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Rauchen Kippen zu Bastelstäben

Unser Autor raucht in seiner Freizeit seit drei Jahrzehnten. Was weder gesund noch sinnvoll ist. Aber es gibt eine Alternative.

In Kneipen sind Raucher immer seltener zu sehen. Foto: dpa

Jetzt könnte an dieser Stelle natürlich ein Text darüber stehen, was für eine feine Sache das Zigarettenrachen ist. Was für ein sinnlicher Genuss das sei, der auch noch dem Zeitgeist trotze. Das ist natürlich Quatsch. Rauchen macht auf kurze Sicht arm und auf lange Sicht tot. Das war’s auch schon. Das schreibt einer, der seit mehr als drei Jahrzehnten raucht. Nicht, weil er will. Sondern weil er’s nicht lassen kann. Experten sprechen deshalb wohl von Sucht.

Wer in den 70er-Jahren aufgewachsen ist, der erinnert sich vermutlich an das Bastelmaterial Stabifix der Firma Ravensburger. Das waren weiße Kunststoffröllchen, die exakt Zigarettenform und -größe hatten und mit denen man prima Gebäude basteln konnte. Und die nachher abfackeln – denn Stabifix brannte ganz gut. Jedenfalls besser als die heutigen EU-Zigaretten.

Das war wohl auch der Grund, weshalb wir – gerade mal der Grundschule entwachsen – irgendwann damit anfingen, Stabifix-Stäbchen zu rauchen. Weil wir das cool fanden. Und glaubten, dass Stabifix nicht so schädlich wie Tabak wäre. Was natürlich Quatsch war. Aber Chemie stand ja erst ab der siebten Klasse auf dem Lehrplan.

"In den 80ern rauchten eigentlich alle"

Direkt neben die Absätze unserer Schuhe, da, wo die Sohle die Erde nicht berührt, klebten wir uns damals die Reibefläche von Streichholzpackungen, die damals noch „welthölzer“ hießen und ein ziemlich stylishes Logo hatten. Das taten wir, damit wir uns unsere Stabifix mit einem an der Schuhsohle brennend gemachten Streichholz anzünden konnten. So wie die tollen Kerle in den Filmen, die wir damals eigentlich nicht sehen durften. Aber eigentlich durften wir damals auch kein Stabifix rauchen. Und anderes auch nicht. Später entdeckten wir dann, dass man auch anderes rauchen konnte. Erlaubtes und Unerlaubtes. Damals, in den 80ern, rauchten eigentlich alle. Immer. Das ist bis heute so geblieben. Beim letzten Abi-Treffen, vor ein paar Monaten, ging wesentlich mehr Selters als Bier über den Tresen. Nach dem zweiten Herzkasper ist man halt schon ein bisschen vorsichtiger geworden. Aber die Luft, die hätte man mit einem Käsemesser schneiden können.

Um es mal klar zu sagen: Keiner von uns raucht gerne. Auch wenn manche das behaupten. Es ist halt nur so, dass wir damals in was reingerutscht sind, was gerade schwer angesagt war. Wäre das damals Schnupf- oder Kautabak gewesen, würden wir irgendwann vermutlich an Zungen- oder Nasenkrebs sterben.

Rauchen macht Krebs

So wird’s halt die Lunge sein, unsere ewige Achillesferse. Rauchen macht Hustenreiz. Rauchen macht, dass die Klamotten stinken. Rauchen macht Krebs. Rauchen ist in Zeiten, wo man ständig wegen seines Lasters vor die Tür geschickt wird, mit der Ehre eines Gentleman oder einer Lady unvereinbar. Selbst ein herrlicher hanseatischer Patrizier wie Helmut Schmidt wird, wenn’s ums Rauchen geht, zur altersstarrsinnigen Nervensäge.

Neulich führte ich ein ernsthaftes Gespräch mit einem frischgebackenen Abiturienten. Eigentlich ein vernünftiger junger Mann, der Archäologie studieren will, weil ihm dieses Berufsbild durch die Indiana-Jones-Filme recht attraktiv erscheint.

Der junge Mann ist gerade mal 18. Zwei Dinge findet er richtig uncool: Rauchen und Autofahren. Also dass, was uns, als wir in seinem Alter waren, als das Zweit- und Drittwichtigste auf der Welt erschien. Der junge Mann trug Ohrringe, die seine Ohrläppchen ins Monströse dehnten und irgendwann mal ein Riesenloch hinterlassen werden. Allerdings im Ohr, nicht in der Lunge. Eigentlich drehte sich das Gespräch darum, was der junge Mann sich denn bitte auf die Schulter tätowieren lassen solle. „Teer zehn Milligramm, Nikotin 0,8 Milligramm, Kohlenmonoxid zehn Milligramm“, schlug ich vor. Das habe nicht jeder. Der junge Mann wusste nicht mal, wovon ich rede.

Irgendwann in naher Zukunft werden wir Raucher aussterben. Von den Dinosauriern unterscheiden uns zwei Sachen. Erstens: Wir sind selbst dran schuld. Zweitens: Um uns ist es nicht wirklich schade.

Bis dahin könnten wir ja immerhin versuchen, unserer Sucht noch etwas Erfreuliches, Sinnvolles abzugewinnen. Wir könnten beispielsweise mit den Zigaretten kleine Gebäude basteln. Und die danach abfackeln. Auch wenn die neuen EU-Zigaretten nur noch so gut brennen wie „Energiesparlampen“ leuchten. Denn eigentlich müsste das Stabifix-System doch auch andersrum funktionieren: Statt Bastelstäbchen zu rauchen, kann man mit Zigaretten prima basteln. Und ist auch nicht mehr auf Kastanien angewiesen.

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