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Occupy Frankfurt Partei der Schiffbrüchigen

In ihrem neuen Buch setzt sich die Radikalökologin Jutta Ditfurth kritisch mit der Occupy-Bewegung und den Piraten auseinander. Am 25. September liest sie auf dem Mediacampus an der Wilhelmshöher Straße daraus.

Demo gegen den Kapitalismus im März 2012; da darf Jutta nicht fehlen. Foto: Michael Schick

Als kürzlich das Frankfurter Stadtparlament tagte, war sie entschuldigt. Das geschieht bei Jutta Ditfurth gar nicht so selten. Denn die politische Journalistin nimmt sich Zeit für lange Recherchereisen durch den gesellschaftlichen Alltag. Dafür muss manchmal ihre Arbeit als Stadtverordnete der Gruppe ÖkoLinX warten.

Als Vorsteherin Bernadette Weyland (CDU) die Abwesenheit Ditfurths bekanntgab, antworteten die Stadtverordneten mit einem ironisch-langgezogenen „Oooooh“ des Bedauerns. Die frühere Bundessprecherin der Grünen ist heute so etwas wie das Enfant terrible der Frankfurter Kommunalpolitik: Noch immer kann die in wenigen Tagen 61-Jährige mit ihren Reden und kurzen Interventionen provozieren und Emotionen wecken.

Zornige der ersten Stunde

Ihr Angriffsziel hatte sie schon 1981 ins Auge gefasst, als sie zum ersten Mal ins Stadtparlament einzog – damals als zornige Grüne der ersten Generation. Und ihr jüngstes Buch trägt den Feind weiter im Untertitel: „Zeit des Zorns – warum wir uns vom Kapitalismus befreien müssen.“ Es ist eine erheblich erweiterte und überarbeitete Neuausgabe der gleichnamigen Analyse von 2009.

Die Soziologin setzt sich jetzt mit zwei Bewegungen auseinander, die seither auf der politischen Bühne erschienen sind: Der Occupy-Bewegung und der Piraten-Partei. Gerade Occupy in Deutschland findet kaum Gnade vor ihren Augen. Ditfurth schreibt:

„Es ist nichts Verwerfliches daran, wenn ein Mensch, weil er keinen Arbeitsplatz findet oder weil seine Familie ihr Erspartes durch die Spekulationen von Banken verloren hat, ein Zelt in einer Grünanlage oder auf einem öffentlichen Platz aufstellt und ein Plakat malt. Niemand wird mit linkem Bewusstsein geboren. Wenn die Schlechtigkeit der Bank und die individuelle Erwerbslosigkeit aber das Wesentliche bleibt, was jemanden an dieser Gesellschaft stört, ist das ein Problem.“

Keine Gefahr für den Kapitalismus

Ditfurths vernichtendes Urteil lautet denn auch: „Von Occupy Deutschland drohte dem Kapitalismus zu keiner Sekunde eine Gefahr.“ Die Gruppe stelle keine soziale Bewegung dar, schon gar keine linke. Die Camps in Frankfurt, Berlin und Kiel nennt sie politisch so kraftlos, dass die Städte sich polizeiliche Räumungen leisten könnten ohne dafür einen hohen politischen Preis zu zahlen. Mittlerweile ist das Frankfurter Camp geräumt.

Die Radikalökologin stellt Frankfurt als positives Gegenbeispiel Occupy Oakland in Kalifornien gegenüber. Hier habe es Aktionen und Kampagnen gegeben, die das kapitalistische System getroffen hätten: Die Besetzung des Hafens von Oakland, des fünftgrößten Containerterminals der Welt, im November 2011. Proteste gegen die Arbeitsbedingungen von Busfahrern, Widerstand gegen die Diskriminierung alleinerziehender afroamerikanischer Mütter ...

Auch an der Piratenpartei lässt die Autorin kaum ein gutes Haar. Sie werde „maßlos überschätzt“. Ditfurth prophezeit: „Die neue Partei der Schiffbrüchigen wird den Weg aller bürgerlichen Parteien gehen“. Sie sei so „transparent“, dass man ihre inhaltlich-politische Leere und den Mangel an jeglicher Subversivität leicht erkenne. Die Domestizierung der Piraten habe längst begonnen: In Frankfurt wie in Berlin.

Einzig durch „überdurchschnittliche technische Kenntnisse“ ihrer Mitglieder höben sich die Piraten von anderen politischen Parteien ab ...

Jutta Ditfurth liest, 25.9., 19 Uhr, Frankfurt, Mediacampus Piper-Lounge, Wilhelmshöher Straße 283, Eintritt frei

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