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Song Slam in Hessen Song Slam in Hessen in Planung

Tilmann Döring, wahnsinniger Poetryslammer und Kulturaktivist, will einen hessenweiten Song Slam etablieren. Zwei bis vier Termine in neun Städten sind geplant. Bislang.

Song Slam in Hessen
Sprüht vor Begeisterung für die Kulturszene: Tilman Döring. Foto: Christoph Boeckheler

Mit Tilman Döring zu sprechen, ist gefährlich. Die Begeisterung des Kulturaktivisten steckt an. Nach kurzer Zeit möchte man alles liegen lassen, eine Gitarre kaufen, ein Lied dichten. Einfach nur, um dabei zu sein. Bei Dörings neuestem Streich: dem Song-Slam Hessen.

Dem was? Nun, ein Song-Slam ist wie ein Poetry-Slam, nur eben mit Liedern statt Gedichten. Künstler tragen auf der Bühne selbst Komponiertes mit lyrischem Text vor. Sie haben so um die sechs Minuten Zeit. Das Publikum bewertet lyrischen Gehalt, Süße der Melodei, Kunstfertigkeit des Vortrags, Wirkung des neckischen Augenaufschlags, modische Kompetenz der Künstler und und und.

Poetry-Slams gibt es seit vielen Jahren bereits an jeder Ecke, sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Song-Slams gibt es nicht ganz so viele. Tilman Döring arbeitet aber daran, das zu ändern. Zusammen mit dem Konzertbüro Bahl aus Pohlheim bei Gießen. Zu gewinnen gibt es meist eine goldene Ananas, also Ruhm und Ehre. Auch das möchte Döring, äh, verbessern. Beim Song-Slam Hessen werden Ruhm und Ehre nämlich noch größer sein und die Ananas noch güldener.

Immerhin hat der Impresario mit besagtem Konzertbüro Bahl einen potenten Partner aus der Musikbranche als Mitveranstalter im Boot. „Da kommen zwei ähnlich größenwahnsinnige Köpfe zusammen“, sagt Döring. Denis Bahl organisiert seit 20 Jahren Musikveranstaltungen, er beschäftigt Döring als Webmaster und Booker. „Aus der Arbeit hat sich eine Freundschaft entwickelt“, sagt Döring. Und eben die Idee, den Song-Slam aus seinem Nischendasein zu befreien und etwas ganz Großes daraus zu machen. Nicht weniger als der „größte Newcomer-Songwettbewerb des Landes“ soll er werden.

Los geht’s am Donnerstag, 25. Januar, im Club Gleis 1 in Kassel. Es folgen zig Konzerte im ganzen Land, in Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt. „In den coolsten Locations in den schönsten Metropolen“, wie Döring sagt. Ein großes Finale oder eine Hessenmeisterschaft sollen folgen. Die Reihe soll den Künstlern schließlich nachhaltig etwas bieten, sie sollen ihren Bekanntheitsgrad ausbauen und so größere Konzerte ergattern. Als Support für die Künstler der Konzertagentur Bahl etwa – Nena, Roger Hodgson, die Chippendales.

Döring träumt sogar von Expansion. Vielleicht wird aus dem Hessen-Slam irgendwann einmal ein deutschlandweites Event. Einen Termin im „hessischen Wurmfortsatz“  Göttingen gibt es bereits. Es würde niemanden ernsthaft verwundern. Döring hat einen guten Namen in der Szene, seine Veranstaltungen laufen. Mit gerade mal 28 Jahren ist er bereits ein alter Hase im Geschäft.

Vermutlich sind die Eltern Schuld. Döring Senior ist der renommierte Autor Kurt Drawert. Döring Junior kommt zwei Wochen vor Mauerfall in Leipzig zur Welt und bezeichnet sich gerne als der letzte lebende DDR-Schriftsteller. Seine Mutter ist Fotografin, Döring Junior muss von Kindesbeinen an als Model dienen. Kein Wunder also, dass er Performer und Autor wird.
Die Familie reist mit dem Vater von Stadt zu Stadt, von Literaturstipendium zu Stipendium, unter anderem an der Villa Massimo in Rom.

In Darmstadt wird sie heimisch. Döring Junior schreibt und tritt auf, aber bald wird dem jungen Lyriker bewusst, dass er nicht nur gerne als Künstler auf der Bühne steht. Er hat auch große Freude daran, als Veranstalter aufzutreten. „Es ist toll, wenn Konzepte aufgehen“, sagt er. Döring organisiert eine Lesebühne, Poetry-Slams, daraus entwickelt er – als einer der ersten – einen Song-Slam. „Wir hatten immer Singer-Songwriter beim Poetry-Slam als Feature für zwischendurch.“

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