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Oberursel Spaziergang zu Orten der Stille

Im gerade erschienenen Buch „Oberursel zu Fuß“ nimmt Autorin Marion Unger die Leser mit auf Entdeckungstouren durch „das Tor zum Taunus“. Die FR stellt einen Auszug daraus vor. Die Route führt von der St. Ursula- zur Christuskirche.

Christuskirche
Blick vom Rushmoor Park zur Christuskirche. Foto: Michael Schick

Der Felssporn, auf dem sich die Kirche St. Ursula befindet, war für die Gründer des Fleckens „Ursel“ neben dem Energielieferanten Urselbach der ausschlaggebende Standortfaktor, denn die im 7. Jahrhundert noch vorhandenen Wassermassen machten das Tal zu einem sumpfigen und oft überschwemmten Gebiet. Die Keimzelle blieb erhalten, und auf dem höchsten Punkt wurden immer größere Kirchen gebaut. (...)

Der als Wachturm errichtete Kirchturm beherbergte zwar von Anfang an die Glocke, doch wohnte in 31 Meter Höhe der Wächter mit seiner Familie, um die Stadt bei Nacht rechtzeitig vor Feinden und Feuer zu warnen. 1901 gab der letzte Türmer seine Dienstwohnung auf. Um zu verhindern, dass in den 1930er Jahren die Hitlerjugend und NSDAP-Anhänger den Turm für Treffen und zur Anbringung von Propaganda nutzen konnten, verkaufte die Stadt den Turm an die katholische Kirchengemeinde.

Tipp: Der Kirchturm mit dem empfehlenswerten Museum kann von April bis Oktober an jedem ersten Samstag im Monat zwischen 15 und 17 Uhr bestiegen werden, Kinder zahlen 1 Euro, Erwachsene 1,50 Euro. Die Aussicht lohnt sich.

Das äußerlich spätgotische Kirchengebäude überrascht im Inneren mit barocken Ausbauten. Das mit Beginn des 17. Jahrhunderts wieder katholische Oberursel blieb wie die meisten Vordertaunusgemeinden nicht von Bränden während des Dreißigjährigen Krieges verschont. (...) Der Wiederaufbau der stark beschädigten Kirche und das Einbringen eines neuen Hochaltars mit Empore führten zum barocken Aussehen. Einige historische Glasbilder konnten gerettet und in die neuzeitlichen Fenster eingebaut werden, unter anderem die älteste Darstellung der Heiligen Ursula. (...)

Von der 1793 in Betrieb genommenen Bürgy-Orgel ist noch das Prospekt erhalten. Förster & Nicolaus aus Lich erneuerten 1960 Orgelwerk und Zinnpfeifen. Die in voller Beleuchtung erstrahlende Orgel, deren Klang und die Akustik sorgen bei Konzerten für ein volles Haus.

Vom Vorplatz erblickt man ein großes Gebäude mit grau-blauem Fachwerk – das Pfarramt. Dank der Nähe und einer Alarmanlage ist die Kirche tagsüber geöffnet.

Wir gehen die große Treppe hinunter in die St. Ursula Gasse und biegen vor dem Wirtshaus „Zum Schwanen“ rechts ab. Am Ende folgen wir der Schulstraße nach links und laufen auf die erste evangelische Kirche zu.

Das rekatholisierte und nach dem Brand 1645 wiederaufgebaute Oberursel erlebte durch die Wiederansiedlung und Hochzeit der Mühlen eine zweite Blütezeit. Mit zunehmender Industrialisierung ließen sich immer mehr protestantische Kaufleute und Handwerker nieder, sodass der Ruf nach einer eigenen evangelischen Kirche immer lauter wurde. Noch wehrten sich die katholischen Priester mit flammenden Predigten von der Kanzel herunter. Doch die Unterstützung selbst aus katholischen Reihen wurde immer größer, die Stadt schenkte ein Grundstück und dank großzügiger Spenden evangelischer Handwerker und Unternehmer wurde die erste evangelische Kirche – das Gebäude vor uns – am 24. Oktober 1855 geweiht.

Es war absehbar, dass diese Kirche sehr schnell zu klein sein würde. Der Aufschwung Anfang des 20. Jahrhunderts ermöglichte die Finanzierung und den Bau der Evangelischen Christuskirche 1914. Die danach nicht mehr benötigte kleine Kirche wurde profaniert, an die Stadt Oberursel verkauft und der Glockenturm niedergelegt. Nach einem Brand 1980 wurde das Haus renoviert und umbenannt in Ferdinand-Balzer-Haus, nach einem Kunstmaler, der längere Zeit in der Nachbarschaft am Marktplatz wohnte. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird heute von der Musikschule sowie für Veranstaltungen und Vorträge genutzt. (...)

Rechts geht es weiter bis zur Füllerstraße und dann links bergab. Josef Füller war ein langjähriger Bürgermeister (1897 – 1926), der Oberursel bis zu seinem Ruhestand erfolgreich durch schwierige Zeiten steuerte.

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