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Manuel Möglich Der Utopie auf der Spur

Der Journalist und Autor Manuel Möglich kommt auf seiner Lesereise nach Darmstadt. Er erzählt multimedial von Menschen, die mitunter radikal ihren Träumen folgen.

Manuel Möglich
Manuel Möglich hat sich auf den Weg zu Visionären, Phantasten, Hippies und Revolutionären gemacht. Foto: Dennis Dirksen

Wenn Manuel Möglich nicht ein paar Fotos und Filmausschnitte zeigen würde, könnte man glauben, dass einige der Stories, die er erzählt, so nie passiert sind – sind sie aber. So heißt es jedenfalls in der Ankündigung zur Lesung von Manuel Möglich. Wer bislang noch nichts von dem Journalisten gehört oder – besser gesagt – gesehen hat, dem könnte leicht über die Lippen kommen: „Was soll das schon sein?“ Wer aber mal in seine Dokuserien „Wild Germany“, „Rabiat“ oder „Y-Kollektiv“ gezappt hat, weiß: Die Ankündigung könnte sich bewahrheiten. Und das ist auch der Fall, als er jüngst in Frankfurt gelesen hat. Die nächste Chance, seinen Geschichten zu lauschen gibt es am 29. Mai in Darmstadt. 

Um die Geschichten für sein neuestes Buch „Alles auf Anfang“ überhaupt zu finden, hat er in der ganzen Welt Menschen besucht, die ihrem Traum von einem ganz anderen, besseren Leben folgen. Er wollte herauszufinden, ob ihnen dieses Abenteuer gelingt. 

Er erzählt von nichts Geringerem als von gelebten Utopien. Von Transhumanisten, die er in den USA besucht hat und die daran glauben, dass die Menschheit bald unsterblich sei. Und von den durch Polyamorie verursachten familiären Verwirrungen bei den Kirschblütensekte in der Schweiz.

Ob er aber mit der Höhe der Bäume nicht doch etwas übertreibt, als er erzählt, wie er die Baumhäuser der jungen Umweltaktivisten im Hambacher Forst erklettert hat und wie gelähmt in den Baumwipfeln hängt? „Nicht ich bewege meine Beine, dazu bin ich im Augenblick kaum in er Lage, das macht der verdammte Wind, der immer wieder mit ordentlichen Böen auf mich und die 250 Jahre alte, von Blättern befreite Eiche trifft. Alles schwingt, frostig ist es obendrein“, liest er vor. Und dann sieht man es selbst. Auf der Leinwand hinter Möglich beginnt ein Video abzulaufen. Zwischen zwei Bäumen in wirklich luftiger Höhe sind Seile gespannt. Holzpaletten hängen als Steg dazwischen. Alles schaukelt im Wind. Wer nur einen Anflug von Höhenangst hat, bekommt beim Video wahlweise feuchte Hände oder weiche Knie. 

Wie die Baumwipfel, so scheint es, sorgt bei Möglich auch die Bühne für leichtes Unbehagen. Auf sympathische Weise wirkt er unsicher – und kokettiert doch gekonnt damit. München sei bislang der absolute Tiefpunkt auf seiner Lesereise gewesen, ab jetzt könne es nur besser werden.

Auf seiner vergangenen Tour, erzählt Manuel Möglich, habe er schnell gemerkt: Nichts ist langweiliger, als jeden Abend das selbe zu lesen. Und so schaut er nun spontan, welche Geschichten aus seinem Fundus zu seinem Publikum passen. Die von Christoph Schlingensiefs Operndorf oder doch eher die von einem Aufenthalt in einer Abtei in Franken? Seine Eindrücke aus dem Heilungsbiotop Tamera in Portugal oder doch lieber die vom Freistaat Christiania in Kopenhagen? 

Möglich blättert ein Weilchen – der Preis der Spontanität. „Stille muss man auch erst mal aushalten“, sagt er währenddessen lächelnd wohl mehr zu sich als zum Publikum. Die richtige Stelle ist gefunden: „Eine halbe Million Euro Umsatz machen die Dealer hier pro Tag. Im Jahr sind das 180 Millionen“, hatte er sich vom Staatsarchivar von Christiania erzählen lassen. Als Journalist verlässt er sich nicht nur auf seine eigenen Eindrücke, sondern sucht auch nach Fakten. So etwa zum immensen Drogenkonsum im dänischen Freistaat.

Rund und vor allem lebendig wird seine Geschichte dann mit seinen eigenen Schilderungen: „Ein Hund bellt und rennt mit eingezogenem Schwanz aus der Kneipe, ein anderer Typ kippt vom Stuhl und bleibt liegen, niemand stört sich daran. Es riecht einfach nur heftig nach Gras, ich atme flach und bin direkt leicht breit, breiter, will sitzen, steuere schnurstracks auf die Bar zu.“ Fotos und Videoschnipsel auf der Leinwand hinter Möglich gesellen sich zu den Bildern, die der Kopf beim Zuhören ganz von allein produziert.

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