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Palmenexpress Volldampf voraus für die Kleinen

Durch den Frankfurter Palmengarten rollt jetzt der neue Palmen-Express. Vor allem die Kleinen freut die Fahrt auf der Bimmelbahn. Aber auch Erwachsene haben ihren Spaß am nostalgischen Eisenbahnerlebnis.

03.04.2012 22:43
Lukas Gedziorowski und Stephan Loichinger
Mit dem Grünen durch das Grün: der neue Palmenexpress. Foto: Alex Kraus

Durch den Frankfurter Palmengarten rollt jetzt der neue Palmen-Express. Vor allem die Kleinen freut die Fahrt auf der Bimmelbahn. Aber auch Erwachsene haben ihren Spaß am nostalgischen Eisenbahnerlebnis.

Der kleine Franz aus dem Frankfurter Westend ist ein leidenschaftlicher Zugfahrer. Er liebt Maschinen aller Art, seit er eineinhalb Jahre alt ist, am meisten aber „die Bimmelbahn“ im Palmengarten, wie er sie nennt. Wie oft Franz, inzwischen dreieinhalb, in den vergangenen zwei Jahren Bimmelbahn fuhr, wissen wohl nicht einmal seine Eltern, die praktischerweise in unmittelbarer Nachbarschaft zum Palmengarten wohnen.

Es ist ein geradezu heiliger Ernst, mit dem Franz noch immer die Bimmelbahn besteigt, die quer durch den schönsten botanischen Garten in der Region fährt. Der Reiz der nur wenige Minuten währenden Fahrt ist für Erwachsene überschaubar, aber für Kinder wie Franz muss dabei etwas Magisches mitschwingen: Man bewegt sich, ohne im drögen Kinderwagen zu sitzen; der Fahrtwind kitzelt in der kleinen Nase, aber nicht so stark, dass er unangenehm in die Augen zieht; wenn man die Hand nur ein wenig über die Bordwand hinaus streckt, kann man sie durch Blätter und Sträucher gleiten lassen.

Vom Theater durch den Rhododendron

Seit 40 Jahren ist der Palmen-Express für Kinder die Hauptattraktion im Palmengarten. 40 Jahre lang tat ein kleiner Elektrozug seinen Dienst, der aussah wie eine dunkelgrüne Dampflok mit fünf Waggons in Rot, Gelb, Blau und Grün. Die Fahrt geht vom Papageno Theater durch den Rhododendrongarten vorbei an Blumenwiese und Bambus bis hin zur Spielwiese – von einen Spielplatz zum anderen. Mehr als 100000 der bis zu 800000 Besucher im Jahr nutzen den Palmen-Express – und es sind mehr Erwachsene als Kinder, berichtet Palmengarten-Direktor Matthias Jenny.

Für alle Fans folgen nun eine gute und eine schlechte Nachricht: Der alte Zug ist weg, für 10000 Euro verkauft nach Hannover. Doch es gibt einen neuen: Am Montag ging er mit ersten glücklichen Kindern auf Jungfernfahrt – ohne Franz. Seine Mutter ärgert sich, dass sie nichts von dem Termin wusste.

Das neue Modell sieht anders aus als das alte. Es ist durchgehend dunkelgrün, nicht bunt. Es gleicht keiner Dampflok, sondern einer alten Straßenbahn – nicht irgendeiner: Der Zug ist der ersten elektrischen Straßenbahn Deutschlands nachempfunden, die ab 1884 zwischen dem Mathildenplatz in Offenbach und dem Deutschherrnkai in Frankfurt fuhr. Das Original steht heute im Schwanheimer Verkehrsmuseum.

Zwei Millionen für die Nostalgie

Der Wechsel war nötig, weil die Technik des alten Palmen-Express veraltet war und wegen Umbauten am Papageno Theater eine der beiden Wendeschleifen weggefallen war. Ein Zug musste her, der an beiden Enden eine Lok hat. Zwei Millionen Euro investierte der Palmengarten, zugleich wurden die Gleise erneuert und ein neuer Kopfbahnhof gebaut. Im Sommer soll ein neuer Lokschuppen folgen.

Gebaut hat ihn die Firma SLZ Maschinenbau aus Hanau. Maschinenbauingenieur Matthias Zundel sagt: „Wir wollten uns so nah wie möglich an der alten Straßenbahn orientieren.“ Doch der Palmen-Express wurde angepasst: Der Antrieb wurde über den gesamten Zug verteilt. Jeder Wagen hat einen Motor, die alle miteinander verschaltet sind. So kann die Leistung synchronisiert werden. Das spart Energie. Außerdem fährt der Palmen-Express mit Ökostrom.

Rampe für Rollstuhlfahrer

Zundel berichtet, der Zug sei ein Prototyp. Dazu gehören Kinderkrankheiten. So konnte bei der Jungfernfahrt wegen technischer Probleme nur einer der drei Wagen fahren. In den nächsten Tagen sollen die Probleme behoben sein. Dann fährt der Palmen-Express mit vier bis sechs Wagen und fünf Stundenkilometern durchs Grün. Maximal 60 Passagiere haben darin Platz, ein Drittel mehr als zuvor. Anders als beim Vorgänger haben die Wagen Fensterscheiben, damit der Zug auch im Winter fahren kann. Trotzdem sagt Direktor Jenny: „Der Palmen-Express soll eine Freiluftbahn bleiben.“ Neu ist noch, dass zwei Waggons eine Rampe haben. Das wird Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen freuen.

Der Kinderwagen ist längst nicht mehr dabei, wenn der kleine Franz den Zug besteigt, höchstens für sein Schwesterchen Nelly. Seine Mutter sagt, er freue sich über die Maßen auf seine erste Fahrt mit dem neuen Zug. Vielleicht freuen sich auch die drei altgedienten Lokführer des Palmen-Express Ralf-Ulrich Michalski, Hendrik Schweiger und David Eckweiler auf ihn. Sie kennen den regelmäßiger Pendler Franz natürlich. Michalski wunderte sich einmal: „Der guckt immer so ernst.“ Franz hatte sich aber bloß konzentriert. Er wollte jeden Augenblick der Fahrt genießen.

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