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MTB-Tour 100 Über die Biker-Autobahn am Feldberg

Es wird ja gerne und oft von Jubiläen und Traditionen geschrieben. In dem Falle aber dürften die Vokabeln vertretbar sein: Die Frankfurter Rundschau präsentiert die 100. Tour in ihrer Mountainbike-Serie. Und für dieses Jubiläum haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: Wir brechen mit der Tradition der ersten 99 Touren!

Die Schanzen können Sie auch links liegen lassen. Foto: Malte Staupendahl

Als die Serie 1998 begann, hatten die Autoren geschworen, die Leser nie, nie, nie auf die „Biker-Autobahnen“ im Taunus zu schicken. Genau das tun wir mit Tour 100, denn: Seit wenigen Wochen gibt es genau das am Feldberg. Eine Biker-Autobahn. Die ist sogar ausgeschildert. Wobei man für uns normale Touren-Biker den Begriff Autobahn relativieren muss. Die im Juni feierlich eröffneten „Downhill“-Strecken rechts und links vom Siegfried-Schuss donnern nämlich nur absolute Könner mit Hochgeschwindigkeit runter. Das und auch die meterweite Sprünge lassen wir schön bleiben! Vielmehr schauen wir uns den gut einen Kilometer langen Parcours auf den „Chicken Ways“ an. So nennen Downhill-Cracks die Umfahrungen der Hindernisse. Die sind von jedem halbwegs versierten Geländeradler zu meistern – wer unsicher ist, für den haben wir eine Ausweich-Route im Angebot.

Eingebettet haben wir das Bike-Abenteuer am Feldberg in eine knapp 38 Kilometer lange Runde. Die startet in Bad Soden und – hier werden wir wieder ganz traditionell – sie beginnt ökologisch korrekt am Bahnhof. Und ebenfalls ganz im Sinne unserer Gewohnheiten haben wir die Strecke mit reizvollen Etappenzielen gespickt: Einfach nur mit hechelnder Zunge Höhenmeter machen (in dem Falle 900 Meter) war noch nie unser Ding! Bei unseren FR-Touren wollten wir stets zeigen, was den Reiz all der Mittelgebirgslandschaften um Frankfurt herum ausmacht.

 Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es auch auf dieser vergleichsweise kürzeren Runde einiges zu entdecken gibt. Bald nach dem Start wartet am Rande der Schwalbacher Limesstadt mit der El-Lissitzky-Allee ein verblüffendes Spiel mit der Perspektive auf den Betrachter: Ein scheinbar sinnloser Buchstabensalat schmückt die meterhohen Betonstelen. Von bestimmten Punkten inmitten der begeh- und befahrbaren Skulptur fügen sie sich jedoch zu einem Sinnspruch.

 Das nächste lauschige Ziel ist der Kronthaler Quellenpark. Den erreichen wir auf der vom Regionalpark Rhein-Main ausgeschilderten „Safari-Route“. Die führt, nomen est omen, danach ziemlich geradlinig hoch zum Opelzoo. Auch wenn wir uns den Eintritt dort sparen, ein paar Elchgeweihe und Kamelhöcker gibt’s en passant gewiss zu sehen.

 Wenig später ist es geschafft und wir haben unseren – insgesamt doch überraschend grünen – Zickzack-Kurs durch die Vordertaunus-Gemeinden absolviert. Sobald wir an Falkenstein vorbei sind, warten die schattigen Wälder des Altkönig auf uns. Und seine teilweise bockig steilen Anstiege. Lohn der Mühen ist bei Kilometer 16 der Fuchstanz, wo man erstmals Kalorien nachlegen kann oder den Flüssigkeitspegel wieder auffüllt.

 Dasselbe gilt für den Feldberg nach weiteren 2,5 Kilometern. Aber eigentlich wollen wir da etwas anderes – genau: Die neue Downhill-Strecke inspizieren. Errichtet wurde sie nach einem 15-jährigen Kampf mit den Behörden vom Verein „Wheels over Frankfurt“. Dahinter steckt eine Geschichte, die es lohnt, zumindest in Kürze erzählt zu werden.

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Die ersten Ideen, am Hausberg der Frankfurter auch eine Strecke für schnelle Abfahrten mit fett gefederten MTB-Maschinen zu bauen, stammen noch aus den 90er Jahren. Flugs griffen die Enthusiasten zu Säge und Schaufel, um Kicker, Tables und Anleger in den Wald zu zimmern. Das stieß natürlich auf heftigen Widerstand bei Forst, Jagd und Wanderfreunden. Also riet man den Jungs seinerzeit: „Gründet einen Verein – dann wird’s schon bald was.“ Danach lernten die Pioniere die Bedeutung des Wortes Behörden-Marathon kennen. Das führte zwischenzeitlich fast zur Auflösung des Vereins, zu allerlei illegalen Bautätigkeiten am Feldberg und, mittelbar, 2012 beinahe zu einem Forstgesetz, das sämtlichen hessischen Mountainbikern ihr Hobby verleidet hätte. Doch es kam anders, und unter Federführung von Umweltministerin Lucia Puttrich einigten sich am Runden Tisch die sehr unterschiedlich motivierten Naturnutzer auf einen ansehnlichen Kompromiss.

Eines der Resultate: Am Feldberg ging es endlich voran. Das Ergebnis kann sich nun jeder ansehen – wenn er die Regeln einhält! Denn natürlich soll nun nicht jeder Spaziergänger auf dem Parcours herum turnen, ebenso wenig wie Radler ohne abfahrtstaugliches MTB-Fahrzeug. Die Regeln stehen oben am Einstieg. Dazu gehören Punkte wie die Helmpflicht, das Begehen der Strecke vor der Premierenfahrt, ein Fahrverbot bei Sturm und Gewitter sowie Rücksicht auf andere Besucher und die Natur.

Nach unseren Erfahrungen ist die blaue Route (Start am Brunhildisfelsen) bei Umfahren der Sprünge für fahrtechnisch sichere Touren-Biker problemlos zu meistern. Ein Federweg ab 100 Millimetern am Fully sorgt aber gewiss für mehr Fahrspaß. Ein ganz wichtiger Punkt: Die Strecke ist zur Zeit öffentlich zugänglich. Nach dem „Probelauf“ 2015, so der Verein auf seiner Homepage, wird entschieden, ob das auch so bleibt. Oder ob später nur noch Vereinsmitglieder respektive Eintritt zahlende Besucher darauf dürfen.

Aber nun runter von der Theorie und wieder aufs Bike! Nach einem, optionalen, Zwischenstopp am Gasthaus Rotes Kreuz kurven wir über einen wurzeligen Naturpfad zur nächsten Imbiss-Stelle, dem Naturfreundehaus Billtalhöhe. Wer mit der Verpflegung noch ein wenig warten will, schlängelt sich um Schneidhain herum zur Roten Mühle, ebenfalls eine der namhaften Freiluftwirtschaften der Region. Und wer sich das für den Schluss aufspart – kein Problem: Nach der bezaubernden Abfahrt durchs Kahlbachtal rollen wir sozusagen durch die Hintertür nach Bad Soden ein, wo nach dem Sightseeing am Hundertwasserhaus rund um die Kur- und Quellenparks reichlich Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind.

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