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Schauspiel Frankfurt Schauspiel eröffnet mit O’Neill Theatersaison

„Der haarige Affe“ von Eugene O’Neill eröffnet die neue Saison am Schauspiel Frankfurt. Regisseur Thomas Dannemann spricht im FR-Interview darüber, warum das fast 100 Jahre alte Werk heute aktueller ist denn je.

Regisseur von "Der haarige Affe"
War vor seiner Theaterkarriere Raketentechniker und Marinesoldat: Regisseur Thomas Dannemann. Foto: Rolf Oeser

Herr Dannemann, 2005 sagten Sie in einem Interview, dass Schauspielern nicht unbedingt „geisterweiternd“ sei. 
Als Regisseur ist man natürlich in eine völlig andere Verantwortlichkeit gestellt und beschäftigt sich qua Job viel eingehender mit den Themen. Als Schauspieler musst du natürlich auch arbeiten, und es macht Spaß, an der Thematik teilzunehmen. Die Überlegungen zur Bühne, den Fassungen, auf welche Weise man das Stück erzählen möchte – das ist viel fordernder. Das hatte ich damals gemeint.

Das Motto dieser Spielzeit lautet „Umbrüche“.
Das Stück passt genau da rein. „Der haarige Affe“ beschreibt eine Zeitwende, wo die Hauptfigur Yank sich zunächst eins mit dem Kosmos fühlt und das Gefühl hat, eine sinnvolle Existenz zu gestalten. Im Verlauf des Stückes verliert er diesen Resonanzraum und erlebt an sich selber eine Antiquiertheit , die er sich früher nie hätte vorstellen können. Ein bisschen wie ein Gott, der vom Sockel gestoßen wurde und plötzlich zum Fußvolk gehört. Das passiert bei gegenwärtigen Zeitenwechseln, die ja immer schneller aufeinander folgen, wirklich. Seien es politische oder technische Umbrüche. Wenn wir jetzt die Digitalisierung nehmen, Digital Natives, die ausgerufen werden als eine neue Spezies. Das schließt ja andere aus, die eben nicht dazugehören. Dieses Erleben soll eingefangen werden.

Wie viel Kapitalismuskritik steckt in Ihrer Inszenierung?
Es steckt zumindest eine Kritik drin, dass Leute abgehängt werden und andere eher zur Elite einer Gesellschaft gehören. Dass da die Berührungspunkte nicht allzu groß sind. Wirklich ein komplexes Thema. Ich würde sagen, das Stück berührt das. Wir wollten es zwischendurch komplexer machen. Das ist aber so schwer mit dem Stoff, außer, man zerschießt ihn total. Vielleicht stellen sich ausreichend Fragen aus dem Niedergang dieser Hauptfigur, wo man dann Assoziationen dazu hat. Das muss der Zuschauer in unserem Falle eher selber leisten. Das ist so eine Schwierigkeit von Theater, dass man in drei Stunden mit Theatertexten der Sache gar nicht Herr wird. Clemens Meyer hat das Stück übersetzt und geht es durchaus auf seine Weise an. Durch die Verwirrung der Figuren, die nicht mehr wissen, wo ein verlässlicher Bezugspunkt ist. Meyer beschreibt dann eher das Chaos in den Köpfen. 

Auf dem Online-Portal „Nachtkritik“ heißt es zu Ihrer Inszenierung von „Eines langen Tages Reise in die Nacht“, ebenfalls von O’Neill: „Dannemann hält sich bewusst zurück mit Verweisen auf die Gegenwart, er vertraut dem Verstand seiner Zuschauer, auf dass die ihre eigenen Schlüsse ziehen mögen.“
Ich habe keine Blaupause, die ich immer auf jedes Stück übertrage. Das war eine Reaktion damals auf das Stück in München. „Eines langen Tages Reise“ ist wirklich ein großartiges psychologisches Stück, wo ich damals dachte, dem muss man nichts hinzufügen. Beim „Haarigen Affen“ verstehe ich, dass das Theater nach einem moderneren Ton gefragt hat, zumal das Stück stilistisch auf den Expressionismus hinwill und eher mit Symbolen arbeitet.

War O’Neill mit dem „Haarigen Affen“ vor 100 Jahren prophetisch?
Ja klar. Klar, wir sind jetzt in der postindustriellen, aber ja trotzdem in einer kapitalistischen Gesellschaft, insofern stimmen grob grundsätzlich die Bezüge. Dann ist die Arbeiterschaft aufgelöst worden. Es gab Hilferufe, eine drohende Riesenarbeitslosigkeit. Dann machte sich aber doch das Dienstleistungsgewerbe auf, wo die Leute unterkamen. Jetzt, mit dieser zunehmenden Robotik, wird dasselbe passieren, weil alles viel effizienter arbeitet. Im Journalismus gibt es ja auch schon Algorithmen.

Etwa bei Sporttickern mit vorgeschriebenen Phrasen.
Genau. Das lässt sich nicht zurückdrehen, da bin ich mir ganz sicher. Wie man sich dazu affirmativ verhält, habe ich keine Ahnung und ich glaube, das ist so die Tragödie. Man hat sich verhaftet, man gehört zu gewissen Umständen – und plötzlich löst sich das, was man als eigene Wirklichkeit konstituiert hat, auf. Und entweder man schwimmt mit oder man gerät immer weiter nach hinten.

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