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Postkarten-Sammler 1000 historische Ansichten Frankfurts

Seit 70 Jahren sammelt Hans Gerhard Moxter?Postkarten, die das alte Frankfurt zeigen:?Das inzwischen aus dem Stadtbild verschwundene Schumann-Theater am Hauptbahnhof, die Luftfahrtausstellung 1909, das Waldstadion - mehr als 1000 Motive hat er nun dem Institut?für Stadtgeschichte vermacht.

19.06.2012 20:30
Von Franziska Schubert?
Blick auf die Goethestraße Richtung Alte Oper. Foto: Monika Müller

Seit 70 Jahren sammelt Hans Gerhard Moxter?Postkarten, die das alte Frankfurt zeigen:?Das inzwischen aus dem Stadtbild verschwundene Schumann-Theater am Hauptbahnhof, die Luftfahrtausstellung 1909, das Waldstadion - mehr als 1000 Motive hat er nun dem Institut?für Stadtgeschichte vermacht.

Wie so viele leidenschaftliche Sammler hat Hans Gerhard Moxter klein angefangen. Mit einer einzigen Postkarte, die dem 85-Jährigen bis heute lieb und teuer ist. Sein Vater schickte sie im Oktober 1912 nach Frankfurt an seinen Großvater Heinrich. Das ist jetzt hundert Jahre her.
Das Haus der Großeltern in der Mühlgasse 28 gibt es nicht mehr, aber dafür das Erinnerungsstück, von dem sich der gebürtige Frankfurter nicht trennen mag. Den größten Teil seiner Sammlung jedoch – mehr als 1000 Postkarten mit Frankfurt-Motiven – hat Moxter dem Institut für Stadtgeschichte geschenkt.

70 Jahre lang hat der Sammler sein Hobby gepflegt, mit 15 Jahren trat er in den Verein für Briefmarkenkunde 1878 Frankfurt ein, wo er bis heute Mitglied ist. Seither hat er unzählige Stunden damit verbracht, Kataloge von Händlern nach seltenen und sehenswerten Ansichtskarten von Frankfurt zu durchstöbern. „Was sich nicht wehrt, wird gesammelt“, scherzt er.

Heimatliebe und Neugierde

Die Briefmarken auf den Karten interessierten ihn natürlich auch und außer Frankfurt reizen ihn noch weitere Gebiete: Mecklenburg (von dort stammte seine Mutter), Mexiko (dort leben seine Kinder) und Paraguay (Geburtsort seiner Schwiegertochter). „Ich habe fleißig gesammelt“, sagt Moxter, das sei nun mal sein Naturell. „Er findet immer was“, bestätigt seine Frau Inge. „Wenn ein neuer Katalog kommt, schaut er ihn auch heute noch ganz aufmerksam durch.“ Die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt gepaart mit Neugier hat Hans Gerhard Moxter all die Jahre angetrieben weiterzumachen, sogar als er 1958 von den Farbwerken Höchst für zwölf Jahre nach Mexiko-Stadt versetzt wurde. 1926 geboren, kennt Moxter das alte Frankfurt noch aus Kinder- und Jugendtagen. Die Postkarten sind sein Versuch, möglichst viel von der Geschichte festzuhalten und „zu dokumentieren, was verloren gegangen ist“.

Das unterstreicht auch die Leiterin des Instituts für Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, bei der Übergabe der Sammlung. „Obwohl unser Bestand bereits 25000 Karten und mehr als zwei Millionen Fotografien zählt, sind bei der größten Einzelsammlung, die wir bislang erhalten haben, eine Menge überraschender Raritäten dabei.“ Freilich haben die Fachleute in so kurzer Zeit noch längst nicht alle 17 Alben sichten können, doch einige Schätze hat Sachbearbeiter Klaus Rheinfurth bereits entdeckt. Eine Karte zeigt beispielsweise die Empore im Bürgersaal des Rathauses. „Der Römer ist zwar schon vielfach von innen fotografiert worden, aber dieses Detail war mir bisher nicht bekannt.“ Seltenheitswert besitzt auch eine Ansichtspostkarte vom April 1919, auf der französische Besatzungstruppen in Höchst zu sehen sind. „Die Aufnahme stammt wohl von einem Privatmann, der heimlich hinter der Gardine fotografiert hat“, vermutet Moxter – solche Details faszinieren den erfahrenen Sammler.

Fundus für Ausstellungen

„Das Besondere an dieser thematischen Kollektion ist, dass Dom, Altstadt und Paulskirche über Jahrzehnte aus immer gleichen Blickwinkeln zu sehen sind“, betont die Institutsleiterin, „daran kann man wunderbar ablesen, was sich verändert hat.“ Doch damit nicht genug: Moxters Sammelwut galt auch Vororten, Restaurants, Ausflugszielen, Turn- und Sängerfesten oder einer Fleischer-Fachausstellung 1949. All dies wird künftig ein Fundus für Wissenschaftler oder Ausstellungsmacher sein. Als die Direktorin dem Spender am Montag dankt, spart sich Hans Gerhard Moxter große Worte, sein nüchterner Kommentar: „Bedenken Sie, dass es sich um brennbares Material handelt.“ Da kann ihn Evelyn Brockhoff beruhigen. Der Brandschutz sei auf dem neuesten Stand und in vier Minuten sei die Feuerwehr da.

Mehr zum alten Frankfurt im Stadtgeschichte-Blog: www.frankfurt.frblog.de/

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