Lade Inhalte...

Tour 89 (5/2012) Die neuen Freuden der jungen Biker

Wetzlar putzt sich für den Hessentag heraus - und die FR-Biker putzen die Trails der Region: Das Lahntal zwischen der Stadt, in der Goethe vergeblich seiner Charlotte nachstellte, und Braunfels mit dem großartigen Schloss, dem "hessischen Neuschwanstein", ist nicht nur beim Hessenfest eine Reise wert.

Schloss Braunfels, das "hessische Neuschwanstein". Foto: IMAGO

Wetzlar putzt sich für den Hessentag heraus - und die FR-Biker putzen die Trails der Region: Das Lahntal zwischen der Stadt, in der Goethe vergeblich seiner Charlotte nachstellte, und Braunfels mit dem großartigen Schloss, dem "hessischen Neuschwanstein", ist nicht nur beim Hessenfest eine Reise wert.

Das Lahntal gilt als Dorado der heimischen Kanuten und Paddler, und der Weg neben dem Fluss wird an schönen Ausflugstagen von Tourenradlern geradezu geflutet. Aber Biken über Berge? Doch! Und wie! Mit der FR-Mountainbiketour 89 stecken wir ein Terrain ab, das für Entdeckungen geradezu prädestiniert ist. Zwar erobern wir keine namhaften Gipfel – aber wunderbare Wege hoch über dem Tal und tief im Hinterland sowie einige Zwischenstopps, die es in der Tat lohnen, das Bike mal für ein paar Minuten an die Leine zu legen.

So schon gleich der Startort: Wetzlar. Das Städtchen mit der großen Vergangenheit – nicht nur wegen Goethe – wurde mit Bedacht an den Anfang der 44 Kilometer langen Runde gesetzt. Zehn Tage tobt dort im Juni der Hessentag 2012. Eine gute Gelegenheit also, den Schauplatz des Hessenfestes ungestört unter die Lupe zu nehmen. Denn mit der FR-Tour, die wie stets am Bahnhof beginnt, kann der Biker völlig terminunabhängig dem Trubel vom 1. bis 10. ein Schnippchen schlagen.

Bevor es am Schluss aber in die illustre Altstadt über dem Lahnufer geht, sind erst einmal 1100 Höhenmeter zu bewältigen. Denn das verblüffende im scheinbar so zahmen Lahntal ist: Wenn es rauf und runter geht, dann ziemlich zackig. Das erfahren wir gleich beim Ritt hinauf zur alten Reichsburg Kalsmunt. Nur der mächtige Bergfried steht noch. Wäre er zur Zeit nicht gesperrt, er böte eine wunderbare Aussicht übers Tal. Doch keine Sorge, Aussichten kommen noch genug. Die Burg gehört zum Wetzlarer Türmeweg mit insgesamt vier Warten – zwei der anderen drei haben wir uns für den Schluss der Reise aufgehoben.

Zunächst brechen wir auf gen Westen und kommen auf pfundigen Pfaden am Hofgut Magdalenenhof vorbei. Wenig später informiert uns eine Tafel über die tiefgründige Vergangenheit jenes Landstrichs: Zahlreiche Gruben wurden dort betrieben und Eisen verhüttet. Ein Stück des Wegs nimmt uns der Grube-Ferdinand-Weg mit, dann schiebt sich das zweite große Besuchs-Highlight der Tour ins Blickfeld: das „hessische Neuschwanstein“, das mit Türmchen und Zinnen geradezu übersäte Schloss Braunfels.

Bildschön thront der Sitz der Grafen von Solms-Braunfels über der ebenfalls höchst sehenswerten Altstadt. Aber auch bei dem Weg hoch zu dem langgestreckten Sporn zwischen Solmsbach- und Isertal merken wir: Die Buckel da sind recht steil. Wer ordentlich Schweiß vergossen hat, darf dann aber auch in einem der zahlreichen Cafés oder Restaurants um den Marktplatz zu Füßen des in vielen Jahrhunderten gewachsenen Schlosses kräftig in punkte Kalorien und Getränk nachlegen.

Virtueller Flug über die Tour im 3D-Panorama

(Animation: Alexander Kraft / mit freundlicher Unterstützung von magicmaps, www.magicmaps.de)

Grund dazu gibt es allemal.Denn auf unserem Bogen zurück nach Wetzlar durchs Hinterland kommen ein paar bikerisch anspruchsvolle Bröckchen auf uns zu. Das beginnt schon in den verschwiegenen Waldpartien zwischen Bonbaden und Neukirchen.Recht happig dann auch der Anstieg vom Solmsbachtal hoch aufs offene Land. In wilden Schlingen schließlich führt uns der Lahntal-Weg an der Honigmühle vorbei und auf den Stoppelberg. Mit 401 Metern ist das der höchste Punkt der Tour – und die zweite der drei versprochenen Wetzlarer Warten. Wer sich oben die Luft um die Nase hat wehen lassen, wird sich um so mehr auf einige vertrackte Meter für den Stollengaul freuen. Wobei das fakultativ ist! Denn anstatt den Wanderzeichen den steilen Lahnweg hinab zu folgen und ein gutes Stück des Wegs zur Stoppelbergwarte hinauf ein zweites Mal zu fahren, kann man einfach auch oben umdrehen und 250 Meter den Hauptweg zurückrollen. Ansonsten kommen die vertrackten Meter in Form von Steilstücken bergab – und auch noch mal einem satten Stich bergauf. Sobald aber die Brühlsbacher Warte nach knapp 40 Kilometern erreicht ist, kann man sich auf ein entspanntes Ausrollen einstellen.

Ziemlich entspannt jedenfalls. Denn bevor wir die Altstadt entern, konnten wir es uns nicht verkneifen, die von vierspurigen Autotrassen wirklich sagenhaft zerschnittenen Vororte zu durchqueren. Aber der Bummel durch die Gassen um den Dom entschädigt wirklich. Und beim Radler in einer der zahllosen Einkehrmöglichkeiten kann man dann ja auch über den jungen Goethe philosophieren. Ob der wohl in zünftiger Bikerkutte mehr Glück gehabt hätte bei der – wie man weiß: vergebens – angebeteten Amtsmanns-Tochter Charlotte? Man muss ja nicht gleich ins Schreiben verfallen und neue Leiden für W. erfinden.

Karte und Höhenprofil: Siehe Roadbook

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen