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Social Cooking In fremden Küchen

Beim Social Cooking treffen sich Menschen, die sich vorher nicht kannten, in der Küche eines anderen. Mehr als ums Essen geht es dabei aber ums Kennenlernen und Kommunizieren. Auch in Frankfurt treffen sich Leute zum gemeinsamen Kochen.

Wenn wie bei Cookasa sechs Leute gleichzeitig kochen, wird viel Platz benötigt. Foto: Martin Weis

Beim Social Cooking treffen sich Menschen, die sich vorher nicht kannten, in der Küche eines anderen. Mehr als ums Essen geht es dabei aber ums Kennenlernen und Kommunizieren. Auch in Frankfurt treffen sich Leute zum gemeinsamen Kochen.

Konstantin hackt Zwiebeln, Eileen wickelt Schinkenspeck um den Fetakäse und zwei Mädels suchen eine Steckdose. Eine freie gibt es nur noch an der Wand. Also hält eine die Schüssel mit dem, was einmal die Füllung fürs Tiramisu werden soll, während die andere den Handmixer bedient. „Wo ist der Kochlöffel?“, ruft es aus einer Ecke. „Michaela, hast du noch ein Messer? Und ein Schneidebrett?“

Michaela weiß gar nicht so recht, wohin. Überall fragt einer was, „nein, die andere Schublade“. Sieben Gäste hat sie heute in ihrer Wohnung in Frankfurt-Höchst empfangen, die meisten davon kennt sie nicht, die zwei, die sie kennt, nur aus Zufall. Zum Kochen sind sie verabredet, allesamt haben sie sich über die Website Cookasa angemeldet, um mit Fremden zusammen zu kochen.

In Zweierteams haben sie Rezepte ausgesucht, waren zusammen einkaufen und nun machen sie sich dran, entweder Vorspeise, Hauptgericht oder Dessert zu bereiten. Eigentlich soll alles nacheinander zubereitet werden, doch die Köche haben allesamt gesagt, ihre Speisen würden lange dauern, daher stehen nun sechs Leute nebeneinander an der Küchentheke und schnippeln und werkeln.

Eileen und ihre Freundin präsentieren als erstes ihr Gericht: Fetakäse im Speckmantel auf Rucola, dazu Avokado mit Tomatenfüllung. Konstantin kümmert sich derweil darum, dass die Zucchini klein geschnitten werden. Er hat sich nach einem ersten Probekochen mit seinem Teampartner dafür entschieden, Kichererbsensuppe, Süßkartoffeln und Paprikawurst darzubieten. Damit auch alle alles essen können, kann man bei der Anmeldung angeben, welche Lebensmittel man nicht verträgt.

Noch ist alles kostenlos

Darijosch ist dafür verantwortlich, dass alles seine Wege geht in der fremden Küche. Er hat etwa ausgerechnet, wie viel jeder bezahlen muss: 4,50 Euro sind es für das Drei-Gänge-Menü, die Vorspeise war am teuersten. Chefkoch nennt sich seine Position, obwohl er gar nicht am Herd steht.

Auf die Idee mit Cookasa kamen André Wollin und Kersten Scholz 2011. Sie überlegten, was man alles teilen könnte, und kamen auf die Küche. Auf Facebook machten sie ihre Idee bekannt, im Februar 2012 wurde zum ersten Mal gekocht in Wollins Wohnung in Hamburg. „Als wir 100 Fans bei Facebook hatten, wussten wir, dass man mehr daraus machen kann.“ Im vergangenen Oktober ging die Website online, inzwischen gibt es Cookasa in mehr als zehn Städten, seit Januar auch in Frankfurt. In diesem Jahr wollen sie auch Kochtreffs in Amsterdam und Wien starten.

Noch ist alles kostenlos, das Portal ist für Wollin und Scholz sowie deren Partner Elena Abad und Sven Reher ein Hobby, „das wir gerne zum Beruf machen würden“. Dafür suchen die vier nun Sponsoren, damit die Teilnahme kostenlos bleibt. Aber, sagt Wollin, sie wollten auch beweisen, dass man auch ohne Geld etwas groß machen kann. Hilfe erhalten sie von Teilnehmern, sie wollen etwa die Website übersetzen.

„Im Studium lernt man viele Leute kennen“, sagt André Wollin, „im Job nicht mehr.“ Im Social Cooking sieht er eine gute Möglichkeit, neue Leute zu treffen. „Ich habe dadurch viele Bekanntschaften gemacht und wünsche mir das auch für die Teilnehmer.“

Nach gut anderthalb Stunden ist in Höchst die Vorspeise fertig, der Tisch ist allerdings zugestellt. Nebst Wein- und Cola-Gläsern sowie Bierflaschen haben die Hobbyköche hier einiges abgelegt. Michaela räumt ab, dann steht der erste Gang. „Am Anfang war es Chaos hoch zehn und für mich auch stressig, weil jeder was suchte, aber als wir erst einmal saßen, war alles fertig und es war sehr entspannt“, sagt die Gastgeberin nach dem Menü.

„Alles hat geschmeckt“, sagt Konstantin. Bis halb zwölf saßen sie beieinander. Dass daraus Freundschaften werden, glauben aber weder Konstantin, der einfach einen lockeren Abend verbringen wollte, noch Michaela. „Das ist so ein wenig die Neu-Frankfurter Mentalität, es geht eher ums Beschäftigtsein als um Freundschaft“, sagt Michaela, „da ist es schwierig, Kontakt zu halten.“

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