Lade Inhalte...

Mountainbike-Tour 99 Eine Frage des Stils

Mountainbike ist ein Ausdauersport. Unser Autor Alexander Kraft beweist das mit seiner Tour Nummer 99 eindrucksvoll. Und er zeigt: Es gibt immer noch viel Neues zu entdecken auf zwei Rädern. Zum Beispiel den Bad Nauheimer Jugendstil oder den Hausberg bei Butzbach.

Über Stock und Stein geht es bei der Mountainbike-Tour 99. Foto: pmv, Dimitrios Gavrides

Es war ein wenig unentschlossen, das Frühjahr. Mal fröstelig, mal grau verhuscht, und immer, wenn man dachte: Jetzt auf, zur Sonne – kam der nächste Schauer. Doch mittlerweile sieht es satt nach Outdoor-Aktivität und Frühjahrsrunde aus. Waren die Auftakttouren in den vorigen Jahren oft eher verhalten, geht es 2015 kerniger zur Sache. 43 Kilometer und knapp 800 Höhenmeter sind zwar für Biker, die den Winter durchgezogen haben, kein Auftrag. Aber wir haben den Weg von Bad Nauheim zum Hausberg über Butzbach mit einigen Delikatessen gespickt: viele Aussichten, bezaubernde kleine Bachtäler und Trails zum Zunge schnalzen.

Bevor die Reise aber in die Weite der Wetterau hinaus geht, machen wir einen kleinen Sightseeing-Exkurs in eine Stadt, die in all den Jahren noch nie auf unserem Tourenplan stand: Bad Nauheim, nach Darmstadt die heimliche Hauptstadt des Jugendstils in unserer Region. Manche meinen gar, die Bäderarchitektur sei noch beeindruckender als die Mathildenhöhe. Davon machen wir uns sogleich ein Bild. Zuvor aber goutieren wir die Blickachse, die sich uns beim Verlassen des Bahnhofs (wie immer sind Start und Ziel am Bahnhof) darbietet: Die kleine Allee hinunter über den Sprudelhof zieht das prachtvolle Restaurant-Hotel Johannisberg auf dem bewaldeten Berg gegenüber das Auge wie magisch an. Gut zu wissen: Am Ende unserer Tour kommen wir genau über diesen Buckel und an der Café-Terrasse vorbei.

Der Abschluss wäre also schon geklärt, wir geben Gummi. Immer haarscharf am Kurgelände vorbei, kurbeln wir unverdrossen an der Usa entlang Richtung Taunushänge. Je weiter wir hinaus kommen und Nieder- und Ober-Mörlen hinter uns lassen, desto mehr kommt unser Hauptberg für heute, der Hausberg, ins Visier. Den hatten wir vor urlangen Zeiten schon einmal angesteuert. Doch seither hat sich viel getan: Seit 2008 ziert einer der imposantesten Aussichtstürme den 486 Meter hohen Gipfel. Doch zunächst buckeln wir gemütlich durch gelbe Rapsfelder und zirkeln dann über wunderschöne Pfade durchs Fauerbach- und Isseltal. Der Wald beginnt dichter zu stehen, ein paar Quellen sorgen für Spritzeinlagen, der Hausberg fordert seinen Tribut und der Höhenmesser macht Meter.

Wer noch nicht dort oben war, wird keinen Zentimeter davon bereuen: Wie ein riesiger Patchwork-Teppich liegt einem die Wetterau zu Füßen, mittendrin die gewaltige Münzenburg, am Horizont der Vogelsberg. Nach Norden zieht der Dünsberg in den Bann, bei klarem Wetter reicht die Sicht bis Westerwald und Rothaargebirge. Derart beschwingt machen wir uns auf den Rückweg – und können uns auf einige abenteuerliche Pfade im östlichen Taunus gefasst machen.

Nach dem Fauerbachtal und Ziegenberg beruhigt sich das schlagartig. Zudem bietet sich mit dem Gasthof „Zum Taunus“ eine kleine Rast an, bevor wir an der Usa ausrollen. Nicht immer gelingt es, so viel Abstand zu den Verkehrsmagistralen (B275 und A5) zu wahren, dass man der Natur lauschen kann. Doch mit dem letzten kleinen Aufschwung haben wir auch schon den Johannisberg erklommen – und der Rest ist Genießen auf Bad Nauheimerisch.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen