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Rheingau-Literatur-Festival Hochkarätige Literaten kommen in den Rheingau

Das Rheingau-Literatur-Festival holt hochkarätige Literaten in die liebliche Landschaft. Einige Lesungen kombinieren sogar Wein und Lesungen.

Rheingau-Literatur-Festival
Preisträger Robert Seethaler springt kurzfristig für den schwer gestürzten Alfred Grosser ein. Foto: Urbau Zintel

Mit der Einladung an den 93-jährigen weltberühmten Publizisten und Politikwissenschaftler Alfred Grosser war dem diesjährigen Rheingau-Literatur-Festival eine kleine Sensation gelungen. Grosser wollte dort am 22. September sein jüngstes Werk „Le Mensch“ vorstellen. Die Diskussion war längst ausverkauft. 

Der in Frankfurt am Main geborene Grosser erhebt seit Jahrzehnten „die Stimme der Aufklärung“, wie es der künstlerische Leiter des Festivals, Heiner Boehncke, im Gespräch mit der FR sagte. Grossers Vater war Sozialdemokrat und Direktor einer Kinderklinik in Frankfurt, bis er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 mit der Familie nach Frankreich emigrierte. Schon früh nach dem Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft 1945 hatte Grosser begonnen, sich für die Aussöhnung Frankreichs und Deutschlands einzusetzen. 

„Es ist ihm gelungen, sein Schicksal positiv zu verarbeiten“, urteilt Boehncke. „Le Mensch“ ist ein entschiedenes Plädoyer des bekennenden Europäers Grosser dafür, den Anderen in seiner Andersartigkeit anzuerkennen. Das Individuum dürfe sich nicht von außen identifizieren lassen, „durch den Finger, der auf einen zeigt“. 

Doch nun ist der hoch betagte Autor gestürzt und hat sich dabei schwer verletzt, wie Boehncke am Dienstag mitteilen musste. „Er hatte schon die Fahrkarte, aber Reisen ist im Moment ganz unmöglich.“ 

Einen Ersatz für die hochkarätige Veranstaltung zu finden, war so kurzfristig schwierig. Nun ist es Boehncke gelungen, für den 22. September einen Ersatz in der Kelterhalle des Rheingau-Musikfestivals in Oestrich (20 Uhr), zu finden: Robert Seethaler, Träger des diesjährigen Rheingau-Literaturpreises, springt ein. Seine Lesung am 23. September war ebenfalls schon ausverkauft; nun gibt es doch noch Karten für den 22. 

Seit vielen Wochen besetzt der österreichische Schriftsteller mit seinem Roman „Das Feld“ den ersten Platz der „Spiegel“-Bestsellerliste. Mit dem Rheingau-Literaturpreis erhält der Wiener neben 11 111 Euro auch 111 Flaschen besten Rieslingweins. Hier engagiert sich das Land Hessen, das die Hälfte des Preises finanziert. 

Seethalers Lesungen sind nur zwei Höhepunkte des Lesefestes in den Weinbergen des Rheingaus, das der 74-jährige Literaturwissenschaftler Boehncke zum 17. Mal organisiert hat. Seethaler sei „ein bedächtiger, ruhiger Typ, der nichts hat von der Nervosität des Literaturbetriebes“, sagt Boehncke. Sein neues Buch „Das Feld“ spielt auf einem Friedhof, und die Begrabenen blicken in kleinen Kapiteln auf ihr Leben zurück. 

Viele hatten lange auf das Werk eines anderen Schriftstellers gewartet. Denn der 71-jährige Autor Gert Loschütz hatte seit 2006 keinen Roman mehr veröffentlicht. Jetzt liegt „Ein schönes Paar“ vor. Tatsächlich aber scheitert die Liebe dieser beiden Menschen, nachdem sie aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen sind. Die Liebe scheitert an der Liebe. Loschütz stellt sein Buch am 20. September auf dem Draiser Hof vor, dem Weingut Baron Knyphausen, in Eltville-Erbach (20 Uhr). 

Zwei Schriftstellerinnen dürfen Sie im Rheingau auf keinen Fall verpassen. Zum einen Anna Katharina Hahn, die seit ihrem Debüt-Roman „Kürzere Tage“ (2009), einer Studie des Stuttgarter Bürgertums, zu den wichtigen deutschsprachigen Autorinnen zählt. Ihr Buch „Das Kleid meiner Mutter“ führt in das Madrid der Wirtschaftskrise 2012, in der die Tochter sich plötzlich mit dem Tod ihrer Eltern konfrontriert sieht. Hahn kommt am 16. September in die Schlosshalle von Schloss Vollrads bei Oestrich-Winkel, versprochen wird eine „Schlenderweinprobe“ mit Lesung (11 Uhr). 

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