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Musikhochschule in Frankfurt Zehn Stunden nonstop Erik Satie

„Vexations: Revisited“ setzt Erik Saties Stück „Vexations“ mit einer Installation in Szene – zehn Stunden lang. Die Performance ist Teil des offenen Tages der Hochschule für Musik und Darstellende Künste in Frankfurt.

Musikhochschule in Frankfurt
Manch einer ist überrascht: Hinter dem Tuch spielt ein echter Mensch. Foto: Veranstalter

Wie ein Raumschiff fühle sich der Würfel an. „Man sendet eine Nachricht in das All und weiß nicht, ob sie überhaupt jemand hört“, so beschreibt Despina Apostolou, wie es sich anfühlt, in der Installation zu musizieren. Die Installation: ein leuchtender Würfel aus Metall, Leinwand und Klavier. Die Nachricht: Erik Saties „Vexations“. Der Ort: Die Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Künste (HfMDK), wo die Installation am kommenden Sonntag für zehn Stunden zu sehen und zu hören sein wird. Sie ist ein Programmpunkt am Tag der offenen Tür, HfMDK Kompakt.

Nicht zehn Stunden, sondern zwei Minuten dauert das Stück, das Satie 1893 komponiert hat, und das seine Uraufführung erst 1963 durch John Cage in New York erlebte. Es gilt als eines der ersten Beispiele konzeptueller Arbeit in der klassischen Musik. Seine Berühmtheit verdankt das Stück einer kurzen Notiz Saties. Diese empfiehlt – wenn auch stark umstritten in der heutigen Interpretation – das Stück 840 Mal hintereinander zu spielen.

Zwei Jahre ist es nun her, dass Apostolou zusammen mit Monika Zyla die Idee kam, das Werk des französischen Komponisten der Neuen Musik unter den Namen „Vexations: Revisited“ nach Frankfurt zu holen. Dafür entwickelten die beiden Frauen zusammen mit einem Architekten eine Installation: einen semi-transparenten, von innen leuchtenden Würfel, der die Pianisten vom Publikum trennt. „Du weißt nicht, ob Gäste da sind. Vielleicht spielst du für dich alleine und niemand hört zu“, erzählt Zyla.

Seine Uraufführung hatte das Werk „Vexations: Revisited“ auf der diesjährigen Luminale. 22 Pianisten spielten das Stück 24 Stunden lang ohne Unterbrechung. Das Herausstellungsmerkmal der Version Zylas und Apostolous ist aber nicht die Länge; es ist die Installation. Die Zuschauer sehen nur den Schatten des spielenden Pianisten, es ist unklar ob nicht gar eine Aufnahme Saties Stück wiedergibt und eine technische Vorrichtung den Schatten an die Leinwand wirft.
Bei der Aufführung während der Luminale war sich eine neugierige Zuschauerin sicher, es handele sich um einen Rekorder, erzählt Apostolou. „Der Schreck war groß, als die Frau beim Zurückschlagen des Stoffes unseren Pianisten gesehen hat.“

Während die Zuschauer in bequemen Polstermöbeln Platz nehmen und die Melodie aus dem Würfel in einer Wohnzimmeratmosphäre verfolgen können, ist das Erlebnis für die Spieler viel intensiver.

Arevik Beglaryan ist Studentin an der Hochschule für Musik und Darstellende Künste und eine der zehn Studierenden, die das Stück am Sonntag zehn Stunden aufführen werden. Eine Herausforderung für Beglaryan. „Erst spielt man bewusst, gestaltend, ist in Aktion und hat die Kontrolle. Aber – vielleicht durch die ständige Repetition, vielleicht durch den Würfel, in dem man isoliert und abgeschirmt ist, – irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr das Stück spiele, sondern das Stück mich. Es ist grenz- und bewusstseinserweiternd“, fasst die Studentin zusammen.

Zyla, die mit Apostolou das Konzept entworfen, aber auch schon selber gespielt hat, pflichtet ihr bei: „Das Stück hat die Kraft, dich mitzunehmen, irgendwann folgst du ihm.“

Welche Kraft das Stück und die Pianisten in dem Würfel entfalten und was von der ursprünglichen Nachricht im All, also bei den Zuhörern, ankommt, ist für jeden am Sonntag bei HfMDK Kompakt erlebbar. Zehn Stunden lang, von 12 bis 22 Uhr wird das Stück am Sonntag von zehn Studierenden im Opernstudio der Hochschule aufgeführt.
Die beiden künstlerischen Leiterinnen des Stücks, Monika Zyla und Despina Apostolou, planen bereits eine weitere Performance. Dafür suchen sie fortgeschrittene Klavierspieler, die Lust haben, für eine Stunde selbst in dem Würfel zu sitzen. Das Stück soll erneut vom 7. bis 8. September von 16 bis 16 Uhr in der Kunst-Kultur-Kirche aufgeführt werden.

Interessierte melden sich unter vexations.revisited@gmail.com.

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