Lade Inhalte...

Nippon Connection Filmfestival Yakuza-Gangster treffen auf Anime-Helden

Das 16. Nippon Connection Filmfestival bringt im Mai wieder Glanzlichter des japanischen Kinos nach Frankfurt. Gezeigt werden Werke aus allen Genres, darunter viele Deutschlandpremieren. Die Retro-Reihe widmet sich Klassikern des japanischen Horrorfilms.

13.04.2016 10:16
Alex Wehnert
Tadanobu Asano (links) und Eri Fukatsu in dem Film "Journey to the Shore" von Kiyoshi Kurosawa. Foto: Nippon Connection

Als der japanische Mann im Rentenalter an sein Telefon geht, traut er seinen Ohren kaum. Am anderen Ende der Leitung scheint sein Sohn zu sein, der fünf Millionen Yen von ihm fordert. In Wirklichkeit ist der Anrufer ein Betrüger. Und der hat sich das falsche Opfer ausgesucht: Der alte Ryuzo ist ein ehemaliger Yakuza-Gangster. Schnell trommelt er seine sieben treuesten Totschläger zusammen, um Rache für die dreiste Masche zu üben.

Mit seiner Komödie „Ryuzo and His Seven Henchmen“ ist Takeshi Kitano beim diesjährigen Filmfestival Nippon Connection vertreten. Vom 24. bis zum 29. Mai werden an sechs Spielorten in Frankfurt Neuheiten des fernöstlichen Kinos gezeigt. „Wir wollen japanischen Film hier in Deutschland weiter populär machen“, sagt Marion Klomfaß, Gründerin und Leiterin des Festivals.

Vor 16 Jahren initiierten Klomfaß und ihr damaliger Kommilitone Holger Ziegler das erste Nippon Connection Festival. Was als ambitionierte Idee zweier Filmwissenschafts-Studenten startete, ist heute die größte Plattform für aktuellen japanischen Film weltweit.

Dieses Jahr werden an den sechs Festivaltagen wieder 16 000 Besucher erwartet. Sie bekommen zahlreiche Deutschlandpremieren zu sehen und stimmen über den „Nippon Visions Audience Award“ ab. Dabei gehen nur Filme ins Rennen, die mehr als eine Stunde lang sind.

Neben dem Publikumspreis und dem „Nippon Visions Jury Award“ wird 2016 zum zweiten Mal der „Honor Award“ verliehen. Er geht an Persönlichkeiten, die sich besonders um den japanischen Film verdient gemacht haben. Dieses Jahr wird aller Voraussicht nach der Regisseur Kiyoshi Kurosawa ausgezeichnet, der durch seine Horrorfilme international bekannt geworden ist.

Neben seiner Tätigkeit als Regisseur unterrichtet Kurosawa auch Filmstudenten an der „Tokyo National University of Fine Arts an Music“. In Frankfurt werden seine Filme „Creepy“ und „Journey to the Shore“ gezeigt. Mit ersterem war er auch auf der diesjährigen Berlinale vertreten.

Über die Filme, die beim Festival gezeigt werden, entscheidet ein sechsköpfiges Komitee. Für den Transport der Filmkopien arbeitet Nippon Connection seit zwei Jahren mit der Japan Foundation zusammen. Sie verfügt über ein großes Archiv in Tokio. „Dadurch sparen wir natürlich auch Kosten“, sagt Klomfaß. Im Normalfall könne es bis zu 900 Euro kosten, eine Kopie nach Deutschland zu bringen.

Neben den aktuellen Streifen findet wie jedes Jahr die „Nippon-Retro-Reihe“ im Deutschen Filmmuseum statt. Dieses Mal steht sie unter dem Motto „Geisterfilme“. Gezeigt werden unter anderem die Klassiker „Onibaba – Die Töterinnen“ und „Kwaidan“.

Eine Neuheit ist 2016 die Kooperation mit der Messe „Apfelwein weltweit“ im Gesellschaftshaus des Palmengartens. Klomfaß und Messe-Organisator Andreas Schneider hatten sich bei einem von Yoshiko Ueno-Müller, der ersten weiblichen „Master of Sake Tasting“, veranstalteten Essen kennengelernt.

Das Festival ist so mit einem Stand auf der Messe vertreten und richtet ein kulinarisches Filmdinner aus. Dabei werden Spezialitäten der japanischen Küche serviert, zu trinken gibt es Reis- und auch Apfelwein. Zusätzlich soll die Dokumentation „The Birth of Sake“ laufen. Sie zeigt die Geschichte der 145 Jahre alten Tedorigawa-Brauerei.

Dass der Titel „Nippon Connection“ bei Japanern im deutschsprachigen Raum eher negativ konnotiert ist, wissen die Organisatoren übrigens. In seinem gleichnamigen Roman von 1992 hatte Michael Crichton die asiatischen Charaktere äußerst kontrovers dargestellt. „Wir wollten den Namen aber positiv belegen“, sagt Klomfaß.

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum