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Tour 90 (7/2012) Die Tour mit den drei Ecken

Östlich von Michelstadt - kommt nur noch das Hesseneck und somit aus hessischer Sicht außer der kleinsten Gemeinde des Bundeslandes fast nichts mehr. Außer man ist Biker und auf der Suche nach wunderbarer Natur und einsamen Pfaden.

Ebersberger Felsenmeer Foto: A.Kraft

Östlich von Michelstadt - kommt nur noch das Hesseneck und somit aus hessischer Sicht außer der kleinsten Gemeinde des Bundeslandes fast nichts mehr. Außer man ist Biker und auf der Suche nach wunderbarer Natur und einsamen Pfaden.

Es ist heiß, die Tage sind lang – beste Voraussetzungen, um eine Mountainbiketour tief im Wald anzugehen und sich auch mal in entferntere Regionen zu wagen. Unser Hochsommerausflug für Geländeradler, die FR-Biketour 90, führt ins Hesseneck und zu einigen der hübschesten Ziele in jenem stillen Teil des Odenwald. Hesseneck – so heißt nicht nur eine Gemeinde mit Alleinstellungsmerkmal unter Hessens Kommunen, auch die Region am Dreiländereck wird so bezeichnet. Denn dort grenzen Bayern und Baden-Württemberg an Hessen.

Gut 52 Kilometer stehen am Ende des Tages auf dem Tacho und 1200 Höhenmeter. Erfahrene Bergfexe und vor allem Fans der knüppelharten Odenwald-Touren sehen damit auf Anhieb, sooo heftig, wie es sonst die Regel ist im „Jagdrevier der Nibelungen“, fällt die große Schleife mit Start in Michelstadt und Ziel in Erbach nicht aus. Ebenfalls sehr angenehm und für die – hoffentlich – noch anstehenden heißesten Tage des Jahres eine kleine Rückversicherung: Wer mag, kann an zwei Stellen aussteigen und mit der Bahn zurück zum Ausgangspunkt fahren (nach 25 Kilometern in Schöllenbach oder nach 42 Kilometern in Hetzbach). Umgekehrt: Wer ein paar Meter anhängt, macht die Exkursion zu einer Rundtour – einfach vom Erbacher Bahnhof den Hessischen Radfernwegen R1 und R4 bis Michelstadt folgen.

Jetzt aber los. Die ersten Meter sind ein entspanntes Einrollen mit hohem Sightseeing-Faktor: Wir fahren direkt durch die Altstadt und vor allem am Michelstädter Rathaus vorbei. Das zählt ohne Frage zu den schönsten Fachwerkgebäuden überhaupt. Doch kurz darauf ist Schluss mit lustig: Der Name Wingertsweg deutet es an, und es geht in der Tat mächtig bergauf. Wer gut bei Kondition ist und mit den zweistelligen Steigungsprozenten nicht all zu sehr kämpft, wird den wunderbaren Waldweg hinauf nach Eulbach lieben. Dort haben wir den ersten kleinen Zwischenstopp eingelegt.

Virtueller Flug über die Tour im 3D-Panorama

(Animation: Alexander Kraft / mit freundlicher Unterstützung von magicmaps, www.magicmaps.de)

Das Schloss der Grafen zu Erbach-Erbach ist zwar nicht zu besichtigen, der Blick auf die Geweihfront hat aber auch was. Das zumal, da wir gegenüber im Englischen Park, angelegt in den Jahren 1802 bis 07, reihenweise Geweihe samt lebendem Träger darunter beobachten können. Auch Historienfans kommen da auf ihre Kosten: Gut 1600 Jahre bevor Eulbach sich so herausputzte, hatten die Römer mit dem Limes ihre markanten Spuren im Odenwald hinterlassen, so auch mit dem Numeruskastell Eulbach. Numerus steht für eine kleine, eigenständig operierende Einheit. Das L vom Limesweg bleibt für die nächsten Kilometer unser Begleiter. Doch bevor hinter Würzberg ein weiteres Numeruskastell wartet, können wir uns an den Kletterkünsten (oder Ungeschicklichkeiten) der Besucher im Hochseilgarten Würzberg ergötzen.

Die Zeit dazu haben wir, denn der Weg auf den Spuren des Limes und hoch auf dem Bergrücken ist flott geradelt. Eigentlich hatten wir statt der kleinen Asphaltpiste im Wald einen Abstecher hinab ins zum Niederknien idyllische Euterbachtal geplant – doch die Förster haben alle Wege wieder hinauf zum Limes mit gefällten Bäumen oder einem kilometerlangen Zaun verbarrikadiert.

Erheblich mehr Fahrspaß verspricht da der Schlenker zum Dreiländereck: Wir gleiten auf wunderbaren Waldwegen dahin, zwischendurch saugt bergauf auch mal ein technisch anspruchsvolles Stück an den Waden. Dann ist es geschafft und der dreieckige Grenzstein markiert den Geopunkt. Wer mag, legt eine kurze Rast ein. Doch dazu bietet sich noch mehr das Örtchen Hesselbach an. Mit 180 Einwohnern ist das der kleinste Ortsteil von Hesseneck. Und das rühmt sich, die kleinste hessischen Gemeinde zu sein mit gerade mal 650 Seelen. Die Mini-Kommune kann dennoch mit reichlich touristischen Einrichtungen aufwarten, so auch dem Landgasthof „Zum grünen Baum“ direkt an unserer Route.

Südhessens hübschester Badesee

Nach einem technisch anspruchsvollen Abstieg stehen wir im Hauptort von Hesseneck – um Schöllenbach aber sogleich wieder zu verlassen und zum idyllischen Eutersee vorzustoßen. Künstlich als Wasserrückhaltebecken 1971 aufgestaut, wird man dennoch kaum einen hübscher gelegenen Badesee in Südhessen finden (aber auch keinen kälteren!). Derart erfrischt machen wir uns an den Ritt hinauf zum Reußenkreuz, mit dem gleichnamigen Waldgasthof und seiner großen Terrasse ebenfalls eine gute Gelegenheit zur Einkehr.

Schwungvoll umrundet die Route Schloss Krähberg und strebt zum nächsten Tour-Highlight, dem Ebersberger Felsenmeer. Das ist zwar nicht so eindrucksvoll wie das vom Felsberg – leitet aber wenig später die grandiose Abfahrt ins Himbächeltal ein. Unausweichlich bleibt der Blick am Himbächel-Viadukt hängen: Die 1880/81 aufgemauerte Eisenbahnbrücke steht heute unter Denkmalschutz und wurde 2010 als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ausgezeichnet.

Auch das nächste Etappenziel ist Ingenieuren zu verdanken: Spektakulär ist der Marbach-Stausee zwar nicht, aber heute ein sehr beliebtes Freizeitgelände. Wer zum Bade will, verlängert unsere Route einfach bis zum Strand; ansonsten rollen wir auf dem Staudamm hinüber zum letzten Abschnitt der Tour: Im maßvollen Auf und Ab hangeln wir uns oberhalb des Mümlingtales bis Erbach vor. Ob man da sogleich in die Bahn nach Michelstadt steigt oder noch die paar Meter hinab in die Stadt fährt, wo man unmittelbar auf dem Marktplatz mit dem imposanten Grafenschloss landet, bleibt jedem selbst überlassen.

Karte und Höhenprofil - siehe Roadbook

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