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Tour 92 (10/2012) Kleine Fluchten im Rheingau

Die MTB-Tour 92 ist eine launige und nicht allzu anstrengende Runde unweit von Wiesbaden: Schöne Pfade verbinden Waldpartien mit dem offenen Land in den Weinbergen. Sahnehäubchen sind ein paar großartige Aussichten und - zum Tourschluss - die Einkehr-Möglichkeiten am Rheinufer..

17.10.2012 20:34
Von Alexander Kraft
Mountainbike-Tour 38
Viel Spaß in den Weinbergen Foto: R.Oeser

Die MTB-Tour 92 ist eine launige und nicht allzu anstrengende Runde unweit von Wiesbaden: Schöne Pfade verbinden Waldpartien mit dem offenen Land in den Weinbergen. Sahnehäubchen sind ein paar großartige Aussichten und - zum Tourschluss - die Einkehr-Möglichkeiten am Rheinufer..

Ein schöner Jahrgang, die 2012er Touren. Quantitativ zwar etwas unter den Ergebnissen der Vorjahre – aber was geerntet wurde, deutet angesichts der Provenienzen ausgesuchte Qualität an. Es geht hier zwar ums Mountainbiken, aber da die letzte Tour des FR-Bikejahres traditionell in eine der hiesigen Weinbauregionen führt, lag der kleine önologische Abstecher nahe. Zumal in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit nur fünf Touren auf dem Programm standen.

Mit dieser letzten Runde versprechen wir aber einen knuffigen Abschluss – und damit es kein Eiswein wird, bleiben wir schön in den niederen Gefilden unserer Region. Nur gut 500 Meter misst der Kamm des Rheingau-Taunus dort, wo wir ihn oberhalb von Eltville queren. Deshalb stehen am Abend auch nur etwas mehr als 700 Höhenmeter auf dem Tacho. Zieht der versierte Biker dann die eher als kurz zu bezeichnende Distanz von 34 Kilometern ins weitere Kalkül, so ahnt er das insgesamt überschaubare Pensum.

Unser Abstecher ins Wiesbadener Hinterland beginnt in Niederwalluf, wie immer an einem Bahnhof. Maßvoll steil wachsen dort die Weinberge dem Wald entgegen, gemütlich kurbeln wir die ersten Meter des Tages aufwärts und haben eine lange ruhige Waldpassage vor uns. Danach geht der Parcours bis Schlangenbad in ein kurzweiliges Auf und Ab über mit ein paar hübschen Metern auf Pfaden, unter anderem auch am Grauen Stein vorbei. Das ist einer jener mächtigen Quarzitbrocken, wie sie immer wieder im Taunus anzutreffen sind und die von erdgeschichtlichen Umwälzungen über Jahrmillionen hinweg erzählen.

Etwas weniger weit in der Erdgeschichte greift man aus, wenn man sich Schlangenbad nähert. Das Bad war im 18. Jahrhundert eines der angesagtesten unter Europas Adel. Außer den luxuriösen Kurbauten sorgte ein klimatischer Umstand für den Zuspruch: Im Vergleich zur Umgebung war es am Zusammenfluss von Warmbachtal und Walluf leicht wärmer. Das wirkte sich auch auf die Fauna aus: Um Schlangenbad hält sich eine Population mit Äskulapnattern – keine Sorge, wie alle heimischen Schlangen sind auch sie nicht giftig. Die bis zu zwei Meter langen Reptilien sind sonst am Mittelmeer zu Hause.

Nachdem wir uns aus dem Ort hinausgeschlängelt haben, wäre Gelegenheit für eine Rast – wobei die Wambacher Mühle, eine in der Umgebung namhafte Ausflugsgaststätte, eigentlich etwas zu früh kommt. Deshalb treten wir kräftig in die Pedale und nehmen den Anstieg nach Hausen vor der Höhe in Angriff. Der Ort markiert nicht nur den höchsten Punkt der Route, die lange Rampe bergauf ist auch ein wunderbar wurzeliges Bike-Vergnügen. Sie ist aber nur der Anlauf zum eigentlichen Höhepunkt der Runde: die kilometerlange Abfahrt am Sillgraben bis Kiedrich.

Zum Fahrspaß gesellt sich die Freude über einen laubumkränzten Aussichtspunkt. Der indes wird locker überboten vom Bergfried der Ruine Scharfenstein. Jahrzehntelang war das Gemäuer nicht zu betreten, seit diesem Jahr steht der 30 Meter hohe Turm Besuchern wieder offen. Er ist aber zum Schutz der Vögel in Brutzeiten geschlossen.

Im Sturzflug nähern wir uns dem Ende der Tour. Megasteil zieht der Weg am „Weinberg der Ehe“ vorbei ins Tal des Kiedrichbachs, dessen Lauf wir uns nun bis Eltville anschließen. Wer mag, kann dort mit einem kleinen Abstecher auf eigene Faust hinunter ans Rheinufer rollen und stilvoll an der Rheinpromenade einkehren. Das kann man sich aber auch für die letzte Station aufheben und in Niederwalluf, anstatt auf direktem Weg zum Bahnhof zurückzukehren, rechts hinunter zum Strom abbiegen.

Karte und Höhenprofil - siehe Roadbook

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