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Michael Kibler Willkommen in der Bölle-Hölle

Mit seinem Lilien-Krimi hat Michael Kibler seiner Lieblingsfußballmannschaft ein Denkmal gesetzt. Lara Feder hat mit dem Darmstädter Autor gesprochen.

Lilien-Fans
„Wir sind Darmstädter!“ – Höllenstimmung auf der Gegengerade des Bölle. Foto: Jens Joachim

Er sei zwar nicht mit Woogswasser getauft, dafür habe er in 42 Jahren in Darmstadt aber genug Wasser aus dem berühmten Badeteich geschluckt, scherzt der Autor Michael Kibler beim Interview. Dass er die Stadt wie seine Westentasche kennt, zeigen seine zahlreichen Krimis, die in Darmstadt spielen. Einer davon: „Bölle-Hölle“. 

Der fünf Mal gewonnene Bembler-Pokal, gestiftet vom Hauptsponsor, ist plötzlich weg, spurlos aus dem Stadion am Böllenfalltor verschwunden ...
... und die Misere groß. Jedenfalls in meinem Krimi. Aber zum Glück gibt’s die pfiffigen Detektive Helmut Stallitzer und Paul Wagner, die in einer wilden Hatz von Ober-Ramstadt über Bielefeld bis nach Frankfurt den Spuren des Pokals folgen.

Pfiffig genug, um den Pokal unversehrt zurückzubringen?
Das Ende verrate ich natürlich nicht. Es sei nur so viel gesagt: Dass der Pokal einfach so wieder ins Stadion zurückkehrt, wäre mir zu wenig überraschend.

Können Sie sich denn noch an Ihren ersten Besuch im Stadion am Böllenfalltor erinnern? 
Na klar! Das war 1978, also das Jahr, in dem der SV Darmstadt 98 zum ersten Mal in die erste Bundesliga aufgestiegen ist. Ich war 15 Jahre alt und bin eigentlich nur ins Stadion gegangen, weil dort ein Mädchen war, für das ich geschwärmt habe. Meine Oma strickte immer Socken, die habe ich gehasst. Aber in diesem Jahr musste sie mir unbedingt einen blau-weißen Lilien-Fan-Schal stricken. 

Und seitdem hat Sie das Lilien-Fieber gepackt?
Nein, das Fieber kam erst später. Ich war 2011 im Stadion, als die Lilien nach langer Durststrecke von der vierten in die dritte Liga aufstiegen. Erst vor Ort habe ich kapiert, welch wichtiges Spiel ich da miterlebte. Eigentlich wollte ich nur mit einem Kumpel, der noch nie im Stadion war, ins Bölle. Und als die Lilien 2015 in Darmstadt den Aufstieg in die erste Liga geschafft haben, war’s um mich geschehen. Da war klar: Ich schreibe einen Bölle-Krimi und setze meinen Lilien ein Denkmal.

Wie hat denn der Verein auf Ihr Vorhaben reagiert?
Seitens des Vereins habe ich während der Recherche und des Schreibens große Unterstützung erfahren. Ob einer der Spieler das Buch gelesen hat, weiß ich allerdings nicht.
Wer den Krimi liest, merkt schon auf den ersten Seiten, dass Sie sehr genau recherchiert haben – von Darmstädter Orten bis hin zu Fußballgeschichte. Woher haben Sie all Ihr Wissen?
Im täglichen Leben entdecke ich immer wieder neue Ecken und spannende Orte. Wäre ich heute zum verabredeten Interview nicht etwas knapp dran gewesen, wäre ich unterwegs bestimmt noch in den ein oder anderen Hinterhof abgebogen. Was den Fußball betrifft: Das habe ich mir durch diverse Fachbücher angelesen. Und mitunter Widersprüche aufgedeckt. Der Fanbeauftragte der Lilien hat mich zudem mit Anekdoten versorgt.

Welche ist Ihre Lieblingsanekdote?
Ganz eindeutig die, dass das Spray vor Freistößen im deutschen Profifußball das allererste Mal bei einem Spiel im Darmstädter Stadion zum Einsatz kam. Am 17. Oktober 2014. 

„Bölle-Hölle“ ist sehr anders als Ihre bisherigen Krimis. Wie haben Ihre Fans darauf reagiert?
Ganz unterschiedlich. Manchen meiner Stammleser gefällt er gut, anderen ist er zu flapsig oder ihnen fehlen die gewohnten Kommissare. Mein Lilien-Krimi war meine persönliche Spielwiese. Dadurch, dass nicht die Kommissare, sondern Detektive ermitteln, muss ich mich nicht an das Polizei-Prozedere halten. Bei den anderen Büchern gilt für mich: Es muss nicht wahrscheinlich, aber möglich sein. Bei „Bölle-Hölle“ hab ich mich ausgetobt. Auch sprachlich.

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