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„Sex Money & Respect“ Harte Worte = harte Jungs?

Oder ist Rap mehr als Pose und Provokation? Das Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm veranstaltet am Wochenende eine Hip-Hop-Konferenz, Motto: „Sex Money & Respect“.

Klug und krass: Die Rapperin Sookee aus – na klar, Berlin. Dass sie Gender Studies studiert hat, macht ihre Texte umso gewichtiger. Foto: Eylul Aslan

Über Hip-Hop reden? Muss das sein? Geht doch eh immer nur um Sex, Drogen und dicke Autos. Oder Ärger mit der Polizei. Oder sind das alles bloß Klischees? Verhandeln nicht die Protagonisten des Hip-Hop – sei es nun bewusst oder unbewusst – in ihrer Musik die zentralen gesellschaftlichen Themen? Sexismus, Gentrifizierung, Gewalt, und zwar ungeschönt?

Einige dieser Fragen haben sich auch Murat Güngör und Markus Gardian gestellt, als sie das Konzept der ersten Hip-Hop-Konferenz ausgearbeitet haben, die nun von 8. bis 10. Dezember im Frankfurter Mousonturm veranstaltet wird. „Hip-Hop ist die dominierende Jugendkultur und ein Genre, in dem sich derzeit am meisten bewegt“, erklärt Markus Gardian. 

Denn wer mit Rap oder Hip-Hop immer noch nur die bösen Jungs mit dicken Wummen und hüpfenden Autos verbindet, hat wohl noch nichts von Ufo361, Rin oder Ski Mask gehört. Letzterer nennt sich auch „The Slump God“, also: Einbrecher-Gott, trägt aber auf manchen Fotos schicke Handtäschchen und hat die Nägel schön. „Er ist aber auch ein harter Kerl“, sagt Gardian. Und so steht Ski Mask für einen Wandel, der sich im Hip-Hop anbahne und den Murat Güngör als „das Aufbrechen des bisher gültigen Männerbildes im Rap“ bezeichnet. 

Die Szene sei zwar immer noch männlich dominiert und konserviere eine Männlichkeit, die stets hetero, archaisch und wertkonservativ sei. Aber Figuren wie Ski Mask oder der Berliner Rapper Romano „brechen dieses Bild von Männlichkeit auf“, sagt Gungör.

Und dann geht es auch um Herkunft. So haben die derzeit in Deutschland erfolgreichen Rapper überwiegend eine Migrationsgeschichte. Das wird auch zur Sprache kommen, wenn Murat Güngör am Freitag (8.) ab 20 Uhr sich mit Hannes Loh dem Thema „Vom Gastarbeiter zum Gangsta-Rapper“ widmet. 

Gardian und Güngör geht es vor allem um eines: „Wir wollen den Rap wieder in die Debattenkultur führen.“ Der Zusatz Konferenz sei bewusst auch ein bisschen ironisierend gewählt, sagt Gardian. Es gehe um das Spiel mit der Mehrdeutigkeit, vor allem beim doch ziemlich reißerischen Titel „Sex Money & Respect“.

So beziehe sich Sex zunächst auf die Vorstellung des (rappenden) Mannes, die Frau sei stets gefügig – und verweist zugleich auf die immer wieder aufflammende Sexismus-Debatte.

Money habe laut Güngör nicht nur die existenzielle Bedeutung, „sondern steht auch für was Neoliberales, für Gewinn-Maximierung, Rap ist ja auch in einer Konsumhaltung gefangen“. Und schließlich sei das Einfordern von Respekt nicht bloß eine aggressive Haltung, „es geht da auch um den Wunsch nach Anerkennung in der Gesellschaft“. Was ja zugleich Kritik ist an einer Wohlstands-Gesellschaft, die zu viele Menschen durchs Raster fallen lässt. Und: Was ist eigentlich mit den Frauen im Hip-Hop?

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