellt durch stetig hinzu kommenden „Infektionskarten“, bleibt. Um sich mit den veränderten Abläufen und dem Einsatz der „Vorräte“ vertraut zu machen, gibt es ein „Prolog“-Spiel. Da kann man, gerne auch mehrfach, das Vorgehen einüben – ohne dass es da schon dauerhafte Veränderungen an Brett oder Regel gibt!

Pandemie Legacy – Season 2, von Matt Leacock und Rob Daviau: 2 – 4 Spieler (ab 14), Spielzeit pro Partie 60 Minuten (maximal 24 Partien); ca 70 Euro (Z-Man Games)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum