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Puhdys und Co Ostrock-Legenden treten in Frankfurt auf

Sie gehörten zu den großen Bands der DDR: City, Karat und die Puhdys. Als Rock-Legenden touren ihre Musiker nun durch Deutschland. Dazu ein Interview mit dem früheren Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr.

Rock-Legenden aus dem Osten
Dieter „Maschine“ Birr, früher Sänger, Gitarrist und Komponist der Puhdys, heute solo unterwegs. Foto: Ben Wolf

Hallo, wie darf ich Sie denn ansprechen? Herr Birr? Dieter? Oder Maschine?
Gern Maschine. So hieß ich bei den Puhdys, und als Maschine trete ich ja heute noch auf.

Stimmt es, dass Sie Ihrem Kollegen Peter Meyer den Namen verdanken, weil er mal gesagt hat, Sie seien eine „Fressmaschine“?
Wenn wir früher mit der Band unterwegs waren, sind wir oft Essen gegangen. Und dann hab’ ich meistens die doppelte Portion verdrückt, am liebsten Steak mit Pommes Frites.

Der Name hat also gar nichts mit Musik zu tun?
Der hatte erst mal nichts mit Musik zu tun. Aber ich bin sehr froh, dass aus der „Fressmaschine“ nur „Maschine“ geworden ist. Die Fans haben das sofort angenommen und sicher auch auf meine Energie auf der Bühne bezogen.

Seit mehr als 50 Jahren machen Sie als Maschine Musik, allein für die Puhdys haben Sie fast 250 Songs geschrieben. Mögen Sie den Begriff „Ostrock“?
Ich hab damit kein Problem. Früher, als die Grenzen noch zu waren, war Ostrock einfach eine Bezeichnung. Da wusste jeder sofort, wo die Musik herkam. Speziell im Westen war das vielleicht auch negativ besetzt, weil vieles, was aus dem Osten kam, qualitativ nicht so hoch eingeschätzt wurde.

Ostrock hat ein Revival erlebt, wie viele andere Dinge aus der DDR. Dazu wurde noch ein hübscher Begriff kreiert: Ostalgie.
Es gibt einfach viele Leute, die sich gern an diese Zeit erinnern, die sich auch wohlgefühlt haben im Osten. Ich denk mir oft: Wenn die Menschen hätten hinfahren können, wohin sie wollten, alles zu kaufen gekriegt hätten und ihre Meinung hätten sagen dürfen, dann wär das Leben in der DDR gar nicht so übel gewesen. Und gerade Leute, denen es heute nicht so gut geht, schwelgen gerne in Erinnerungen. Daraus ist der Begriff Ostalgie entstanden. Ich persönlich benutze den nicht, aber ich seh’ das auch nicht so ernst und verbissen. Ostalgie ist ein Marketing-Begriff und mehr nicht.


Ein gängiges Spottwort lautet: „Ostrock hören ist irgendwie, wie sich seine Eltern beim Sex vorzustellen.“
(Lacht) Oh, das ist lustig. Den Spruch kannte ich in dem Zusammenhang noch gar nicht. Aber klar: Ostrock hat heute natürlich etwas Biederes und Altbackenes. Aber wir haben auf jeden Fall kein Problem damit, uns auch ein bisschen selbst zu verarschen. In dem Puhdys-Song „Stars“ von 2001 heißt es unter anderem: „Arbeiter- und Bauernstaat – City, Puhdys und Karat. Überbleibsel der Antike – sozialistische Musike.“ Und wir waren ja auch keine Sexsymbole wie etwa die Rolling Stones.

Abgesehen von der Herkunft: Was unterscheidet Rock aus dem Osten denn von Rock aus dem Westen?
Wenn du in der DDR Berufsmusiker werden wolltest, musstest du eine Ausbildung machen, das heißt, du musstest Musik studieren und hast dann einen Berufsausweis gekriegt. Insofern waren die Musiker im Osten vielleicht etwas besser ausgebildet. Das ist aber für meine Begriffe absolut unwichtig. Was zählt, sind Talent und die Emotionen, die ein Musiker rüberbringt. DDR-Musiker hatten vielleicht mehr theoretisches Wissen über Harmonien, über Kompositionen, Stücke und so. Oft haben sie auch versucht, die Musik neu zu erfinden. Teilweise haben sie es dann etwas kompliziert gemacht, anstatt geradeaus die Musik rauszurotzen. Wie es die jungen Punkbands machen, denen ist es scheißegal, ob ihre Songs nun zehn Harmonien haben oder bloß zwei.

Denen kann es aber auch egal sein, was die Obrigkeit von ihren Texten hält.
Das kam natürlich noch dazu: Man musste in der DDR aufpassen mit den Texten. Man konnte keine kritischen Texte schreiben, also keine politisch kritischen Texte. Kritik wurde verschlüsselt, es entstanden teils sehr philosophische Texte, eine sehr schöne Poesie.

In vielen Texten von Ostbands wird vom Fliegen gesungen. Oder von Vögeln.
Fliegen war natürlich ein Synonym für Freiheit. Jede Band hatte solche Metaphern, wir ja auch. In „Ikarus“ zum Beispiel: „Fliege, Ikarus, fliege uns voraus.“ Gegen „Fliegen“ konnte ja niemand was sagen. Gegen „Abhauen“ schon.

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