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Michi Herl Traum von einem Winterstoffel

Unsere Autorin Ulrike Krickau spricht mit dem Frankfurter Theatermacher und Urgestein Michi Herl über das neue Theaterzelt, Spekulatius, eine Art Winterstoffel und über die eigene Dummheit.

07.11.2014 15:12
Theatermacher und Urgestein Michi Herl Foto: Christoph Boeckheler

Warum geht ihr mit dem Stück „Jürgen von Nazareth“ an die Bockenheimer Warte?
Michi Herl: Erst mal sind wir als kleines Theater mit ganz geringen Subventionen darauf angewiesen, Einnahmequellen außerhalb unseres eigenen Hauses zu haben, weil es sonst hinten und vorne nicht reicht. Dafür haben wir im Sommer den Stoffel, aber das ist zu wenig. Und wir haben schon immer davon geträumt, so eine Art Winterstoffel zu machen. Zweitens kostet es einen Haufen Geld, wenn wir ein Stück inszenieren. Ein Weihnachtsstück kann man naturgemäß nur zu Weihnachten spielen und deshalb haben wir uns für das Zelt an der Bockenheimer Warte entschieden.

Wer ist auf den tollen Namen Spektaculatium für euer Zelt gekommen?
Spektaculatium? Das ist eine altrömische Weihnachtskampfbahn.

Aha. Wie jetzt? In echt?
Michi Herl lacht.

Blödmann. Gibt es im Spektaculatium irgendetwas besonders Weihnachtliches? Ich spekuliere ja auf Spekulatius?
Ja, ja, es wird sehr weihnachtlich werden da in dem Spektaculatium. Es wird weihnachtlich dekoriert werden, es wird nach Weihrauch und Myrrhe riechen, wir werden nackte Männer an die Wand nageln...

Du verwechselst das jetzt aber nicht mit den Chippendingens?
Ach so, stimmt ja, das waren diese Chippenstripper.

Aber auch ohne die habt ihr eine tolle Truppe für das Stück. Matthias Scheuring als Maria ist sicher toll.
Wir haben lange gesucht und am Schluss blieb der Scheuring übrig. Der war nicht schnell genug weg und dann mussten wir ihn nehmen. Im Ernst: Er ist ein großartiger Schauspieler, und ich bin stolz, dass er in diesem Stück spielt.

Und Birgitta Linde? War die auch nicht schnell genug weg?
Dieses Stück ist zwar ziemlich verrückt, doch man könnte es auch stinklangweilig als Boulevardkomödie inszenieren. Oder man kann es genauso schräg tun, wie es geschrieben ist und noch einen draufsetzen. Deswegen habe ich bewusst die Birgitta als Regisseurin ausgesucht, weil ich weiß, dass die wirklich positiv einen Knall hat.

Apropos Knall. Wer hat dich zu dem Stück inspiriert? Wohnt Jürgen von Nazareth in deiner Nachbarschaft?
Ja, es gibt etliche Jürgens. Einen sehe ich ständig am Stammtisch.

Aber nur wenige davon reüssieren wie der Jürgen in dem Stück. Dein wievieltes Stück ist der „Jürgen von Nazareth“?
Weiß ich gar nicht, muss ich mal überlegen. Soll ich bei Dingsbums, bei Wikipedia, mal nachgucken?

Sag nur, du hast deinen eigenen Wikipedia-Eintrag geschrieben?
Nee, ich habe keine Ahnung, wer das gemacht hat, aber der stimmt. Und der wird auch aktualisiert, ständig, irgendjemand kümmert sich da sehr rührend drum.

Das ist ja entzückend. Da kann ich ja gleich mal nachgucken…
Ich habe schon nachgeguckt. Ich habe zwölf Stücke geschrieben und Jürgen von Nazareth ist das elfte gewesen.

In deinem Stück geht es um Wünsche, die wahr werden. Was würdest du dir wünschen?
Poah, gute Frage. Dass Dummheit heilbar wäre.

Und was wäre dir die Erfüllung dieses Wunsches wert?
Fast alles, das wäre mein Lieblingsgeschenk, ich würde alle anderen Geschenke dafür hergeben. Denn das regt mich am meisten auf, die Dummheit anderer Menschen.

Und deine eigene Dummheit nicht?
Nö, ich bin nicht dumm. Ich bin unbeschreiblich klug.

Das ist schön zu hören.

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