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Nippon Connection Blockbuster und Spezialitäten

Das japanische Filmfestival Nippon Connection in Frankfurt bietet erneut eine große Programmvielfalt. Einer der Höhepunkte ist „The Apology King“, eine absurde Komödie über die komplexe Kunst des Sich-Entschuldigens in Japan.

Japans Comedy-Star Sadao Abe als Yuzuru Kuroshima, Spezialist für Entschuldigungen, in dem Film "The Apology King". Foto: Nippon Connection

Das „transzendente Dogeza“ ist eine große Kunst in Japan, die komplexe Kunst des Sich-Entschuldigens. Yuzuru Kuroshima betreibt dafür eine Dienstleistungs-Agentur. Seine Methode löst jedes Problem, das aus einem Fettnäpfchen entstand. Und als Kuroshima die junge Noriko als Lehrling aufnimmt, beginnt das Geschäft richtig zu brummen.

So erzählt es der Film „The Apology King“. Dass es das „transzendente Dogeza“ tatsächlich in Japan gibt, muss man nicht glauben, der neue Spielfilm von Nobuo Mizuta gilt als absurde Komödie. In Japan hatte das für Selbstironie sehr empfängliche Kinopublikum 2013 aber einen Riesenspaß an „The Apology King“. Nun hat der Film endlich Europapremiere, natürlich in Anwesenheit des Regisseurs, beim japanischen Filmfestivals Nippon Connection in Frankfurt, in der „Nippon Cinema“-Reihe. Laut Martin Bregenzer von der Organisationsleitung ist es die Vorstellung, bei der der Kartenvorverkauf am besten läuft.

2013 hatte Nippon Connection, nach jahrelanger Heimstatt im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim, seine zentralen Veranstaltungsorte in den Mousonturm und in die Naxoshalle schräg gegenüber verlegt. Bei der Pressekonferenz zum Festival zeigte sich Festivalleiterin Marion Klomfaß „superhappy“ über diesen Schritt. Ob der gemeinnützige Verein Nippon Connection, ob die 70 Mitarbeiter oder die rund 150 Helfer, alle nach wie vor ehrenamtlich schuftend – sie fühlen sich auch 2014 wohl in der Waldschmidtstraße. Klomfaß dankt dem Team des Mousonturms ebenso wie dem Theater Willy Praml von der Naxoshalle: „Sechs Tage lang die Halle abzugeben ist ja keine Kleinigkeit.“

Fukushima ein Dauerbrenner

Dort wird erneut der temporäre Kinosaal im Zentrum errichtet, in dem die Filme der Reihe „Nippon Visions“ laufen. Zum Beispiel der Dokumentarfilm „The Horses of Fukushima“. Er erzählt von dem Schicksal der Pferde, die bei einem traditionellen Fest in Minamisoma eingesetzt werden, einem Ort, der im 20-Kilometer-Radius des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi liegt. Und das dortige Reaktorunglück vor drei Jahren hat eben auch die Show-Tiere verstrahlt.

Die sogenannte Dreifachkatastrophe von Fukushima (Erdbeben – Tsunami – Kernschmelze) samt der von ihr erzeugten Tragödien gehört längst zu den konstanten Themenkomplexen im japanischen Film. So besuchte die taubstumme Regisseurin Ayako Imamura für ihre Dokumentation „The Connecting Bridge“ elf Tage nach dem Erdbeben taubstumme Menschen in der Gegend Miyagi, die schlicht die Katastrophenhinweise über Lautsprecher nicht hatten hören können. Der Regisseur Yukihiko Tsutsumi, der ansonsten auch mal japanische Blockbusterfilme dreht, ist beim diesjährigen Nippon Connection mit zwei im Vergleich „kleinen“, persönlichen Filmen vertreten, darunter die TV-Dokumentation „Kesennuma, Voices. 3“, für er die vom Tsunami besonders getroffene Küstenregion besuchte. Der Film läuft als special screening am 28. Mai um 20 Uhr im Mal Seh’n Kino.

Für solche „Specials“ ist Nippon Connection berühmt, bisweilen berüchtigt. Es kann kompliziert werden, die ganzen Spezialitäten-Veranstaltungen zu entdecken, etwa das Filmdinner oder das Filmfrühstück, auch die verschiedenen Kurse, Performances und Vorträge. Sie sind aber im Programmheft unter dem Begriff „Nippon Culture“ zusammengefasst.

Die Filmreihe „Nippon Retro“ konzentriert sich auf Werke des Regisseurs Ko Nakahira aus den 50er und 60er Jahren. Julian Ross von der Universität in Leeds stellt den einflussreichen Vertreter der „Japanese New Wave“ in Einführungen vor. „Nippon Animation“ wiederum widmet sich der großen Welt der Anime und zeigt mit dem aus vier versierten Kurzfilmen bestehenden Werk „Short Peace“, wie weit diese japanische Zeichentrick-Kunst gediehen ist, seit „Akira“ 1988 die Kinowelt eroberte. Dessen Schöpfer Katsuhiro Otomo ist übrigens auch dabei.

Und wer am Ende dann doch das ein oder andere Highlight verpasst hat: Wir bitten jetzt schon ausdrücklich um Entschuldigung.

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